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Montag, 26.06.2017

Ein Bekenntnis zur Heimat und zu Europa

Die Euroregion Elbe/Labe feiert 25 Jahre Bestehen – und hat einen Wunsch.

Von Steffen Neumann

Mit Volldampf voraus – die Euroregion Elbe/Labe feierte 25 Jahre Bestehen mit einer Fahrt durch Sachsen und Nordböhmen.
Mit Volldampf voraus – die Euroregion Elbe/Labe feierte 25 Jahre Bestehen mit einer Fahrt durch Sachsen und Nordböhmen.

© Steffen Neumann

Pirna/Litomerice. Am Sonnabend, kurz nach 11 Uhr, dampft ein historischer Reisezug in den Bahnhof Litomerice mesto (Stadt). Die nordböhmische Bischofsstadt an der Elbe ist eine Station des ungewöhnlichen Zuges, der aus Richtung Dresden über Pirna, Decin und Usti nad Labem gekommen ist. „25 Jahre Euroregion Elbe/Labe“ prangt auf der Dampflok 50 3648 aus dem Sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf.

Aus den historischen Reichs- und Bundesbahnwaggons steigt eine bunte Reisegesellschaft. Deutsch und Tschechisch sind zu hören. Der grenzübergreifende Verbund von Landkreisen, Städten, Organisationen und Gemeinden wollte seinen Geburtstag nicht nur mit Akteuren der Euroregion feiern, sondern lud 200 Menschen beiderseits der Grenze zu einer Zugfahrt rund durch Nordböhmen ein. Wer teilnehmen wollte, musste ein Quiz mit Fragen rund um Deutschland, Tschechien und die Euroregion lösen. „Leider hatte ich nicht alle Antworten richtig, aber dann sprang jemand ab und es wurde ein Platz für mich frei“, freut sich Gerd Schade, der sich als Bahn- und Tschechienfan zugleich outet.

Wie ihm geht es den meisten Reisenden. Unter ihnen ist auch Andrea Dietrich. „Wir sind ausgesprochene Böhmenfans“, sagt die Direktorin von Schloss Weesenstein und fügt hinzu: „Die Euroregion ist eigentlich ein Bekenntnis – zu unserer Heimat, zu den Menschen und zu einer freundschaftlichen Nachbarschaft, also zu einem friedlichen Miteinander in Europa.“ Dieses Verhältnis prägt die Direktorin seit Jahren aktiv durch eine enge Partnerschaft mit dem Schloss in Decin mit.

Man kann ein Vierteljahrhundert Euroregion Elbe/Labe auch mit Zahlen beschreiben: 477 Millionen Euro flossen in die sächsisch-tschechische Grenzregion, davon 275 Millionen als EU-Fördermittel. Das ist beeindruckend, aber kein Selbstzweck. Deshalb hebt der Präsident der Euroregion, der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert, „das menschliche Miteinander“ als wesentliches Ergebnis hervor. „Ohne die Interaktion beider Regionen wären wir nicht dort, wo wir heute sind.“ Die Euroregion hat das Leben der Menschen verbessert. Sie fahren mit der Nationalparkbahn auf Arbeit, zum Ausflug oder Einkaufen. Rettungskräfte können auch auf der anderen Seite der Grenze helfen. Und dank der EU-Mittel werden das Erzgebirge und die Sächsisch-Böhmische Schweiz für Touristen bekannter gemacht.

Bei der Normalität, die inzwischen in der Zusammenarbeit herrsche, gehe aber gelegentlich der Blick verloren, wie wichtig die Euroregion ist. Nur so kann sich der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig (CDU) erklären, dass ausgerechnet kurz vor dem Jubiläum der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge den Austritt aus der Euroregion angekündigt hat. Für die tschechische Präsidentin der Euroregion und Oberbürgermeisterin von Usti, Vera Nechybova, wäre das ein „schwerer Verlust“ und sie hofft, dass es nicht dazu kommt.

Das wünscht sich auch Brähmig, sieht aber auch den Freistaat in der Pflicht. „Es reicht nicht, eine gemeinsame Kabinettsitzung in Prag abzuhalten. Der Freistaat muss auch die bestehenden Strukturen in der Region unterstützen“, fordert er.

Doch an diesem Tag herrscht Zuversicht. „Wir sind erst auf der Hälfte des Weges“, erinnert Vera Nechybova. Das gilt für die Euroregion, genauso wie die Zugfahrt. Am Nachmittag geht es mit Dampf durchs Böhmische Mittelgebirge zurück nach Decin und durchs Elbtal nach Sachsen.