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Dienstag, 28.03.2017

Eine historische Bahnfahrt in die Zukunft

Zwischen Pirna und Gottleuba fährt seit 1976 kein Zug mehr. Ein Film erinnert an die Zeit davor und regt die Fantasie an.

Von Heike Sabel

Christian Trachbrodt vom Gebirgsverein Berggießhübel ist auch ein Bahnkenner. Er erklärt gern, was es mit dem Film, der Bahngeschichte und -zukunft auf sich hat.
Christian Trachbrodt vom Gebirgsverein Berggießhübel ist auch ein Bahnkenner. Er erklärt gern, was es mit dem Film, der Bahngeschichte und -zukunft auf sich hat.

© Kristin Richter

Berggießhübel. Manchmal ist nicht viel zu erkennen. Nur Schnee und Rauchschwaden, und die auch noch etwas unscharf. Dennoch schauen Leute immer wieder wie gebannt auf diesen Schwarz-Weiß-Film. Der damalige Schaffner Manfred Franz hat ihn 1968 gedreht. Er zeigt eine Fahrt mit dem Zug von Pirna bis nach Gottleuba. Er ist damit ein in mehrfacher Hinsicht historisches Dokument. Denn 1976 fuhr der letzte Zug auf dieser Strecke.

Das ahnte Manfred Franz nicht, als er im Winter seine Schmalfilmkamera mit auf die Fahrt nahm. Heute zeigt der Gebirgsverein Berggießhübel den Film in seiner Heimatstube im Georgenbad in Berggießhübel. In der Regel läuft der Film nur auf einem kleinen Bildschirm. Daneben liegen etliche Bahnutensilien, auch ein Schild „Fahrkarten“, Signale und Zeichen. 1880 war die Bahnverbindung zwischen Pirna und Berggießhübel in Betrieb gegangenen, 1905 wurde sie bis nach Gottleuba erweitert. „Die Bahngeschichte gehört zu Bad Gottleuba-Berggießhübel so wie der Bergbau und die Kliniken“, sagt Christian Trachbrodt vom Verein. Zur ersten Kulturnacht und zu weiteren Anlässen ist der Film auch etwas größer zu sehen.

Verpflichtung dem Filmer gegenüber

Der Film ist etwa zehn Minuten lang und läuft in der Heimatstube in Endlosschleife. Einmal habe ein Mann ihn fünf Stunden lang angeschaut, erzählt Christian Trachbrodt. Auch er kann viel und lange erzählen, ohne dass sich etwas wiederholt. Man sollte sich den Film schon ein paar Mal anschauen, sagt er. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken. Mal ist es die Weiche, die noch von Hand umgestellt wird. Mal sind es rechts und links der Bahnstrecke Häuser, die es so heute nicht mehr gibt, mal auch Leute, die mancher meint zu erkennen.

Wenn der Zug in Langenhennersdorf hält, hellt sich Trachbrodts Gesicht auf. Der Bahnhof dort nämlich wurde saniert, als Bahnhof wird er zwar nicht mehr gebraucht und genutzt, aber die privaten Besitzer pflegen ihn. Der Film ist alt und könnte doch in die Zukunft weisen. Der Zug fährt zwar nicht mehr auf der Strecke, aber künftig vielleicht Radfahrer. Das soll das zweite Leben der Bahnstrecke sein. Zwischen Berggießhübel und Gottleuba kann man auf einem Stück ehemaligen Gleises schon fahren. Hier stehen einige Bahnzeichen, vor allem Signale, die auf die Vergangenheit aufmerksam machen. Ein Radweg auf den alten Bahndamm, das reizt Interessierte über die sächsischen Grenzen hinaus. Der Leverkusener Achim Bartoschek erkundet bundesweit Radwege auf einstigen Bahnstrecken und ist begeistert von dem im Gottleubatal. Der habe das Zeug zu mehr. Dem jedoch steht die Weiterführung nach und die Anbindung an Pirna im Wege. Noch, sagt Trachbrodt.

Der Film wurde schon einige Male überspielt. Von Acht-Millimeter-Film auf Super 8, später auf Video. Die Qualität hat immer etwas gelitten, sagt Trachbrodt. Nun soll er noch digitalisiert werden, um ihn zu erhalten und immer wieder zeigen zu können. Manfred Franz ist inzwischen über 80 Jahre und lebt im Pflegeheim. Christian Trachbrodt und die anderen vom Gebirgsverein fühlen sich ihm ein bisschen verpflichtet.

Heimatstube, Sebastian-Kneipp-Straße 10, geöffnet: jeden ersten und dritten Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr