erweiterte Suche
Montag, 19.06.2017

Ein Platz der stolzen Bürger

Der runderneuerte Bilz-Platz wurde feierlich eingeweiht. Anwohner freuen sich über die einladende Gestaltung.

Von Stephan Hönigschmid

Sie thront jetzt über dem Platz: Die Nymphenfigur, die ihre Arme in den Himmel streckt. Außerdem neu ist ein Trinkbrunnen, an dem sich Vorbeikommende ausruhen und stärken können.
Sie thront jetzt über dem Platz: Die Nymphenfigur, die ihre Arme in den Himmel streckt. Außerdem neu ist ein Trinkbrunnen, an dem sich Vorbeikommende ausruhen und stärken können.

© Norbert Millauer

Radebeul. Es ist vollbracht. Nach zehn Wochen Bauzeit ist die Umgestaltung des Radebeuler Eduard-Bilz-Platzes abgeschlossen. Am Freitag übergab Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) die 160 Quadratmeter große Fläche mit der markanten, auf einer Säule stehenden Nymphenfigur der Öffentlichkeit.

Dabei stellte er die Leistung der Anwohner und des Denkmalvereins heraus, die das Projekt seit 2011 angeschoben und mit ihren Spenden möglich gemacht hatten. „Bürgersinn und Bürgerstolz sind die Überschrift, unter die man dieses Vorhaben setzen kann. Als Stadt können wir einfach nur danke sagen“, so Wendsche. Nach Angaben des Denkmalvereins haben die Bürger 20 000 Euro und die Stadt 80 000 Euro zu dem Projekt beigetragen.

Laut Wendsche habe es zwar auch Stimmen gegeben, die meinten, dass die Stadt durch die Aktion der Anwohner quasi zu der Erneuerung des Platzes genötigt wurde. Er habe damit aber kein Problem. „In diesem Fall sage ich, dass wir uns gerne haben nötigen lassen“, stellte das Stadtoberhaupt klar und verwies auf die lange Tradition bürgerschaftlichen Engagements in Radebeul, ohne das es beispielsweise Einrichtungen wie die Hoflößnitz oder das Lößnitzgymnasium nicht geben würde.

Konzeptionell orientiert sich die Gestaltung des Platzes an den Elementen Licht, Luft und Wasser, welche der Naturheilkundler Bilz einsetzte, um die Menschen zu therapieren. „Die Nymphenfigur, die ihre Arme gen Himmel ausstreckt, steht für die Hinwendung zum Licht, denn Bilz war es sehr wichtig, dass die Menschen aus den Fabriken und Hinterhöfen rauskommen und sich in der freien Natur bewegen“, sagt der Berliner Künstler Roland Fuhrmann, der die Skulptur in Anlehnung an eine Jugendstildarstellung einer Bilz-Reklame von 1907 aus Edelstahl angefertigt hat.

Zu sehen sind acht Phasen der Bewegung, die von 16 im Kreis aufgereihten Halbfiguren dargestellt werden. „Ich wollte auf diese Weise einer eigentlich statischen Figur eine Dynamik verleihen“, erklärt Fuhrmann. Neben der Skulptur gibt es auf dem Platz außerdem einen kleinen Springbrunnen sowie einen Trinkwasserbrunnen, der erst durch die 2 000 Euro-Spende des Bilz-Bundes und seiner Vorsitzenden Heidelore Geistlinger aufgestellt werden konnte.

Er symbolisiert die von Bilz propagierte naturnahe Lebensweise, bei der das Trinken von Wasser eine zentrale Rolle spielt. Am Bilz-Wanderweg möchte er Wanderer dazu einladen, eine Pause einzulegen und sich zu stärken. Bei dieser Gelegenheit können sie an der Säule und an der Bilz-Gedenktafel mit ihrem Smartphone einen QR-Code einscannen und sich über den Naturheilkundler und über die Gestaltungselemente des Platzes informieren.

Dass es sowohl Roland Fuhrmann mit seiner Nymphenfigur als auch der zuständigen Landschaftsarchitektin Grit Heinrich vom Denkmalverein am Ende gelungen ist, dem Platz neues Leben einzuhauchen, bestätigten zahlreiche Anwohner auf Nachfrage. „Ich finde es gut, dass die Bilz-Straße durch die Säule und die Statue wieder einen Fluchtpunk hat.

Bis 1907 war das ja schon einmal der Fall, als dort die Viktoria stand“, sagt ein 61-jähriger Mann, der sich bereits seit 2002 für die Neugestaltung des Platzes eingesetzt hat und der ihn als Ort der Erinnerung und Würdigung von Bilz schätzt. Ähnlich zufrieden mit dem Resultat ist eine 62-jährige Radebeulerin, die gleich um die Ecke wohnt. „Der Platz ist jetzt wieder heller, freundlicher und einladender. Vorher sah er ja ziemlich ungepflegt aus.“ Eine 83-Jährige freut sich ebenfalls über die Gestaltung des Areals und äußert gleichzeitig einen Wunsch: „Ich hoffe, dass es lange so schön erhalten bleibt.“

Geteilt wird dieses Interesse vom Vorsitzenden des Denkmalvereins, Jens Baumann: „Mit unserem Verein möchten wir uns auch in Zukunft um die Plätze in der Stadt kümmern. Nach der Sanierung des Brunnens in der Schmincke-Allee ist der Bilz-Platz das zweite Projekt, das wir erfolgreich abschließen können“, sagt Baumann. „Wir werden uns weiter engagieren und richten unseren Fokus nun auf den Rosa-Luxemburg-Platz und den Zillerplatz“, so Baumann.