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Mittwoch, 18.06.2014

Eigentümer will Hufewiesen bebauen

Unternehmensberater haben ein Nutzungskonzept für das Grünland erarbeitet. Nur ein Drittel der Fläche bleibt grün.

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Seit 2012 sind die Hufewiesen in Trachau abgesperrt. Peter Stommel ist Geschäftsführer der Eigentümerin MBG Trachau. Seit 20 Jahren kämpft das Unternehmen darum, Baurecht für das Gebiet zu bekommen.
Seit 2012 sind die Hufewiesen in Trachau abgesperrt. Peter Stommel ist Geschäftsführer der Eigentümerin MBG Trachau. Seit 20 Jahren kämpft das Unternehmen darum, Baurecht für das Gebiet zu bekommen.

© Steffen Füssel

Die Hufewiesen sollen Bauland werden. Das sieht das neue Nutzungskonzept vor, das die Unternehmensberater der Thomson Group aus Hamburg in den vergangenen Monaten entwickelt haben. Die Firma arbeitet für die Haupteigentümerin der Hufewiesen, die Münchner Baugesellschaft (MBG) Trachau, eine Tochter der Real Adler Estate mit Sitz in Hamburg. Gestern wurde dieses neue Nutzungskonzept der Stadtverwaltung und der Presse vorgestellt. Es unterscheidet sich allerdings kaum von den bisherigen Plänen der MBG.

Nach wie vor sollen auf dem rund 13 Hektar großen Gelände mehrere Wohnhäuser entstehen, mit Grünflächen zwischendrin. Konkrete Zahlen, wie viele Häuser mit wie vielen Wohnungen geplant sind, wollten weder die Vertreter der Thomson Group noch die der Eigentümerin nennen. Schließlich handele es sich um ein erstes Konzept, mit dem man das Gebiet entwickeln und Lösungen aufzeigen wolle. Im westlichen Bereich der Hufewiesen in Richtung Leipziger Straße stellen sich die Projektentwickler ein Wohngebiet mit mehrgeschossigen Häusern vor. Auch ein kleiner Versorger sowie Raum für Gewerbe, wie etwa eine Behinderten- oder Fahrradwerkstatt, sind vorgesehen. Die Wohnungen sollen familienfreundlich, barrierefrei und genossenschaftlich sein. „Die Kaltmiete wird zwischen 4,50 und fünf Euro liegen“, sagt Bernd Thomson. Damit entspräche man dem Ansinnen der meisten Bewohner.

Um herauszufinden, welche Zukunft sich die Dresdner und vor allem die Pieschener für die Hufewiesen wünschen, hat die Unternehmensgruppe eine – nach eigenen Angaben repräsentative – Umfrage bei infratest dimap beauftragt. Dabei wurden 2.000 Dresdner, darunter 300 Pieschener, befragt, ob sie die Hufewiesen in Trachau kennen. Rund zwei Drittel der Befragten sagte Nein. Ebenfalls zwei Drittel sprachen sich für eine Bebauung der Hufewiesen aus. Allerdings wurde bei der Fragestellung das Gebiet als ehemals landwirtschaftlich genutzte Grünfläche dargestellt. Der Fakt, dass die Trachauer das Grünland bis 2012 als Erholungsgebiet mit Streuobstwiesen, Ponyranch und Platz zum Toben für Kinder und Hunde nutzen konnten, wurde schlichtweg nicht genannt.

Da in dieser Umfrage zudem Wünsche nach einem Wohngebiet mit Einfamilienhäusern laut wurden, hat die Thomson Group auch Platz dafür vorgesehen, und zwar im östlichen Teil des Areals entlang der Gaußstraße. „Aus der Vogelperspektive betrachtet soll es keine sichtbaren Häuser geben“, sagt Bernd Thomson. Stattdessen stellen sich seine Planer Erdhügelhäuser mit begrünten Dächern vor. Um den gemeinschaftlichen Aspekt des Wohnens zu fördern, soll diese Siedlung über Bauherrengemeinschaften errichtet werden.

