erweiterte Suche
Donnerstag, 26.06.2014

Ein Visionär für die Pirnaische Vorstadt

Platten und Brachen dominieren das Viertel. TU-Student Fabian Jäkel hat eine Vorstellung, wie sich das ändern könnte.

Von Tobias Hoeflich

25

Bild 1 von 4

So stellt sich Architekturstudent Fabian Jäkel (kl. Foto) in einigen Jahrzehnten das Terrassenufer vor. Mit seinen Plattenbauten und monotonen Wohnhäusernist es derzeit wenig einladend. Visualisierungen: Fabian Jäkel, Foto: Sven Ellger
So stellt sich Architekturstudent Fabian Jäkel in einigen Jahrzehnten das Terrassenufer vor. Mit seinen Plattenbauten ist es derzeit wenig einladend. Visualisierungen: Fabian Jäkel, Foto: Sven Ellger
  • So stellt sich Architekturstudent Fabian Jäkel (kl. Foto) in einigen Jahrzehnten das Terrassenufer vor. Mit seinen Plattenbauten und monotonen Wohnhäusernist es derzeit wenig einladend. Visualisierungen: Fabian Jäkel, Foto: Sven Ellger
    So stellt sich Architekturstudent Fabian Jäkel in einigen Jahrzehnten das Terrassenufer vor. Mit seinen Plattenbauten ist es derzeit wenig einladend. Visualisierungen: Fabian Jäkel, Foto: Sven Ellger
  • Eine schmalere St. Petersburger Straße und Kleinteiligkeit statt DDR-Platten: Ansicht des Rathenauplatzes aus Richtung Carolabrücke. Rechts ist die Synagoge zu sehen.
    Eine schmalere St. Petersburger Straße und Kleinteiligkeit statt DDR-Platten: Ansicht des Rathenauplatzes aus Richtung Carolabrücke. Rechts ist die Synagoge zu sehen.
  • Von der einstigen Schönheit des Sachsenplatzes ist heute nicht mehr viel übrig. So könnte ein angemessener Rahmen für das Amtsgericht (Bildmitte) aussehen.
    Von der einstigen Schönheit des Sachsenplatzes ist heute nicht mehr viel übrig. So könnte ein angemessener Rahmen für das Amtsgericht (Bildmitte) aussehen.
  • Fabian JäkelArchitekturstudent
    Fabian Jäkel Architekturstudent

Großer Zuzug, hohe Geburtenrate, sinkende Arbeitslosigkeit: Dresden boomt. Das macht sich auch auf dem Immobilienmarkt bemerkbar. Der Leerstand sinkt, Wohnungen werden knapp und vielerorts neu gebaut. Die Pirnaische Vorstadt profitiert bislang kaum von der Entwicklung. Wenn es um Bau geht, dann meist um Abriss – wie der Streit um die Hotel-Platte am Terrassenufer zeigt.

Ein Zustand, der sich dringend ändern muss, findet Fabian Jäkel, Diplom-Architekturstudent an der Technischen Universität Dresden. „Terra Incognita“ nennt der 25-Jährige die Pirnaische Vorstadt – unbekanntes Land. „Der Stadtteil hat eine geringe Aufenthaltsqualität. Es gibt keine öffentlichen Räume und Plätze“, findet Jäkel. Dabei habe der elbnahe Teil großes Potenzial. „Nach der Altstadt ist es das Viertel, wo sich am ehesten etwas ändern muss.“

Wie das aussehen könnte, dazu hat sich der gebürtige Riesaer ein Vierteljahr lang Gedanken gemacht: teils als Studienarbeit, teils in der Freizeit. Oberste Priorität hat für ihn, dem Viertel seine einstige Urbanität zurückzugeben – mit „klaren Kanten zum Terrassenufer und zum Altstadtring“. Geschlossene, kleinteilige Karrees statt frei stehender Wohnblöcke: Jäkel bezieht bewusst traditionelle Elemente in seine Pläne und Visualisierungen mit ein, ohne dabei Geschichtliches nachahmen zu wollen.

Die Rückbesinnung auf vergangene Zeiten hält er für wichtig. „Altstädte schaffen das, was zeitgenössische Architektur nicht imstande ist zu leisten“, sagt Jäkel, der sich schon zu Schulzeiten für Architektur interessierte. Viele Städte hat er bereist und daraus Rückschlüsse auf sein eigenes Bild vom perfekten Stadtbau gezogen. „Ich finde es nur konsequent, dabei zurückzuschauen. Es sind immer die Altstadtviertel, in die es Bewohner zieht.“ Dabei übt er auch Selbstkritik an seiner eigenen Branche. Ein Unding sei es etwa, dass Architektur und Stadtplanung oft getrennt betrachtet werden – obwohl beides zusammengehöre. Doch fehle es auch an Konstanz im Städtebau: Was heute modern erscheint, wird schon wenige Jahre später wieder verworfen. „Das Modell zum Postplatz, das aus den 90er-Jahren stammt, würde heute wohl kein Architekt mehr so entwerfen.“

