erweiterte Suche
Sonntag, 11.05.2014

Dynamos unrühmliches Ende

Mit 2:3 verliert die SGD das Endspiel um den Relegationsplatz gegen Arminia Bielefeld. Diese Niederlage besiegelt den Dresdner Abstieg und lässt Chaoten auf den Plan treten.

Geschockt: Dresdens Mickael Pote, Marco Hartmann, Robert Koch und Tobias Müller nach dem Abstieg.
Geschockt: Dresdens Mickael Pote, Marco Hartmann, Robert Koch und Tobias Müller nach dem Abstieg.

© Robert Michael

Dresden. Schon über zwei Stunden vor der Partie herrschte rund ums Dynamo-Stadion an diesem Sonntag eine gespannte Atmosphäre. Das ultimative Endspiel um den 16. Tabellenplatz und den damit verbundenen Einzug in die Relegation gegen den Drittligadritten Darmstadt warf seinen Schatten voraus.

Impressionen vom Spiel gegen die Arminia

Mehr als 10.000 Dynamoanhänger säumten seit den Mittagsstunden die Lennéstraße. Sie warteten auf den Mannschaftsbus, um für die Spieler ein Spalier zu bilden. Die Botschaft: Wir sind heute alle Dynamo und schaffen das zusammen.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Denn sowohl Mannschaft als auch Fans blieben ihre Leistungen schuldig. Dynamo verlor das Spiel mit 2:3 und die Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga. Ebenso deklassierten sich einige Fans, die die Beherrschung verloren und fast für einen Spielabbruch sorgten.

Zum Erreichen des so wichtigen 16. Platzes hätte Dresden ein Unentschieden gereicht. Sich darauf zu verlassen oder sogar nur auf dieses Ergebnis zu spielen, davor hütete sich Olaf Janßen. Der Dynamo-Trainer forderte von seiner Mannschaft den „unbedingten Siegeswillen“. Bei der Aufstellung konnte der Coach allerdings nicht aus den Vollen schöpfen: Grifo und Schulz fehlten rotgesperrt. Überraschend rückte der zuletzt verletzungsbedingt ausgefallene Ouali wieder ins Team. Im Sturm ruhten die Hoffnungen auf Poté, der den Vorzug vor Dedic bekam.

Das Spiel begann, wie man es erwartete: ruppig. Es waren noch keine 60 Sekunden gespielt, da wurde Fiel das erste Mal unsanft in Höhe der Mittellinie gelegt. Die Bielefelder wollte den Dresdnern offenbar gleich am Anfang zeigen, dass sie den Kampf an- und ernstnehmen. Die ersten Gelegenheiten des Spiels hatte schließlich auch die Arminia. Zunächst verfehlte Schütz knapp das Tor, als ihm nach einer Ecke der Ball vor die Füße flog und er abzog (11. Minute). Nur etwa eine Minute später kamen die Bielefelder dem Tor noch näher. Nach einem langen Ball in den Strafraum legte Bregerie per Kopf unfreiwillig für den von rechts kommenden Klos auf. Der Stürmer hämmerte aus sechs Metern drauf und traf nur den Außenpfosten.

Gelbrot für Hübener und das Führungstor für Bielefeld

Dresden hatte noch einmal Glück, war nun aber bereits gehörig unter Druck. Für Entlastung hätte in dieser Phase ein Tor sorgen können. Doch das wollte - wie schon so oft in dieser Saison - einfach nicht fallen. In der 19. Minute holten viele Fans schon für den Torschrei Luft, nachdem eine Ecke von Cristian Fiel auf dem Kopf von Sebastian Schuppan landete und von dort aus um Zentimeter am Pfosten vorbeiflog.

