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Mittwoch, 14.02.2018

Ein Schiebocker steht kopf

Der Artist Martin Riedel kommuniziert auf der Bühne mit einem Roboter. Dafür bekam er jetzt einen Preis in Paris.

Von Ina Riedel

Bei der Show von Martin Riedel verbinden sich Mensch und Technik auf besondere Weise. Beim Weltfestival für neue Zirkuskünste in Paris bekam der Bischofswerdaer dafür den Innovationspreis.
Bei der Show von Martin Riedel verbinden sich Mensch und Technik auf besondere Weise. Beim Weltfestival für neue Zirkuskünste in Paris bekam der Bischofswerdaer dafür den Innovationspreis.

© PR

Bischofswerda. Für den Artisten Martin Riedel aus Bischofswerda ging jetzt ein Traum in Erfüllung. Er gewann beim 39. Weltfestival für neue Zirkuskünste „Cirque de Demain“ in Paris den Innovationspreis des Cirque du Soleil. Der junge Artist überzeugte mit einem spektakulären Auftritt unter den 50 Top-Artisten aus zwölf Ländern nicht nur die Jury, sondern auch die 6 000 Zuschauer im Zirkus Phenix mitten in Paris.

Seine Show am „Robopole“ ist einzigartig und vermittelt den Dialog zwischen Mensch und Maschine auf völlig neue Weise. Das kam besonders beim Fachpublikum gut an. In fast zwölf Meter Höhe kommuniziert er am chinesischen Mast fast spielerisch mit einem Roboter, der extra für seine Show konzipiert und umgebaut wurde. Mal schwenkt der Roboter seinen Arm über den Kopf und versucht, den Artisten abzuschütteln, mal scheinen beide mit ihren Bewegungen zu verschmelzen. Es ist ein futuristisches Spektakel mit höchstem ästhetischen und artistischen Anspruch. Eine Balance zwischen Show und Theater, Körpertanz und Artistik.

Neuartiges Artistikgerät

Ermöglicht hat dies das Performanceteam Ulik Robotik, mit dem Martin Riedel seit drei Jahren seine Idee der artistischen Verbindung von Mensch und Maschine weiterentwickelt. Gemeinsam mit dem Erfinder und Künstler Ulik Kahlert tüftelte er an der Idee, den chinesischen Mast mit moderner Robotertechnik in einen beweglichen „Robopole“ zu verwandeln. Ein neuartiges Artistikgerät entstand, mit dem auch spezielle Bewegungen möglich sind, die extra dafür entwickelt wurden. Im Hintergrund sorgen ein Techniker und eine Regisseurin für einen reibungslosen Ablauf.

Paris ist ein Riesenerfolg für das gewagte Experiment. „Wir haben nach der Preisverleihung viele Anfragen von Veranstaltern bekommen. Das war unser Sprungbrett in die erste Liga“, freut sich Martin.

Damit ist sein größter Traum in Erfüllung gegangen, auf den er lange und hart hingearbeitet hat. Es ist ein Schritt in eine neue Form der Körperperformance, die auch den Zuschauer von morgen in seinen Bann ziehen wird.

Der 28-Jährige tritt seit seinem Bachelorabschluss für Performance Art an der Fontys Academie Tilburg in Holland im Jahr 2014 als freiberuflicher Artist an mehreren deutschen Varietés sowie bei großen Festivals auf. In auftrittsfreien Zeiten unterrichtet er in Norwegen, Paris und Rotterdam an Artistikschulen, wo er auch die für ihn notwendigen guten Trainingsbedingungen vorfindet. Er kennt die Szene und hat sich einen Namen gemacht.

Auftritte im In- und Ausland

In den nächsten Monaten sind Auftritte mit dem „Robopole“ im In- und Ausland geplant, der Terminkalender ist dieses Jahr fast voll. „Ich möchte diese Show immer weiter entwickeln. Mein Erfolg hat mich angespornt und beflügelt. Jetzt geht’s erst richtig los“, sagt Martin Riedel. Die Show mit dem „Robopole“ wird eventuell im Dezember 2018 auf Arte ausgestrahlt.

Martin Riedel begann mit dem Artistiktraining beim Bischofswerdaer Sportverein. Seit seinem 16. Lebensjahr stand für ihn fest, dass er Artist wird. Im Jahr 2009 machte er sein Abitur am Goethe-Gymnasium Bischofswerda. Es folgte ein Freiwilligenjahr im Bereich Kultur beim Zentrum für Zirkuskünste in Hannover. Danach arbeitete er ein halbes Jahr in Istanbul im Rahmen des europäischen Freiwilligendienstes. Von 2011 bis 2014 studierte er im holländischen Tilburg. Seit Juni 2014 arbeitet er als selbstständiger Artist am sogenannten Chinesischen Mast. Dabei handelt es sich um senkrechte Stangen, auf denen Zirkusartisten klettern, rutschen und Posen halten. Ein Jahr später kam der „Robopol“ als beweglicher Mast hinzu.

www.martin-riedel.com