Umso wichtiger, dass die Entwicklung der Pirnaischen Vorstadt wohlüberlegt ist. Jäkel ist Realist genug, um zu wissen: Es wird Jahrzehnte dauern, das Erscheinungsbild des Viertels nachhaltig zu verändern. Nicht nur manches Wohnhaus müsste verschwinden, auch die St. Petersburger Straße schmaler werden. Dazu braucht es freilich Geld – aber auch die nötigen Entscheidungsträger. „Wir brauchen Politiker, die Visionen haben und die auch umsetzen“, findet der Architekturstudent. Viel zu wenig spreche die Verwaltung in Gestaltungsfragen mit, wenn Investoren Neubauten planen. „Dresden muss sich frühere urbane Qualitäten zurückholen. Mit Plattenbauten kann man das nicht leisten.“

In hiesigen Internetforen, wo über Architektur in Dresden diskutiert wird, hat Jäkels Entwurf bereits für Anerkennung und lobende Worte gesorgt. Dem wird auch sein Professor zustimmen. Er hatte die Studenten mit einem Entwurf für die nördliche Pirnaische Vorstadt beauftragt und Jäkels Arbeit mit der Note 1,3 honoriert. Nach dem Studium will der zunächst im Büro des namhaften Berliner Architekten Hans Kollhoff arbeiten. Schon jetzt entwirft und tüftelt er hier als Praktikant. Einen Posten in der Dresdner Stadtplanung kann er sich aber auch vorstellen. Zu tun gäbe es jedenfalls genug.

www.fabianjaekel.com

Leser-Kommentare

Seite 1 von 5

Insgesamt 25 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Tom

    GEBT DIESEM MANN GELD UND LASST IHN BAUEN! Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es gibt sie noch: richtige Architekten, die sich nicht einzig und allein dem Bauhaus verschrieben haben. Der Mann spricht mir aus der Seele und seine Entwürfe sind wirklich Dresdener Original! Noch nie habe ich Entwürfe gesehen, die mich so sehr ansprechen, ich finde es sogar noch besser als den Neumarkt, weil hier kein Altes nachgebaut wird, sondern wirklich Neues entsteht! Man sehe nur, was sich doch heute auch mit modernen Elementen schaffen lässt. Und es entstehen auch keine teuren Luxusimmobilien, sondern erschwinglicher Mittelstandswohnraum! Bei so kleinen Häusern ist es auch wahrscheinlicher, dass sich Häusergemeinschaften zusammentun und gemeinsam ein Mehrfamilienhaus in geschlossener Bebauung errichten. Die Stadt kann auch ein paar Häuser als Sozialwohnraum erbauen - keine Gentrifizierung, alle sind glücklich...

  2. Stefanius

    Klasse!!!!

  3. Martin

    Ich find das genial. In so einer Stadt möchte ich leben. Hoffentlich greift jemand mittelfristig diesen Plan auf, nimmt Geld in die Hand und realisiert ihn. Und hoffentlich halten die ganzen frustrierten mal ihre Klappe und verjagen nicht wieder die Investoren aus Dresden.

  4. Danke

    Ein Lichtblick! Da geht mir das Herz auf. Leider wird es nicht nur Jahrzente dauern. Wenn die Stadt schon daran scheitert den Abriss eines einzelnen Gebäudes durchzu drücken ist an die Umsetzung eines solchen Planes gar nicht zu denken.

  5. Thomas

    Nebenbei bemerkt: Man kann nur hoffen, dass die Architektur wieder zu mehr Details findet. Momentan bin ich mit der "modernen" Architektur, wie sie überall in Dresden aus dem Boden gestampft wird, gar nicht zufrieden. Man schaut sich das Gebäude einmal an und dann nie wieder. Weil in wenigen Sekunden die gesamte langweilige Fassade mit ihren hohlen Fensterlöchern abgerastert ist. Nirgendwo bleibt das Auge hängen, geschweigedenn entdeckt man bei einer erneuten Betrachtung irgendwas Neues. Es muss ja nicht verspielt sein, aber ein paar Details sind nun wirklich nicht zu viel verlangt... Das allerschlimmste Übel sind jedoch die Gitterzäune, die man jetzt überall sieht (*siehe unten). Was um alles in der Welt geht in den Leuten und Architekten vor, die so einen Hundezwingerzaun um ein Haus ziehen? Das zerstört in meinen Augen alles!! Das ganze Ensemble bekommt dadurch was Bedrückendes.... (*) Beispiel: http://www.mhd-zaunservice.de/sites/default/files/products/images/gitter_hs9.jpg

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 5

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.