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Einbrecher brauchen nur drei Minuten

Ein Polizist erklärt in Radebeul, wie man sich vor ungebetenen Eindringlingen schützen kann.

07.11.2017
Von Nina Schirmer

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Oft kommen Einbrecher durchs Fenster. Das wird meist mit einfachem Werkzeug wie einem Kuhfuß aufgehebelt. Hat das Fenster eine Pilzkopfverriegelung, ist das jedoch nicht ohne Weiteres mehr möglich, erklärt Polizeihauptkommissar Uwe Müller einem Interessenten.

© Norbert Millauer

Radebeul. Es gibt da eine Frage, die ihm schon lange unter den Nägeln brennt, sagt der Radebeuler mit dem schütteren grauen Haar: Wenn ein Einbrecher in seinem Haus ist, darf er dem Eindringling dann eins überziehen? Darauf hat selbst Polizeihauptkommissar Uwe Müller keine eindeutige Antwort. „Das kommt drauf an, ob Sie aus Notwehr handeln“, erklärt er dem Mann. Ansonsten mache er sich wegen Körperverletzung schuldig. „Obwohl der Typ in meinem Haus ist?“, hakt der Radebeuler etwas ungläubig nach. Und der Polizist antwortet: „Ja, auch Einbrecher haben Rechte.“ Im besten Fall kommt der Dieb aber erst gar nicht ins Haus. Uwe Müller hat viele Tipps, wie man es ungebetenen Gästen schwermacht. Er arbeitet im Fachgebiet Prävention der Polizeidirektion Dresden. Vergangenen Freitag hat er bei einer Infoveranstaltung im Kulturbahnhof erklärt, wie man sein Hab und Gut schützen kann.

Der Polizist beginnt seinen Vortrag mit einem Schockbild. Ein verwüstetes Wohnzimmer: Der Tisch ist umgeschmissen, die Kissen aufgeschlitzt, Scherben liegen auf dem Boden. Viele Leute denken, dass ihnen das nicht passieren kann, sagt Müller. Den Satz „Bei uns ist doch nichts zu holen“, hört er öfter. Ein Trugschluss. Denn von außen sehen Einbrecher sowieso nicht, was es zu holen gibt, sagt der Polizist. Sie schlagen dort zu, wo sie leichtes Spiel haben.

Einer der Anwesenden möchte wissen, ob es in Radebeul Schwerpunktgebiete gibt, in denen besonders häufig eingebrochen wird. Der Hauptkommissar verneint. „In Radebeul ist immer mal eine andere Straße dran“, sagt er. Die Diebe schlagen im ganzen Stadtgebiet oberhalb und unterhalb der Meißner Straße zu. Meistens brauchen sie nur drei bis fünf Minuten, um reinzukommen, sagt Müller. Und das mit ganz einfachen Werkzeugen. Mit einem Kuhfuß oder Schraubendreher hebeln sie Fenster oder Türen auf. „Die Aufklärungsquote liegt bei 15,2 Prozent“, sagt Müller.

Der Polizist empfiehlt verschiedene Sicherheitsmaßnahmen. Denn lange aufhalten wollen sich Einbrecher nicht. „Wenn sie es nach zwei Versuchen nicht ins Haus schaffen, ziehen sie weiter“, sagt Müller. Er schlägt deshalb zum Beispiel eine Mehrfachverriegelung an der Haustür vor. Möglich ist etwa ein Riegelschloss, das quer über die Tür verläuft. Fenster, vor allem die im Erdgeschoss, sollten mit einer Pilzkopfverriegelung aufgerüstet werden. Die Polizei bietet dazu einen kostenfreien Service an. Auf Wunsch kommen die Experten vorbei, schauen sich Haus und Hof an und geben Empfehlungen, wie man das Grundstück sicherer machen kann.

Manche Tipps des Polizisten lassen sich aber auch von jetzt auf gleich umsetzen. Dazu gehört, dass man die Haustür immer zweimal abschließen sollte – selbst, wenn man zu Hause ist. Beim Verlassen der Wohnung sollten Fenster im Erdgeschoss und Hochpaterre geschlossen werden. Und zwar komplett, nicht nur gekippt. Außerdem niemals auf Facebook schreiben, dass man die nächsten zwei Wochen im Urlaub ist, sagt Müller. Das wär eine „super“ Einladung für Einbrecher.

Einer der Anwesenden erklärt, dass er eine Kamera-Attrappe am Haus habe, um Einbrecher abzuschrecken. Der Polizist hält davon aber nicht viel – ob Attrappe oder echte Kamera. Im Zweifelsfall habe man dann nur ein schlechtes Bild von jemandem mit Kapuze, der nicht zu erkennen ist. Stattdessen sollten die Bürger lieber auch all das sichern, was vor der Haustür steht. Auch Autos werden häufig geklaut. Erst am letzten Wochenende verschwand ein VW Caddy in der Hohen Straße. In letzter Zeit würden aber vor allem asiatische Modelle, zum Beispiel Toyota, gestohlen, sagt Müller. Besonders gefährdet sind Autos mit Starterkarte. Deren Signal lässt sich mit einfachen Mitteln verlängern. Der Kommissar empfiehlt darum, die Karte zu Hause in eine Blechdose zu legen.