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Montag, 24.04.2017

Ein Weltrekord, der keiner ist

Die Kenianerin Mary Keitany setzt mit ihrem Superlauf in London dem Marathon-Wochenende die Krone auf.

Von Andreas Schirmer

Weltrekord hin oder her. Mary Keitany war im Ziel erst einmal nur glücklich über sich und ihre beim London-Marathon gelaufene Zeit. Der Weltverband hätte jene 2:17:01 Stunden gerne als Weltrekord gesehen. Doch da wiederum hatten die Briten etwas dagegen.
Weltrekord hin oder her. Mary Keitany war im Ziel erst einmal nur glücklich über sich und ihre beim London-Marathon gelaufene Zeit. Der Weltverband hätte jene 2:17:01 Stunden gerne als Weltrekord gesehen. Doch da wiederum hatten die Briten etwas dagegen.

© Dempsey/Epa/Rex/Shutterstock

Die Kenianerin Mary Keitany ist ohne einen männlichen Tempomacher zum Marathon-Weltrekord gerannt – wenn die Bestmarke denn zählen würde. Die 35-Jährige lief am Sonntag in London in 2:17:01 Stunden die schnellste jemals in einem reinen Frauen-Rennen über 42,195 Kilometer erreichte Zeit. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF kreierte dafür kurzerhand den Titel „Women’s-only“-Weltrekord.

Offiziell als Weltrekord gilt allerdings weiter die von der Britin Paula Radcliffe 2003 ebenfalls in London gelaufene Zeit von 2:15:25 Stunden – die sie aber damals mithilfe von zwei männlichen Tempomachern aufstellte. Ein Makel, den die IAAF schon 2011 vergeblich beheben wollte.

Der Weltverband fasste damals einen Beschluss, Weltrekorde in gemischten Rennen nur noch als Weltbestzeiten anzuerkennen. Damit wäre wohl auch Radcliffes Bestmarke von 2003 betroffen gewesen und ihre zweitschnellste 2005 in einem Frauen-Marathon erzielte Zeit von 2:17:42 Stunden zum Weltrekord geworden. Das Vorhaben wurde nach erheblichem Widerstand aber wieder zu den Akten gelegt.

Keitany freute sich dennoch – über ein starkes Rennen. „Mein Körper hat sich fit genug angefühlt, und deshalb habe ich die ganze Zeit Gas gegeben“, sagte sie nach ihrem großen Lauf und betonte: „Ich bin sehr glücklich mit der Zeit.“ Zweite wurde die Äthiopierin Tirunesh Dibaba in ebenfalls großartigen 2:17:56 Stunden.

Die Männer interessieren am Rand

Im hochklassigsten Frauen-Feld in der Geschichte der großen Städte-Marathons drückte Keitany vom Start weg aufs Tempo. Die ersten fünf Kilometer rannte sie in beachtlichen 15:31 Minuten. Und bis Kilometer 20 konnte allein Tempomacherin Caroline Kipkirui folgen, danach lief sie ein Solo am Buckingham Palast vorbei bis ins Ziel.

Im Schatten dieses inoffiziellen Frauen-Rennen-Weltrekords standen diesmal sogar die Männer und vor allem Kenenisa Bekele. Der 34-jährige Äthiopier fühlte sich vor dem Rennen so gut in Form wie bei seinem Lauf im September 2016 in Berlin, wo er in 2:03:03 Stunden den Weltrekord um sechs Sekunden verfehlte. Eine neue Bestzeit schien möglich. Am Ende reichte es in 2:05:57 Stunden für Bekele nur zu Platz zwei hinter dem Kenianer Daniel Wanjiru, der in 2:05:49 Stunden gewann.

Auch in Hamburg hatten die Afrikaner die Marathons fest im Griff. In der Hansestadt gewann der erst 21-jährige Äthiopier Tsegaye Mekonnen in 2:07:26 Stunden – und ließ nach einem spannenden Rennen im Endspurt den Favoriten, Olympiasieger und Weltmeister Stephen Kiprotich aus Uganda vier Sekunden hinter sich. „Es war sehr schwer“, sagte Mekonnen, der 2014 überraschend den Dubai-Marathon mit der Weltklassezeit von 2:04:32 gewonnen hatte, nach seinem Triumph in Hamburg: „Bei Hagel bin ich noch nie gelaufen.“

Den Streckenrekord des Kenianers Eliud Kipchoge aus dem Jahr 2013 konnte er angesichts der Bedingungen nicht angreifen. Der steht bei 2:05:30. Rio-Olympiasieger Kipchoge, Vorjahressieger in London, hatte auf einen Start bei den großen Frühjahres-Rennen verzichtet. Er bereitet sich auf das vom US-Sportartikelriesen Nike generalstabsmäßig geplante Marathon-Projekt „Breaking2“ vor: Auf dem Formel-1-Kurs von Monza sollen er oder einer seiner beiden Wettstreiter Lelisa Desisa (Äthiopien) und Zersenay Tadese (Eritrea) am ersten Mai-Wochenende die Zwei-Stunden-Marke durchbrechen. Offen ist schon jetzt, ob die Zeit dann als offizieller Weltrekord gelten wird.

Der deutsche Olympia-Teilnehmer Philipp Pflieger hatte verletzungsbedingt seinen Start in Hamburg absagen müssen. Der 29-Jährige wollte eigentlich seine Bestzeit von 2:12:50 Stunden angreifen. Bester Deutscher war der Leipziger Marcus Schöfisch als Zwölfter in 2:17:56.

Nach den Schüssen auf Polizisten in Paris am Donnerstag hatte die Hamburger Polizei ihr Sicherheitskonzept nochmals geprüft. Über der Marathonstrecke kreisten Hubschrauber, an neuralgischen Punkten waren rund 30 Lastwagen als Barrieren postiert. Hinweise auf eine konkrete Gefahr lagen aber nicht vor. (dpa, mit sid)