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Samstag, 13.01.2018

Ein Sportladen läuft weiter

Die Sportstadt Riesa hatte mal vier Sportgeschäfte, bald nur noch ein einziges. Warum?

Von Christoph Scharf

Zeigt her eure Füße: Sylvia Donat von Intersport Donat nimmt eine Fußanalyse auf dem Laufband vor. Eine Kamera filmt die Bewegungsabläufe und überträgt sie auf den Monitor. Das Sport-Fachgeschäft auf der Hauptstraße ist bald das Einzige, was der Sportstadt Riesa verblieben ist.
Zeigt her eure Füße: Sylvia Donat von Intersport Donat nimmt eine Fußanalyse auf dem Laufband vor. Eine Kamera filmt die Bewegungsabläufe und überträgt sie auf den Monitor. Das Sport-Fachgeschäft auf der Hauptstraße ist bald das Einzige, was der Sportstadt Riesa verblieben ist.

© Sebastian Schultz

Riesa. Schuhe kaufen kann anstrengend sein. Wenn man es richtig macht. Dann nimmt man nämlich nicht einfach die schicksten Laufschuhe aus dem Regal, sondern zieht erst mal Schuhe und Strümpfe aus und krempelt die Hosen hoch: ab aufs Laufband. „Wir filmen den Bewegungsablauf und analysieren ihn anschließend mit dem Kunden“, sagt Sylvia Donat. Die 38-Jährige ist die Juniorchefin des gleichnamigen Sportgeschäfts an der Hauptstraße.

Bald ist es das Einzige in Riesa – von einst vier Sportfachgeschäften der Sportstadt: Während Sport-Henle nebenan und die Konkurrenz in der Elbgalerie schon vor Jahren zumachten, läuft bei Sport-Steinchen im Riesapark gerade der Ausverkauf. Viele Händler schimpfen auf die Konkurrenz aus dem Internet. Aber diese Geschichte kann Sylvia Donat schon nicht mehr hören. „Die neusten Schuhmodelle führender Markenhersteller beispielsweise gibt es im Internet auch nicht unter Preis“, sagt die Händlerin. Die Hersteller würden sich per Vertrag absichern lassen, wer die aktuelle Mode wo verkauft – und zu welchem Mindestpreis.

Zu Adidas etwa hat der Familienbetrieb schon seit bald 30 Jahren Beziehungen. Seniorchef Werner Donat kann sich noch gut daran erinnern, wie er damals mit dem von Adidas gelieferten Firmen-Passat regelmäßig in ein Adidas-Lager bei Leipzig fuhr, um dort neue Ware zu holen. „Das war damals in einer früheren LPG-Halle untergebracht.“ Mit so etwas beschäftigen sich die heute acht Mitarbeiter schon lange nicht mehr: Das Kassensystem erfasst den Bestand jedes einzelnen Tischtennisschlägers und löst – wenn der Artikel knapp wird – automatisch über Nacht die Bestellung aus. Wenig später bringt der Paketdienst dann genau die fehlenden Produkte.

So ähnlich läuft das zwar auch im Onlinegeschäft – dennoch konzentriert man sich bei Sport-Donat auf den Verkauf von Angesicht zu Angesicht. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kunden die Ware anfassen und ausprobieren wollen“, sagt Sylvia Donat. Eine Laufband-Analyse etwa könne das Internet nicht bieten – und auch nicht das persönliche Gespräch. Wie andere Sportgeschäfte auch setzt der Riesaer Intersport-Laden im Winter auf das Thema Skiverleih. „Bei uns gibt es sogar noch eine Kunden-Skireise, die seit 15 Jahren immer ins österreichische Pitztal führt“, sagt Werner Donat. Der Kundenbindung dienen auch Veranstaltungen wie die „Ladys Night“, die es auch 2018 an der Hauptstraße wieder geben soll.

Riesas Lage sei für die Branche auch nicht so schlecht, wie mancher sagt: Der Einzugsbereich der Stadt reiche bis weit nach Südbrandenburg. Und dann kommen im Sommer noch viele Touristen vom Elberadweg, die neue Radhosen oder Regenponchos brauchen.

An der Hauptstraße hatte Familie Donat ihr Sportgeschäft an dem Tag eröffnet, als die D-Mark nach Riesa kam – am 1. Juli 1990. „Vorher war an dieser Stelle ein Diätladen drin, der hatte aber nur 50 Quadratmeter“, erinnert sich der Seniorchef Werner Donat. Dreimal hat er sein Geschäft seitdem umgebaut und deutlich erweitert – 1993, 1998, 2013. „Wir haben das ganze Haus umgebaut, samt der Statik“, sagt der 63-Jährige. Dafür sei auch jedes Mal ein sechsstelliger Betrag fällig gewesen.

Und warum haben die Donats überhaupt ein Sportgeschäft eröffnet? „Das war reiner Zufall“, sagt Werner Donat, der mit seiner Frau Marion zu DDR-Zeiten im Stahlwerk beschäftigt war. Marion Donat wollte sich schon ein Jahr vor der Wende auf der leerstehenden Fläche mit einem Laden selbstständig machen. Das wäre dann – auf Wunsch der DDR-Behörden – ein Brotladen geworden. Dann aber war der Staat doch schneller als gedacht Geschichte und ein Handels-Vertreter aus dem Westen brachte die Familie auf die Idee mit dem Sportgeschäft – auch wenn es nebenan schon einen HO-Laden aus der Sparte gab. Der ist, anders als Intersport-Donat, längst Geschichte. Bei Donats aber will man noch lange Sportschuhe verkaufen.