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Freitag, 11.11.2016

Eine Kirche für Jacob Böhme

Das Zentrum in der Dreifaltigkeitskirche ist zum Greifen nah. Die Görlitzer Welterbe-Hoffnungen soll es ebenso stärken.

Von Sebastian Beutler

Gehen die Pläne für das Kulturerbezentrum „Jacob Böhme“ auf, dann wird es in der Dreifaltigkeitskirche bald ganz anders aussehen.
Gehen die Pläne für das Kulturerbezentrum „Jacob Böhme“ auf, dann wird es in der Dreifaltigkeitskirche bald ganz anders aussehen.

© pawel sosnowski/80studio.net

Görlitz. Wo heute noch das Gestühl auf den Emporen der Dreifaltigkeitskirche am Görlitzer Obermarkt steht, soll es ab 2020 um den Görlitzer Philosophen Jacob Böhme gehen. Und wo jetzt noch die Bänke im Raum unter den Emporen zu erkennen sind, da stellt sich der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler Wechselausstellungen und ein Kulturerbezentrum vor. Seit gestern sind diese Ideen wieder ein Stück realistischer geworden. Denn der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschloss eine Unterstützung für das Vorhaben „Jacob-Böhme-Forum“. Mit den Mitteln des Bundes in Höhe von 2,5 Millionen Euro, so heißt es in einer Pressemitteilung der Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer (CDU) und Thomas Jurk (SPD), wird es jetzt möglich, die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt denkmalgerecht zu sanieren. „Mit den bereitgestellten Mitteln kommen wir dem Ziel näher“, erklären beide Politiker, „in Görlitz einen weiteren interessanten Anlaufpunkt mit internationaler Anziehungskraft zu schaffen und einem der berühmtesten Söhne unserer Stadt und seinen Ideen ein großartiges Forum zu geben.“

Tatsächlich ist damit der größte Teil der geschätzten Sanierungskosten in Höhe von rund vier Millionen Euro abgedeckt. Einen weiteren Teil wird auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beisteuern. Denn beide – Kirche und Stadt – wollen künftig die Dreifaltigkeitskirche gemeinsam nutzen. Sie ist zwar heute Teil der Evangelischen Innenstadtgemeinde, aber verfügt über keine eigene Gemeinde mehr. Nur noch zu ausgewählten Ereignissen wie der Osternacht oder beim Jubiläum des benachbarten Gymnasiums Augustum wird sie als Ort für Gottesdienste genutzt. Dabei ist die Dreifaltigkeitskirche mit ihrem Hochaltar, den zahlreichen Kunstwerken und dem Gestühl des früheren Klosters einer der kunsthistorisch bedeutendsten Kirchenbauten im Kirchenkreis schlesische Oberlausitz.

Dem tragen die Pläne für das „Jacob-Böhme-Fourm“ Rechnung, das bei Wieler derzeit unter dem Arbeitstitel „Kulturerbezentrum Jacob Böhme“ läuft. Ihnen zufolge verbleibt der Chorraum und die Barbarakapelle in kirchlicher Obhut. Dagegen gehen der zentrale Kirchenraum und die Emporen an die Stadt über. Im Gespräch ist ein langfristiger Erbbaupachtvertrag. Dieses Konzept wurde jetzt auch dem städtischen Kulturausschuss vorgestellt.

Auf den Emporen soll der Kern jener Ausstellung über den Philosophen Jacob Böhme dauerhaft gezeigt werden, die ab Herbst kommenden Jahres in Dresden und in den Folgejahren in Amsterdam und weiteren europäischen Städten zu sehen sein wird. Zu Ihrer Vorbereitung veranstalten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, unter deren Regie die Ausstellung entsteht, in der kommenden Woche einen Workshop in Dresden. Dabei tragen Experten aus Deutschland, den USA, Australien, Italien und der Schweiz zwei Tage lang den neuesten Forschungsstand über die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme zusammen.

Die Dresdner Ausstellung wird Leihgaben aus allen wichtigen Böhme-Sammlungen zeigen. Diese wertvollen Musealien stellen die Leihgeber aber nur auf Zeit zur Verfügung, sodass sie nicht auf Dauer nach Görlitz kommen. Daher wird die Ausstellung auch weniger Platz als anfangs gedacht einnehmen. Die Stadt plant nun, den zentralen Kirchenraum als Kulturerbezentrum zu gestalten. „So können wir für die Touristen einen Empfangsort einrichten“, sagt Michael Wieler, „wo sie das geistige und materielle Erbe der Stadt erklärt bekommen.“ Zugleich verwirklicht der Bürgermeister damit ein anderes wichtiges Anliegen. In dem künftigen Böhme-Zentrum würden auch die Gedanken für einen Welterbeort in Görlitz einfließen, für den Wieler im Sommer 2015 einen gläsernen Neubau hinterm Rathaus ins Spiel gebracht hatte.

Infos für den Böhme-Workshop vom 16. bis 18. November in Dresden unter www.skd.museum. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen per E-Mail an: Claudia.Brink@skd.museum