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Dienstag, 09.02.2016

Eine Tradition geht zu Ende

Die Zittauer Hauptturnhalle hat viele Jahre auch als Trainingsstätte der erfolgreichen Gewichtheber gedient.

So berichtete die Sächsische Zeitung am 7. Juni 1966 über den Aufbau der Gewichtheberhalle hinter der Zittauer Hauptturnhalle. Nun wird sie wieder abgerissen.
So berichtete die Sächsische Zeitung am 7. Juni 1966 über den Aufbau der Gewichtheberhalle hinter der Zittauer Hauptturnhalle. Nun wird sie wieder abgerissen.

© Repro SZ

Zittau. Im Juni 1966 berichtete die Sächsische Zeitung, dass auf dem Sportplatz an der Zittauer Hauptturnhalle Bauarbeiten für eine „Trainingsstätte für Gewichtheber“ begonnen hatten. Mit dem Hinweis „die erste in der DDR“. Ziemlich sicher, dass man hätte auch „in Deutschland“ schreiben können. Aber genau in dieser Zeit trennte sich die Sportwelt des Landes. Kurz zuvor hatte es noch „Deutsche Meisterschaften“ der Gewichtheber gegeben. In Zittau! 1968, bei der Olympiade in Mexiko, aber startete erstmals eine DDR-Mannschaft.

Die hervorragenden Zittauer Gewichtheber trainierten jetzt also für die „sozialistische DDR“. Und bei der Planung der Trainingsstätte gab es Hilfe aus dem „sozialistischen Polen“. Wo es bereits gute Erfahrungen mit Gewichtheber-Trainingszentren gab. Schließlich hatten die Polen solche Zentren und gewannen (deshalb) 1968 immerhin fünf Olympiamedaillen. Und auch bei der Weltmeisterschaft 1966 in Berlin errang Polen fünf Medaillen. Die gastgebende DDR aber immerhin eine: eine Bronzemedaille, im Mittelgewicht. Durch Werner Dittrich aus Zittau! Neben Manfred Rieger und Karl Arnold, war er einer der drei Ausnahmeathleten, die in den 60er Jahren den Gewichtheber-Sport in Deutschland dominierten und auch weltweit gute Ergebnisse erreichten.

„Vater“ des Erfolges war Heinz Kahl, der als Trainer den Zittauer Gewichthebersport entscheidend vorangebracht hatte. Sein Vater Gustav war 1904 maßgeblich an der Gründung des Kraftsportklubs Zittau (KSKZ) beteiligt. Zittau kann somit auf eine sehr lange Tradition in dieser Sportart zurückblicken. Und der Enthusiasmus der Familie Kahl, aber auch zahlreicher weiterer Sportfreunde sorgte dafür, dass diese Tradition beide Weltkriege überlebte.

Und Zittau erntete damals die Früchte dieser Arbeit. In Form eines modernen Trainingszentrums. Unterstützt „von oben“. Die vorbereitenden Erdarbeiten mussten die Sportler allerdings als „NAW-Eigenleistung“ umsetzen. Aber beim Bau wurden staatlicherseits „Kontingente“ zugewiesen, also Arbeitsleistungen regionaler Baubetriebe sowie Bereitstellung von Material. Beides war damals aber wichtiger als Geld. (Rß)