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Samstag, 30.09.2017

Eine Stunde Sport in der Woche hilft enorm

Die Ursachen von Diabetes Typ II sind oft hausgemacht. Von vielen wird die Krankheit unterschätzt.

Von Jens Hoyer

Dr. Claudia Eichhorn hat über die Zuckerkrankheit gesprochen.
Dr. Claudia Eichhorn hat über die Zuckerkrankheit gesprochen.

© Jens Hoyer

Döbeln. Bei Elke Weser wurde vor acht Jahren nur aufgrund einer anderen Erkrankung festgestellt, dass sie unter Diabetes leidet. „Ich hatte die Symptome schon, aber ich bin nicht zum Arzt gegangen. Ich hatte wahrscheinlich schon einige Jahre Diabetes“, sagt die 54-Jährige. „Es waren schon Nervenschäden als Folgeerkrankungen da.“ Die sogenannte Neuropathie ist eine häufige Komplikation. „Ich habe bei jedem Schritt Schmerzen“, sagte Elke Weser.

„Wenn man die Diagnose bekommt, fällt man erst mal in ein tiefes Loch, aus dem man sich selbst an den Haaren herausziehen muss“, erzählte sie. Mittlerweile kann sie mit ihrer Diabetes gut leben. „Ich muss nur noch bei Bedarf Insulin spritzen.“ 30 Kilo hat sie dafür abgenommen. „Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, in ein Fitnessstudio zu gehen.“

Elke Weser würde ihre Erfahrungen gern mit anderen teilen. Eine Selbsthilfegruppe gibt es derzeit in Döbeln nicht. „Ich möchte eine Gruppe ins Leben rufen, wo Leute selbst den Diabetes bekämpfen. Ich habe es auch geschafft. Wer Interesse hat, der kann sich bei mir melden.“

Elke Weser gehörte zu den Gästen beim Gesundheitsforum zum Thema Diabetes am Donnerstag in der Sparkasse. Dr. Claudia Eichhorn vom Döbelner Klinikum sprach über die Ursachen, Auswirkungen und Therapien der Krankheit. Ihr wichtigstes Fazit: Jeder kann selbst am meisten gegen die Zuckerkrankheit tun. Beim Diabetes mellitus, dem „honigsüßen Durchfluss“, scheiden die Erkrankten Zucker aus. „Früher hat der Arzt noch den Urin des Patienten gekostet. Das müssen wir zum Glück nicht mehr“, sagt sie.

Häufigste Ursachen von Diabetes Typ II sind neben dem Alter und einer angeborenen Veranlagung Übergewicht und falsche Ernährung. Möglicherweise kommen noch Einflüsse wie Stress und Lärm am Arbeitsplatz, Feinstaub, Weichmacher und Pestizide dazu. „Das wird gerade erforscht“, sagte die Ärztin. Die Körperzellen bilden eine Resistenz gegen das Hormon Insulin aus, das wichtig für die Verbrennung von Glukose, also Zucker, im Körper ist. „Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr Insulin erzeugen. Der Blutzuckerspiegel bleibt dadurch noch eine Zeit im Normbereich. Aber lange macht das die Bauchspeicheldrüse nicht mit.

Dann kommt der Zeitpunkt, wo zu wenig Insulin erzeugt wird“, erklärte die Ärztin. Ihr Tipp: Ausgewogene Ernährung, stark verarbeitete Fertigprodukte meiden und lieber Vollkornprodukte essen. Am besten fünfmal am Tag Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst. Wobei sie zugibt, dass das gar nicht so einfach ist. Bewegung ist wichtig. „Schon eine Stunde Sport in der Woche bringt sehr viel. Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen“, sagt sie.

Günstig seien 30 bis 60 Minuten Bewegung am Tag, am besten in den Tagesablauf eingebaut. „In der Stadt geht das gut. Dann nimmt man eben die übernächste Bushaltestelle.“ Schon kleine Veränderungen beim Lebensstil könnten große Veränderungen im Verlauf der Krankheit bewirken. Die Therapiemöglichkeiten würden auch immer besser.

„Vielen Menschen unterschätzen diese Krankheit. Sie tut ja nicht weh“, meint Diabetespatientin Elke Weser aus eigener Erfahrung. „Vielleicht ist das ja ein Grund, warum nicht mehr Leute zu diesem Gesundheitsforum gekommen sind.“

Wer an einer Selbsthilfegruppe Diabetes interessiert ist, der kann sich unter Telefonnummer 0157 30226228 bei Elke Weser melden.