Das Dynamo-Zeugnis

1 von 14

Benjamin Kirsten: 2

Der Torwart kämpft an allen Fronten, rettet mehrfach spektakulär. Bitter, dass seine starke Leistung nicht belohnt wird.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Sebastian Schuppan: 4

Vergibt zwar die Kopfballchance zum 1:0, stemmt sich aber leidenschaftlich gegen den drohenden Abstieg.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Toni Leistner: 3

Es liegt nicht nur an den neonorangefarbenen Schuhen, dass er besonders auffällt. Außer beim 0:1 zweikampfstark.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Romain Bregerie: 5

Infekt auskuriert? Wirkt orientierungslos und verliert prompt das Kopfballduell vor dem 0:1. Große Enttäuschung.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Cheikh Gueye: 4

Der Senegalese macht sein Ding: hinten solide, vorn mit einem beherzten Sololauf, aber der Schuss ist zu schwach.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Cristian Fiel: 4

Bringt seine strategischen Fähigkeiten ein, schlägt gute Standards. Trotz seiner 33 Jahre ein Hoffnungsträger für den Neuanfang.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Anthony Losilla: 5

Der Franzose kommt nicht aus sich heraus, fällt neben Fiel überhaupt nicht und später zu wenig auf. Potenzial nicht abgerufen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Idir Ouali: 4

Erstaunlich flink nach der Wunderheilung, aber sein Manko bleibt die Effizienz. Nachher wieder mit dickem Sprunggelenk auf Krücken.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Robert Koch: 3

Er steckt nie auf, auch wenn ihm trotz seines großen Einsatzes nicht viel gelingt. Mit dem 2:2 erzielt er das Tor zum Klassenerhalt, aber leider nur für wenige Sekunden. Die gute Nachricht: Er hat Vertrag.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Tobias Kempe: 6

Wenn Profis sagen, sie spielen dort, wo die Mannschaft sie braucht, sollten sie das auch tun. Sieht auf Außen keinen Stich.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Mickael Poté: 3

Er verabschiedet sich mit einer engagierten Leistung und seinem 21. Tor im 83. Spiel von Dynamo.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Zlatko Dedic: 5

Zur Pause eingewechselt, aber außer einem harmlosen Kopfball kommt nichts. Der Rückkehrer ist unterm Strich die Enttäuschung der Saison.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Tobias Müller: 3

Glückwunsch, Dynamo! Er zeigt, dass er in der 3. Liga wertvoll werden kann.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Nicht zu bewerten:

Marco Hartmann bei seinem Kurzzeit-Comeback; gehört zu den Hoffnungsträgern. (SZ/-ler)

In der Folge entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, in dem keine Mannschaft entscheidende Akzente nach vorne setzte. Aufregend blieb es trotzdem. Dafür sorgte mit Thomas Hübener ein Ex-Dynamo, der in der Abwehr der Arminia für Ordnung sorgen sollte. Nach 37 Minuten war für Hübener allerdings schon Schluss. Schiedsrichter Manuel Gräfe war mit dessen Interpretation von Ordnung nicht einverstanden. Für zwei Fouls an Poté innerhalb von drei Minuten sah Hübener gelbrot.

Dresden war nun in Überzahl. Besser zurecht kam damit allerdings die Arminia. Statt die Köpfe hängen zu lassen, griffen die Ostwestfalen klug an. Mit Erfolg: Nach einer vergebenen Chance von Gueye spielte Burmeister den Ball lang nach vorn. Leistner und Gueye unterschätzten die Flugkurve des Balls und machten so den Weg frei für Fabian Klos, der zum 1:0 einschob. Kurz darauf wäre noch fast das 2:0 für Bielefeld gefallen.

Dedic kommt, Gueye fliegt

Plötzlich rannten die Hausherren, die mit der besseren Ausgangslage ins Spiel gegangen waren, hinterher. Olaf Janßen musste reagieren und wechselte zur Pause Kempe aus. Dedic kam und sollte für den nötigen Schwung in der Offensive sorgen. Doch für Aufsehen sorgten zu Beginn der zweiten Hälfte eher die Defensivkräfte der SGD. Die wegen des Rückstandes aufgerückte Viererkette wurde anfällig für Konter. Den ersten führte Bielefelds Przybylko zu Ende. Dieser stürmte alleine auf Kirsten zu, verfehlte mit seinem Schuss aber knapp das Tor.

Danach kam es knüppeldick: Erst entschied Manuel Gräfe nach einem regulären Zweikampf auf Foul und schickte Gueye mit gelbrot vom Platz (59. Minute), anschließend konterte die Arminia eiskalt und erzielte mit Fabian Klos das 2:0 (63. Minute).

