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Samstag, 16.02.2013

Ein starker Auftritt

Angst vorm Vorstellungsgespräch muss nicht sein, sagt Cäcilia Luise Ressel aus Dresden – mit einem Bewerbungsseminar.

Von Gudrun Buhrig

Cäcilia Luise Ressel aus Dresden möchte Handelsfachwirt werden. Bei ihren Bewerbungen überlässt sie nichts dem Zufall.Foto: Robert Michael
Cäcilia Luise Ressel aus Dresden möchte Handelsfachwirt werden. Bei ihren Bewerbungen überlässt sie nichts dem Zufall.Foto: Robert Michael

Zahnmedizin war doch nicht das Richtige. Cäcilia Luise Ressel aus Dresden sattelt um. Die 18-Jährige möchte einen Beruf lernen. Er soll etwas mit Menschen zu tun haben und gefragt sein. Sie suchte im Internet und entschied sich schließlich für den Handelsfachwirt.

1. Hürde: Die Bewerbung

Die junge Frau holt sich Rat bei der Arbeitsagentur Dresden und schickt so an die 20 Bewerbungen an Unternehmen in der Region, „die meisten online“, sagt sie. „Immer mehr, vor allem große Firmen, bevorzugen diese Form“, sagt Margith Schubert von der Arbeitsagentur Dresden. Ob so oder klassisch in Papierform, Anschreiben, Lebenslauf und das aktuelle Zeugnis sind Pflicht. Nützlich sind die Nachweise von eventuellen Praktika. Ein Foto wird nicht mehr verlangt. „Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte und man macht damit Werbung für sich selbst“, sagt die Berufsberaterin.

Wichtig: Alle schriftlichen Unterlagen müssen orthografisch, stilistisch und grammatisch fehlerfrei sein. „Null-Fehler-Toleranz“ nennt das der Personalberater und Ratgeberautor Claus Peter Müller-Thurau. Er empfiehlt das Vier-Augen-Prinzip, also Gegenlesen. Außerdem kommt es auf die Optik an: Weißes Papier, keine Experimente mit der Schrift, zwölf Punkt ist gut, Überschriften können größer und gefettet sein.

Für den tabellarischen Lebenslauf sollte insbesondere bei jungen Bewerbern eine Seite reichen. Viele geben immer noch an, welchen Beruf ihre Eltern ausüben. „Heute macht man das aber nicht mehr“, sagt Sabine Neumaier, Bewerbungstrainerin in Berlin. Denn aus welchem Elternhaus jemand stammt, gehe den Arbeitgeber nichts an. Andererseits gehören die Stärken und Erfahrungen mit der Arbeitswelt (Praktika) unbedingt in den Lebenslauf.

Häufig gelingt das Anschreiben nicht. „Das übt man auch in der Schule kaum“, sagt Ressel. Das Ergebnis, so die Erfahrung vieler Personaler: Die Anschreiben sind zu allgemein, zu holprig formuliert und kein roter Faden. Aus dem Dilemma helfen laut Claus Peter Müller-Thurau die ehrlichen, schnörkellosen Antworten auf drei Fragen: Was willst du? Was kannst du? Wer bist du? Aber vor allem gehört aufs erste Blatt, „warum es ausgerechnet dieser Lehrberuf sein soll und weshalb nur das angeschriebene Unternehmen infrage kommt“, sagt Margith Schubert. Begründungen dafür liefern Praktika und Steckbriefe zu den Berufen im Internet. Zum Beispiel Handelsfachwirt: Bei www.berufenet.de hat Cäcilia Luise Ressel alles zu ihrem Wunschberuf recherchiert: von den Anforderungen über die Ausbildungsinhalte, späteren Einsatz- und Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Verdienst. Diese Informationen bietet diese Jobbörse der Arbeitsagentur für alle knapp 350 Ausbildungsberufe.

Es ist auch längst kein Kunststück mehr, sich über den Ausbildungsbetrieb kundig zu machen. Firmen stellen sich im Netz und auf Messen – wie am kommenden Sonnabend im Glücksgasstadion Dresden – vor. Sie laden Schüler direkt vor Ort ein – in Sachsen während der Woche der offenen Unternehmen vom 11. bis 16. März.

Ins Fettnäpfchen können Bewerber auch mit dem Schlusssatz des Anschreibens treten. Zum Beispiel: „Ich bin mir sicher, die geforderten Anforderungen zu erfüllen.“ oder „Wann darf ich mich vorstellen?“ fallen durch. Ein bescheidenes „Dankeschön, dass Sie sich Zeit genommen haben“, komme besser an, sagt Margith Schubert.

2. Hürde: Die Vorstellung

„Mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch haben Bewerber die erste Runde schon gewonnen“, sagt die Berufsberaterin. Dennoch, nicht wenige haben Bammel vor dem wichtigen Auftritt vorm Chef oder Personaler. Anfangs auch Cäcilia Luise Ressel. Zwei Firmen haben sie zum telefonischen Vorstellungsgespräch eingeladen. „Keine Ahnung, was mich da erwartet“, sagt sie und meldet sich zu einem rund dreistündigen kostenfreien Bewerbungsseminar bei der Arbeitsagentur an. Dabei wird schnell klar: Außer, dass man sich nicht von Angesicht zu Angesicht begegnet, gibt es keine Unterschiede. Es gilt, sich möglichst gut zu verkaufen, seine Stärken herauszustellen. Fragen werden so beantwortet, dass der Bewerber in einem guten Licht dasteht. Ein abgebrochenes Studium zum Beispiel spricht keineswegs gegen ihn. Dann eher schon unpassende Kleidung beim persönlichen Vorsprechen. Schulungsfilme helfen, Peinlichkeiten zu vermeiden: Eine Firmenhomepage zum Beispiel gibt Aufschluss, wie sich Mitarbeiter kleiden. Tragen Verkäufer T-Shirts, „gehe ich nicht im dunklen Hosenanzug zur Vorstellung“, sagt Cäcilia Luise Ressel.

Und sie geht auch nicht unvorbereitet zum Auswahltest. Im Bewerbungsseminar spielen sie und die anderen Teilnehmer den psychologischen Fähigkeitstest probehalber durch. Hier geht es sowohl um allgemeine geistige Fähigkeiten als auch um ganz spezielle, zum Beispiel die, die vom Nachwuchs im Kaufmännischen verlangt werden. Die Bundesarbeitsagentur hat häufig vorkommende Testfragen in einer Broschüre zusammengefasst. Sie ist in den Berufsinformationszentren zu haben und als PDF im Netz. (mit dpa)

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