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Ein Macher der Kellernacht

Tino Poitzsch hat einst auch das Schützenhaus betrieben. Jetzt geht er in den Untergrund.

07.10.2017
Von Jürgen Müller

r der Kellernacht
Tino Poitzsch wartet in seinem Keller unter der Markthalle auf Besucher. Zur Kellernacht am Sonnabend erwarten er und seine Mitstreiter ab 19 Uhr wieder Hunderte Gäste.

© Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Nein, über fehlende Arbeit kann sich Tino Poitzsch nun wirklich nicht beklagen. Der 43-jährige Lommatzscher, der von 2004 bis 2010 auch das Schützenhaus betrieb, hat mit einem Geschäftspartner 2011 eine Firma, die Döbelner Getränke Vertriebs GmbH, gegründet. Und betreibt zudem noch die Markthalle in Lommatzsch. Das war tatsächlich mal ein großer „Tante-Emma-Laden“ und zuvor jahrzehntelang eine Drogerie.

1990 übernahm sein Vater das Geschäft, machte dort einen Obst-Gemüse- und Lebensmittelhandel auf, den er aus Altersgründen 2010 schloss. Seitdem ist die Markthalle eine Bar. Und nicht nur das. Im Keller des Hauses wird wie in jedem Jahr die Lommatzscher Kellernacht gefeiert. Es ist einer von fünf Kellern, die in diesem Jahr teilnehmen. Tino Poitzsch ist nicht nur für diesen Keller verantwortlich, sondern für weitere zwei. Er ist es vor allem, der die Tradition der Kellernacht aufrecht erhält. Denn andere haben sich zurückgezogen. Ist ja auch ein Riesenaufwand. „Eine Woche Vorbereitung, zwei, drei Tage Nachbereitung, das ist manchem, der eine Firma hat, einfach zu viel“, zeigt der 43-Jährige Verständnis.

Ins Leben gerufen hat die Kellernächte die Lommatzscher Fleischerei Münch. Tino Poitzsch ist seit Anfang an mit dabei. „Anfangs war so viel Andrang, dass es sogar zwei Kellernächte im Jahr gab. Eine im Frühjahr, eine im Herbst“, erzählt er. Doch seit einiger Zeit, hat man sich auf den Herbsttermin verständigt, sich auf das erste Oktoberwochenende geeinigt. Dass es diesmal eine Woche später ist, hat zwei Gründe. Zum einen war da die Bundestagswahl, deretwegen wiederum das Meißner Weinfest um eine Woche verschoben wurde. „Mit dem Weinfest können und wollen wir nicht konkurrieren. Deshalb haben wir auch eine Woche nach hinten verschoben“, sagt der Lommatzscher.

Die Kellernacht ist traditionell auch der Eröffnungstermin für seine Bar, die Markthalle. Die ist jetzt bis zum Frühjahr mittwochs, donnerstags und sonntags ab 19  Uhr geöffnet, freitags und sonnabends ab 20 Uhr. Nach oben gibt es fast keine Grenze. „Dass bis drei Uhr Gäste da sind, ist normal“, sagt der Lommatzscher. In der Bar gibt es auch einen Stammtisch, kann Billard und Dart gespielt werden. „Wir haben ein Stammpublikum, das teilweise früher hier einkaufen war. Für viele werden Erinnerungen wach. Hier, wo wir gerade sitzen, war zum Beispiel die Kasse“, sagt Poitzsch. Mitunter gibt es auch Musik in der Markthalle, wenngleich das Klavier dringend mal gestimmt werden müsste.

Musik gibt´s auch zur Kellernacht, nicht nur in der Halle, sondern auch auf dem überdachten Außengelände und im Keller. Poitzsch ist wie alle Kellerbetreiber wieder auf einen großen Ansturm vorbereitet. „Es kommen Leute bis aus Bayern, die Karten und Tische vorbestellen“, sagt er. Anliegen der Kellernacht ist es freilich, nicht an einem Ort zu klönen, sondern von einem Keller zum anderen zu ziehen. „Die ganze Familie hilft mit, anders wäre das nicht zu schaffen“, sagt der Lommatzscher, der noch einen großen Vorteil hat: Er wohnt gleich über der Markthalle.

An der Kellernacht können die Veranstaltungskeller in Rathaus und Museum sowie die Keller Poitzsch und der Keller 6 unter dem Kindergarten am Marktplatz besucht werden. Weiterhin ist der Schaubergkeller der Stadt bis 22 Uhr geöffnet. Dort können Interessierte einen Blick in die Historie der Lommatzscher Kelleranlagen werfen. „Es freut uns, auch in diesem Jahr wieder in allen Kellern Livemusik von regional bekannten Bands an den Start bringen zu können.

Zusätzlich sorgen obendrein noch DJ’s in den Kellern und in den Freigeländen rund um die Kellereingänge für die besondere Partystimmung der Lommatzscher Kellernacht“, sagt Peter Kirsten, früherer Stadtrat. Obwohl er nicht mehr in Lommatzsch wohnt, ist er einer derjenigen, die sich für die Kellernacht engagieren. Und er verweist auf die Sexy-Nachtschwestern, die auch wieder mit von der Partie sind . Bei ihnen bekommt man auch einen Gratis-Coupon für die berühmt-berüchtigte „Lommatzscher Kellerassel“, einen Kräuterlikör.

Der Eintritt zur Kellenacht kostet fünf Euro, damit können alle Keller besucht werden. 50 Cent pro Karte bekommt die Stadt, die ihre Keller zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr konnten fast 700 Karten verkauft werden. „Wäre schön, wenn wir das auch in diesem Jahr wieder schaffen würden. Das wäre die Belohnung für unsere Mühen“, sagt Tino Poitzsch.