Chaoten sorgen fast für Spielabbruch

Mit diesem Spielstand stand Dynamo rund 25 Minuten vor dem Schlusspfiff mit einem Bein in Liga drei. Als sich die 29.608 Zuschauer dessen bewusst wurden, schienen einige Anhänger der SGD damit offenbar geistig überfordert zu sein. Statt ihrem Frust mit Pfiffen Ausdruck zu verleihen, warfen sie Böller aufs Feld, zündeten Raketen und nebelten das Stadion mit Rauchbomben ein. Schiedsrichter Gräfe unterbrach die Partie für eine Viertelstunde.

Offenbar noch geschockt von den Szenen, die sich um den Dresdner Fanblock abspielten, betraten die Spieler der Arminia wieder den Platz. Anders als die Dynamos. Diese erzielten praktisch mit dem Wiederanpfiff den Anschlusstreffer durch Poté (65. Minute) und zeigten erstmals in der Partie den nötigen Biss. Fortan schien Dynamo besser in Tritt zu kommen und erarbeitete sich zwingende Gelegenheiten. Die beste nutzte Robert Koch in der 75. Minute, der nach Vorarbeit durch Poté den 2:2-Ausgleichstreffer erzielte.

Przybylko schießt die Lichter aus

Lange Zeit zum Jubeln blieb allerdings nicht, denn Bielefeld kam zurück und ging erneut in Führung. Przybylko nutzte nach einer Hereingabe eine Unachtsamkeit in der Dresdner Innenverteidigung aus und schob zum 3:2 für die Arminia ein. Die kurz zuvor aufflammende Leidenschaft der Dresdner erlosch schlagartig. Arminia versetzte der SGD mit dem Tor einen schweren Schlag und erspielte sich anschließend noch weitere Großchancen. Mehrmals griff Dynamos Schlussmann Kirsten in höchster Not ein. Zwar hielt er die Schwarzgelben damit im Spiel, doch der dringend benötigte Ausgleich fiel nicht mehr.

Schiedsrichter Gräfe ließ noch vier Minuten nachspielen, ehe der Schlusspfiff ertönte, der den Abstieg für Dynamo besiegelte. Das Spiel endete 3:2 für Bielefeld. Die Ostwestfalen haben nun die Chance, die Liga in der Relegation gegen Darmstadt zu halten. Für Dynamo beginnt eine schwere Zeit. Nicht nur sportlich, sondern auch im Hinblick auf das Verhalten einiger Fans. So weh ein Abstieg auch tut, mit Knallern und gewaltandrohenden Transparenten („Ihr habt eine Stunde, um die Stadt zu verlassen“) ist dem Verein nicht geholfen. (szo)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 32

Insgesamt 158 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Hanno

    Und jetzt macht den Verein endlich zu, zu recherchieren, wieviel Geld der Laden über die Jahre hinweg (inkl. Kosten für Polizeieinsätze etc.) gekostet hat, wäre doch mal eine dankbare journalistische Aufgabe!

  2. P. Lehmann

    Es ist eine absolute Schweinerei, dass ein Gegner durch gewalttätig austickende Fans und der darauffolgenden Spielunterbrechung so eingeschüchtert wird, dass er völlig von der Rolle kommt und noch 2 Treffer kassiert. Wäre alles normal verlaufen, wären die gar nicht mehr gefallen. Aber es scheint doch noch eine Gerechtigkeit zu geben. Dynamo am Ende dort wo Sie nach einer katastrophalen Saison auch hingehören, in Liga 3. Und zum Schluss sei die Frage noch erlaubt, wie kommen die ganzen Böller ins Stadion?? Aber der Verein hat ja keine Verantwortung dafür....

  3. T.G.

    Es gibt sie, die Gerechtigkeit. Nach diesem Spiel bitte in der 3.Liga gleich mit 4 Punkte Abzug starten. Mehr ist nicht mehr dazu zu sagen, außer P.Lehmann hat absolut recht.

  4. Ed

    Was für ein schöner Tag.

  5. Achim

    Dieser Verein gehört samt seinen Namen auf die Müllkippe der Geschichte!

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 32

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 22:00 Uhr abgegeben werden.