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Mittwoch, 24.12.2014

Eine App für den Weihnachtsmann

Ein junges Unternehmen hat eine neue Meinungsplattform entwickelt. Beworben wird das Netzwerk mit dem Mann in Rot.

Von Nora Domschke

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Volle Fahrt voraus: Mit einem neuen Meinungsnetzwerk wollen Alexander Bresk, Wadim Suslow und Alexander Nast (v. l.) durchstarten.
Volle Fahrt voraus: Mit einem neuen Meinungsnetzwerk wollen Alexander Bresk, Wadim Suslow und Alexander Nast (v. l.) durchstarten.

© Sven Ellger

Dieser Weihnachtsmann ist anders. Der Weißbärtige mit dem dicken Bauch ist provokant, ein bisschen frivol und auch ein wenig verrückt. Seit einigen Tagen treibt er sein Unwesen – auf dem Campus, rund um den Striezelmarkt und auf der Hauptstraße am Goldenen Reiter. Mal bittet er die Gäste eines Cafés zum Kuss unter dem mitgebrachten Mistelzweig. Mal bewegt er Mathematik-Studenten dazu, die Weihnachtshymne „Jingle Bells“ zu singen – der Professor im Audimax des Hörsaalzentrums an der TU Dresden nimmt die Unterbrechung zum Glück gelassen. Danach wird wieder Algebra gebüffelt.

Hinter weißem Rauschebart und rotem Kostüm verbirgt sich Alexander Nast. Der junge Mann hat eine Mission: Mit den verrückten Aktionen will er die neue App „Whisp“ – ein Wortspiel mit dem englischen Wort für „Flüstern“ – bekannt machen. Sie wurde kürzlich von zwei Dresdnern entwickelt. Auf der Internetplattform können sich die Nutzer über alles austauschen, was ihnen in ihrem Alltag begegnet. Filme, Musik, Klamotten, Restaurants – jeder kann in dem Netzwerk seine Meinung darüber kundtun und kurze Filme dazu hochladen. Mit grüner oder roter Schrift ist für die anderen Nutzer sofort sichtbar, ob die Bewertung positiv oder negativ ist.

„Um die besten Geschenke zu finden, kann die Plattform eigentlich auch vom Weihnachtsmann genutzt werden“, meint App-Erfinder Alexander Bresk lachend. Mittlerweile tauschen sich in seinem Netzwerk schon mehr als 800 Nutzer über das neueste Smartphone aus, empfehlen den schönsten Weihnachtsmarkt in Dresden oder geben letzte Tipps, um mit dem passenden Geschenk bei der Schwiegermutter zu punkten. Es werden aber auch Themen diskutiert, die vor allem die Dresdner bewegen: So kritisiert ein Nutzer die teure Rathaussanierung, ein anderer fragt nach Meinungen über Pegida. „Neben kurzen Einträgen können auch Videosequenzen hochgeladen werden“, sagt Bresk.

Gemeinsam mit seinem Partner Wadim Suslow hat der studierte Informatiker die Whisp Internet GmbH mit Sitz in der Andreas-Schubert-Straße 23 gegründet. In den vergangenen Monaten haben die beiden Jungunternehmer viel Zeit in die Entwicklung ihrer App investiert. „Es ist technisch sehr aufwendig, so etwas zu programmieren“, erklärt Bresk. Zwei Informatikstudenten unterstützen die beiden Start-up-Unternehmer dabei. Startup – darunter verstehen Bresk und Suslow, neue Ideen mit geringen finanziellen Mitteln umzusetzen. Und zu bewerben. Deshalb haben sie nun die Aktion mit dem verrückten Weihnachtsmann gestartet.

Mit dem Handy haben Bresk und Suslow ihren verkleideten Gehilfen Alexander Nast gefilmt und die Videos in sozialen Netzwerken wie Youtube und Facebook veröffentlicht. Mit 10 000 Zugriffen ist der Kuss unter dem Mistelzweig die beliebteste Aktion des Dresdner Weihnachtsmannes. Dabei war es gar nicht so einfach, die Cafégäste dazu zu überreden, sagt Alexander Nast. Seit drei Jahren ist der junge Mann am Heiligabend als Profi-Bescherer unterwegs und deshalb mit der Weihnachtsmannrolle bestens vertraut. „Jetzt genieße ich es, mal nicht nur Geschenke zu verteilen“, sagt der 25-Jährige. „Ein Pärchen in der Mensa in der Reichbachstraße hat sich extrem lange geziert.“ Unter großem Applaus hat es sich letztendlich doch getraut.

Dabei geht es dem Trio nicht nur um die App: In den USA liegen derartige Videos unter der Rubrik „prank“, was so viel heißt wie Jungenstreich, schon lange im Trend. Mit ihren Aktionen und Kurzvideos wollen Bresk, Suslow und Nast nun auch Dresden etwas bunter machen.

Die Idee für ihr Start-up ist allerdings gar nicht so neu. Schon seit 2006 beschäftigt sich Suslow mit dem Gedanken, Menschen eine Art öffentliches Meinungsnetzwerk zur Verfügung zu stellen. 2012 hat sich der heute 25-jährige Wirtschaftsingenieur erneut mit dem Thema soziale Netzwerke auseinandergesetzt und festgestellt, dass täglich Milliarden von Menschen diese Plattformen zum Austausch nutzen. Also startete er das Projekt und suchte dafür Mitstreiter. Alexander Bresk wurde durch einen Zettel, den Suslow in der Hochschule für Technik und Wirtschaft ans Schwarze Brett gepinnt hatte, darauf aufmerksam.

Die Idee für die App wurde konkreter, ein Konzept wurde erarbeitet und ein Prototyp mit einem bestimmten Design entwickelt. Anschließend musste alles programmiert werden. Hinter der App verbergen sich unzählige Stunden am Computer.

Nun hoffen die Jungunternehmer, dass ihr Netzwerk die Dresdner begeistert. „Es wäre super, wenn sich die Nutzer an den Feiertagen über ihre guten und weniger guten Geschenke austauschen“, sagt Suslow.

Die Weihnachtsmannvideos sind u.a. auf Youtube oder Facebook zu sehen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Ilona

    ihr macht das toll, immer weiter so - Alex auch als Hase??? :o)

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