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Mittwoch, 04.10.2017

Ein anderer Blick auf die Malter

Ein Drittel des Wassers der Talsperre ist abgelassen. Damit wird eine Reserve für den Ernstfall geschaffen.

Von Franz Herz

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Steffen und Marion Freund haben ein Wochenendhaus an der Talsperre. Bei einem Spaziergang mit ihrer Tochter Anja werfen sie einen Blick auf das obere Ende der Talsperre, das bei dem jetzigen Niedrigwasser weitgehend trocken liegt.
Steffen und Marion Freund haben ein Wochenendhaus an der Talsperre. Bei einem Spaziergang mit ihrer Tochter Anja werfen sie einen Blick auf das obere Ende der Talsperre, das bei dem jetzigen Niedrigwasser weitgehend trocken liegt.

© Frank Baldauf

  • Steffen und Marion Freund haben ein Wochenendhaus an der Talsperre. Bei einem Spaziergang mit ihrer Tochter Anja werfen sie einen Blick auf das obere Ende der Talsperre, das bei dem jetzigen Niedrigwasser weitgehend trocken liegt.
    Steffen und Marion Freund haben ein Wochenendhaus an der Talsperre. Bei einem Spaziergang mit ihrer Tochter Anja werfen sie einen Blick auf das obere Ende der Talsperre, das bei dem jetzigen Niedrigwasser weitgehend trocken liegt.
  • Jetzt ist auch vom Wasser aus gut zu sehen, was für ein imposantes Bauwerk die Staumauer ist. Sonst ist sie weitgehend vom Wasser verdeckt.
    Jetzt ist auch vom Wasser aus gut zu sehen, was für ein imposantes Bauwerk die Staumauer ist. Sonst ist sie weitgehend vom Wasser verdeckt.
  • Im Sommer bestimmen Badegäste das Bild auf der Liegewiese in Paulsdorf. Jetzt steht dort nur ein einzelner Angler am Ufer der Talsperre.
    Im Sommer bestimmen Badegäste das Bild auf der Liegewiese in Paulsdorf. Jetzt steht dort nur ein einzelner Angler am Ufer der Talsperre.

Dippoldiswalde. Die Talsperre Malter bietet derzeit einen ungewohnten Anblick. Ein breiter Streifen ringsherum zeigt, dass hier zurzeit weniger Wasser steht als gewohnt. Dieser Anblick wird den ganzen Winter über bleiben.

Der Wasserstand liegt um dreieinhalb Meter niedriger als üblich und um zehn Meter unter dem, was maximal in der Talsperre Platz findet. Erst im kommenden Frühjahr will die Landestalsperrenverwaltung die Malter wieder auf den üblichen Stand anstauen. Dann sind die Arbeiten im Umleitungsstollen abgeschlossen, wegen denen der Wasserstand abgesenkt wurde.

Diesen Stollen hat die Talsperre schon bei ihrem Bau bekommen. Er war in der Bauzeit der Staumauer wichtig, weil er das Wasser der Roten Weißeritz um die Baustelle herumgeleitet hat. Und seitdem ist das eine zusätzliche Möglichkeit, Wasser abzulassen, wenn Hochwasser droht. Damit wird zusätzlicher Raum frei, in dem Wasser zurückgehalten werden kann. Und das ist ja die Hauptaufgabe der Talsperre Malter: Hochwasser zurückhalten.

Nach den Erfahrungen mit der Augustflut 2002 arbeitet die Talsperrenverwaltung daran, ihre Schutzanlagen auszubauen, damit sie noch größeren Fluten standhalten. Die Landestalsperrenverwaltung gestaltet die Maltermauer so, dass sie auch eine Flut schadlos überstehen kann, bei der 300 Kubikmeter Wasser in der Sekunde durch das Tal fließen, informiert Eckehard Bielitz, der den Betrieb Oberes Elbtal der Landestalsperrenverwaltung leitet. Das ist fast ein Drittel mehr als im August 2002. Damals sind 210 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Talsperre geströmt.

Bauarbeiten gehen weiter

Der Ausbau läuft schrittweise. 2015 hat die gesamte Staumauer neue Datenleitungen bekommen, die auch als Ring ausgelegt sind. Von diesen Arbeiten haben weder Badegäste noch Autofahrer viel mitbekommen. 2016 war das anders. Da wurde die Straße über die Staumauer gesperrt, damit die Brücke über den Hochwasserüberlauf neu gebaut werden konnte. Außerdem hat die Talsperre einen neuen Abflusspegel bekommen. Ab 2019 wird die Hochwasserentlastungsanlage ausgebaut, die das Wasser ableitet, wenn die Talsperre randvoll gelaufen ist.

Jetzt ist der Umleitungstollen an der Reihe. Er braucht eine neue Technik, damit die Staumeister größere Wassermengen durchleiten können. Jetzt können durch den Stollen nur maximal 18 Kubikmeter Wasser in der Sekunde abgelassen werden. Wenn die Rohre in ihrem vollen Umfang genutzt werden, können sie 30 Kubikmeter durchleiten, über die Hälfte mehr, erläutert Ehsan Amani, der bei der Talsperrenverwaltung für die Stauanlagen im Oberen Elbtal verantwortlich ist. Wenn ein Hochwasser droht, ist es wichtig, dass die Staumeister schnell Platz in der Talsperre schaffen können.

Solange die Bauarbeiten dauern, steht der Umleitungsstollen nicht zur Verfügung, sondern nur zwei Rohre in der Mitte der Talsperre, die sogenannten Betriebsauslässe. Sie können aber nur zehn Kubikmeter Wasser in der Sekunde ablassen. Das reicht nicht, um bei einem drohenden Hochwasser schnell zu reagieren. Deswegen wurde der Wasserspiegel gesenkt, um eine zusätzliche Reserve zu schaffen.

Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft, will in den kommenden Wochen den niedrigen Wasserstand nutzen. So ist geplant, das Gelände im Badbereich etwas umzugestalten, damit die Badegäste leichter ins Wasser gehen können. Auch die Verankerung der Wasserattraktionen wird erneuert. Das ist jetzt problemlos möglich. Bei einer vollen Talsperre müssten für diese Arbeiten Taucher anrücken.