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Donnerstag, 07.12.2017

Ein Porzellan-Stern geht auf

Die Manufaktur hat mit ihrem neuen Baumschmuck einen Verkaufsschlager gelandet. Ein Besuch in der Werkstatt.

Von Peter Anderson

Hui, da fliegt sie vorbei – die Meissener Sternschnuppe. Geeignet als Weihnachtsbaumschmuck, Geschenkanhänger oder, um einfach nur mit den Fingern über das schmeichelnde Relief der Oberfläche zu streichen.
Hui, da fliegt sie vorbei – die Meissener Sternschnuppe. Geeignet als Weihnachtsbaumschmuck, Geschenkanhänger oder, um einfach nur mit den Fingern über das schmeichelnde Relief der Oberfläche zu streichen.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Das Weihnachtsgeschäft mit echtem Meissener steht dieses Jahr unter einem guten Stern. Christbäume, Nikolausstiefel, lachende Monde, Sternschnuppen mit Schweif und Sterne gemustert wie Schneekristalle türmen sich in Stapeln hinter der Kasse in der Boutique des Stammhauses im Triebischtal. Ein Hinweis darauf, dass der seidenmatt glänzende Baumschmuck stark nachgefragt wird. Wie zum Beweis lässt sich eine zumindest der Sprache nach aus Frankreich stammende Besucherin gleich drei der zwischen vier und sieben Zentimeter großen Stücke in Goldpapier einschlagen.

Unternehmenssprecherin Sandra Jäschke sieht es mit Wohlgefallen. Quasi als Test hatte die Manufaktur vergangenes Jahr mit einem Stern aus sogenanntem Biskuit-Porzellan begonnen. Jetzt sind weitere Motive hinzugekommen – und das vor allem zu einem sehr erschwinglichen Preis. Während ein rein weißer Kaffeebecher mit klassizistischem Henkel und Schwerter-Relief bereits 49 Euro kostet, schlagen Sternschnuppe, Stiefel und Co. lediglich mit 15 Euro zu Buche. „Wir hatten auch schon Gäste, die ein Exemplar einfach als Geschenkanhänger erworben haben“, sagt Sandra Jäschke. Der Wert dürfte dem Empfänger spätestens aufgehen, wenn er die Schwerter Marke entdeckt.

Aus der Boutique hinaus geht es die Treppe hinauf, durch eine elektronisch gesicherte Tür zur Meissener Wichtelwerkstatt. Chef René Konrad führt hier das Kommando. Grünes T-Shirt, weiße Hose, stets ein offenes Lächeln im Gesicht. Andernorts würde er auch als Bäcker durchgehen. Fehlt nur das Mehl auf den weißen Schuhen. Konrad winkt zu einer mit Stahlblech ausgeschlagenen Truhe heran. Knarrend öffnet er den Deckel. Was beim Bäcker der Teig ist, sind hier längliche, graue Stränge, vielleicht sechs Zentimeter im Durchmesser. „Plakettenmasse“, sagt Konrad fachmännisch. Natürlich aus eigener Produktion, mit eigenem Kaolin, aus dem eigenen Mini-Bergwerk der Manufaktur in Seilitz.

Unmittelbar neben der Porzellanerde-Truhe steht ein Arbeitsgerät, das dem Laien wie ein riesiger Eierschneider erscheint. Die Eier, welche zwischen diese Drähte passen würden, müssten allerdings schon von Dinosauriern stammen. „Bei uns heißt es die Harfe“, sagt Konrad. Ihre Aufgabe: Die Stränge in Scheiben zu teilen, welche anschließend mit einer Spezialmaschine verdichtet werden. Warum das nicht per Hand geschieht, wie es einer Manufaktur – also einem Handarbeitsbetrieb – eigentlich anstehen würde? Die Antwort fällt einfach aus. Menschliche Muskelkraft reicht nicht aus, um den nötigen Druck auszuüben. Die Scheiben wären zu locker, könnten sich im weiteren Produktionsprozess verformen oder gar kaputt gehen.

Die fertigen Rohlinge nimmt Ursula Denecke in Empfang. Jetzt kommt der Punkt, wo es sich entscheidet, ob ein Stiefel, Stern oder Mond aus der Scheibe wird. Mit einem eigens gefertigten Stempel wird das entsprechende Muster eingeprägt. Nur noch entgraten, damit sind die Arbeiten in dieser Etage beendet. Wie Pfefferkuchen liegen die bereits formvollendeten Anhänger auf Brettern nebeneinander. Wenn man es nicht besser wüsste, wäre man verführt, vom rohen Teig zu naschen.

René Konrad übernimmt es, den weiteren Weg des neuen Verkaufsschlagers zu schildern. Um zu vermeiden, dass sich etwa bei den Weihnachtsbäumen die Schwingen nach oben biegen, werden die Brennstücke im Sandwich-Verfahren zwischen zwei Platten in den Ofen geschoben. Es erfolgt lediglich der Glattbrand, nicht wie sonst beim Meissener üblich zwei Brände. Der Grund liegt in der fehlenden Glasur. Stattdessen wird die raue Oberfläche geschliffen, so dass sie sich unter den Fingern glatt und gefällig anfühlt. Und schon ist ein neuer Stern geboren.

Zu einem Erlebnismarkt lädt die Manufaktur am 9.; 10. Dezember, 9 bis 18 Uhr, auf die Talstraße 9 ein.

Es gibt sehr viele Angebote auch für Kinder.

Ein Extra-Schauraum präsentiert weihnachtliches Meissener.