Viel Grün bleibt von den Hufewiesen nach dem neuen Konzept nicht übrig. Lediglich ein Grünstreifen ist zwischen den beiden Wohngebieten in der Mitte der Hufewiesen und ein weiterer entlang der Eisenbahnstrecke vorgesehen. Zwar sollen die Trachauer diese nutzen können. Jedoch muss der vorhandene Baumbestand erhalten bleiben. Zudem stellen sich die Planer vor, auf den Grünstreifen einen Schulgarten für die 56. Grundschule und einen Bauernhof mit historischen Nutztieren einzurichten.

Soweit die neuen Pläne. Ungeklärt ist jedoch, ob diese auch umsetzbar sind. Denn noch gilt ein Teil der Hufewiesen als fluglärmbelastet und als Überschwemmungsgebiet. „Wir gehen davon aus, dass unser Grundstück aus dem Hochwasserschutzplan herausgenommen wird“, so Peter Stommel, Geschäftsführer der MBG.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

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  1. Jens

    Man ist einfach nur noch sprachlos was in dieser Stadt passiert. Ich könnte jetzt philosophieren und schreiben, ich mach es mal ganz platt. In Dresden ist jeder Willkommen der verdammt viel Kohle hat, mit dieser Kohle werden ihm in DD auch alle Türen geöffnet er kann kaufen und tun was er will. Diese Stadt mit ihrer Natur ihren Grundstücken wird an "Wessis" oder USD nur so verschachert und es tut weh weil man als Bürger dieser Stadt schon lange keine Stimme mehr hat.

  2. PS

    "Wir gehen davon aus, dass unser Grundstück aus dem Hochwasserschutzplan herausgenommen wird" - Soso. Er geht also davon aus, dass Gesetze für alle gleich gelten - aber "Investoren" sind gleicher. Eine sachliche Begründung hat er nicht genannt. Und dreimal darf man raten, wer bei solcher Herausnahme von der Wertsteigerung des Grundstücks profitiert. Andere Städte, im Westen und teils tiefschwarz regiert, haben seit Jahrzehnten ein städtisches Grundstücksmanagement - die Wertsteigerungen kommen der Stadt zugute.

  3. Jules Winnfield

    @ Jens und PS Und wie soll dann die angeblich oder tatsächlich vorhandene Unterversorgung mit Wohnraum beseitigt werden? Nur maulen,wird da fürchte ich nicht reichen. Quadratmetermieten von kalt 4,5 bis 5 Euro lesen sich doch gut? Oder was passt Ihnen denn nicht?

  4. elbgeist

    das ist lustig - da kauft sich jemand ein Stück Wiese, daß nicht als Bauland ausgewiesen ist, und beackert dann die Planungsbehörden solange bis er seinen großen Reibach machen kann - er ist schließlich "Investor" - bin ich auch, habe neulich in eine neue Kaffeemaschine "investiert", darf aber trotzdem nicht bauen wo und wie es mir gefällt - Portemonnaie zu klein... Nee, was in Dresden abgeht übertrifft alles was man sich an Mauschelei vorstellen kann. Ja und @Jules - "Wohnungen" wird nach "Arbeitsplätze" das nächste Totschlagargument

  5. Kunert

    Genau durch diese Umwidmungen macht man Geld. Etwas in einem Gewand kaufen und im anderen umgewidmet wieder verkaufen. Wenn von vorn herein das von der Stadt so geplant und zulässig war, ist es schade, dass die Stadt diese Wertschöpfung nicht selbst für die Bürger vorgenommen hat. Alles andere ist in meinen Augen ein Abschöpfen der Wertschöpfungskette zu Ungunsten der Dresdner Bürger. So fließt das Geld, wenn die Stadt klein bei gibt, wieder in wenige private Hände. Brachliegende Natur an sich hat ja keinen so großen Wert und Geld ist das wichtigste im Leben bei vielen.

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