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Montag, 16.04.2018

Ehrenamtspreis für Fußballer

Seit 50 Jahren engagiert sich Siegfried Jaster aus Schönau-Berzdorf für den Sport. Nun ist er ausgezeichnet worden.

Von Jens Trenkler

Siegfried Jaster steht auf dem Fußballplatz in Schönau-Berzdorf vor dem Vereinsgebäude. Am Wochenende ist er für sein Ehrenamt in der Landeshauptstadt Dresden ausgezeichnet worden.
Siegfried Jaster steht auf dem Fußballplatz in Schönau-Berzdorf vor dem Vereinsgebäude. Am Wochenende ist er für sein Ehrenamt in der Landeshauptstadt Dresden ausgezeichnet worden.

© Jens Trenkler

Schönau-Berzdorf. Der Morgentau auf der grünen Rasenfläche des Fußballplatzes in Schönau-Berzdorf ist noch nicht vollständig abgetrocknet, als Siegfried Jaster am Vormittag den Sportplatz auf dem Hutberg betritt. Wie immer ist der sportliche Rentner recht früh auf den Beinen. Der Gang zum Sportplatz gehört zu seinem Tagesablauf. Nahe dem Vereinshaus werden zu diesem Zeitpunkt schon Reparaturarbeiten am Gehweg durchgeführt. Der Frost hatte hier einige Betonplatten nach dem Winter angehoben. Mit prüfendem Blick kontrolliert der Sportfreund, was die Jungs da gerade machen.

„So bin ich nun mal, und das wird sich auch nicht in naher Zukunft ändern“, sagt Siegfried Jaster. Wenn am Sportplatz irgendetwas geplant oder gebaut wird, ist Siggi, wie ihn die Vereinsleute nennen, stets mit dabei. Siegfried Jaster engagiert sich bereits seit über 50 Jahren für die Belange des Sportvereines. Er ist in Schönau ab 1945 zur Schule gegangen, hat 25 Jahre wie viele aus dem Ort im Tagebau gearbeitet und ist seitdem mit dem Örtchen am Rande des Berzdorfer Sees verbunden. „Das wird sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern. Irgendwann werde ich hier mal beerdigt, das steht fest.“ Bis dahin hat der 79-Jährige noch eine Menge vor.

Vor ihm liegen gleich mehrere Ordner mit vielen Terminen und Kontakten für das bevorstehende Jubiläum im Mai dieses Jahres. Dann wird der Sportverein 50 Jahre und das soll, wie es sich gehört, auch gefeiert werden. Wer sollte sich in der Historie besser auskennen als „Siggi“ . Schließlich war er selbst mit dabei, als der Verein 1968 gegründet wurde und der Sportplatz entstand. Wie der Sportfreund berichtet, war das damals eine Veranstaltung, an der fast jeder Bewohner des Ortes teilnahm. „Neben der Turnhalle an der alten „Brauerei“ hatten wir nun endlich auch einen wunderbaren Rasenplatz. Am ersten Tag absolvierten hier die Nachwuchs- und die Männermannschaft zwei Spiele gegen Traktor Deutsch-Ossig“, erinnert sich der Schönauer. Seitdem hat der Fußball einen festen Platz im Familienleben der Jasters.

In seiner grünen Sportjacke sitzt der heute 79-Jährige auf einem Stuhl und berichtet, wie es früher hier war. In den 1970er Jahren gab es an den Sonnabenden ja noch Schulunterricht. Also fanden die Punktspiele fast immer am Sonntag statt. Neben dem Training unter der Woche war dies neben der Arbeit ein weiterer fester Punkt im Terminkalender. „Meine Frau hat meine Leidenschaft die ganzen Jahre mitgetragen, dafür bin ich sehr dankbar.“ Auch die Nachwuchsarbeit brachte zunehmend Erfolg. Im Spieljahr 1969/1970 wurden die Schüler der Altersklasse 13/14 Kreismeister und konnten sich für die Bezirksklasse qualifizieren und man spielte fortan im Bezirk mit und belegte dort 1971 den dritten Platz. Dies wiederum brachte auch weitere Fahrwege für die Punktspiele mit sich. „Wir fuhren nach Dresden, Meißen oder auch Riesa.“

Fast 30 Jahre hat der Schönauer dann gemeinsam mit seinem Sohn Jürgen auf dem Rasen gestanden. Sichtlich stolz ist Jaster, als er berichtet, dass er erst mit 68 Jahren sein letztes Spiel für den Verein absolvierte. „Eigentlich wollte ich mit meinem 75. Geburtstag hier im Verein auch meinen Abschied feiern und mich zur Ruhe setzen.“ Daraus wurde allerdings nichts, denn die Sportfreunde hatten ihm am Tag des Geburtstages eine Urkunde für eine weitere Mitarbeit über fünf Jahre überreicht. „Da konnte ich doch nicht anders. Ich konnte doch meine Jungs hier nicht hängen lassen“, betont der Sportfreund. Zudem habe er eine Trainer-Lizenz für den Breitensport und diese muss doch Verwendung finden. Frei nach seinem Motto „Was nicht richtig läuft, muss verändert werden“, bringt er sich bis zum heutigen Tag in den Sport ein.

Dieses über 50 Jahre anhaltende Engagement im Ehrenamt würdigt nun auch der Fußballverband Oberlausitz, der Siegfried Jaster mit der höchsten Auszeichnung, dem Ehrenamtspreis, ehrt. Für den Sportfreund und seine Ehefrau hieß es am vergangenen Wochenende Koffer packen. Es ging im Rahmen der Auszeichnungsreise in die Landeshauptstadt, wo ein umfangreiches Programm auf dem Plan stand. Neben dem Besuch des Kabaretts „Herkuleskeule“, dem Weingut Wackerbarth standen an den drei Tagen die Gläserne Manufaktur und das Heimspiel von Dynamo Dresden gegen Holstein Kiel auf dem Plan, bevor es zur eigentlichen Ehrung ging. Etwas Herzklopfen war auch bei dem gestandenen Sportler dabei.