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Durchblick bei der Durchsicht

Sie zeigt wichtige Daten an und protokolliert: Eine Brille der Dresdner Firma Casonex vereinfacht die Arbeit von Prüfern.

05.10.2017
Von Jana Mundus

k bei der Durchsicht
Christoph Schütze prüft die Technik einer Straßenbahn. Zettel und Stift braucht der Mitarbeiter der Firma VCDB nicht. Die Brille übernimmt das.

© Christian Müller

Früher hatte Christoph Schütze sprichwörtlich alle Hände voll zu tun. Wenn er die Technik einer Straßenbahn überprüfte, musste er einiges dabei haben: Protokoll, Stift, Taschenlampe, Werkzeug. Den Papierkram kann er sich heute sparen. Er setzt einfach eine Brille auf. Keine gewöhnliche, sondern eine mit modernster Technik. Eine Brille für die „Augmented Reality“ (AR). Wer durchschaut, sieht nicht nur die Realität, sondern noch ein bisschen mehr. In Schützes Fall werden direkt im Sichtfeld alle wichtigen Daten für den Test eingeblendet. Ausgedacht hat sich das die Firma Casonex aus Dresden.

Die beiden Firmengründer Christian Müller und Tino Grimmer waren ursprünglich Einzelkämpfer. Als selbstständige Informatiker entwickelten sie Softwarelösungen für ihre Kunden. „Wir kannten uns vom Studium an der HTW Dresden und arbeiteten bei einigen Projekten zusammen“, erzählt Müller. Irgendwann sei die Idee entstanden, eine gemeinsame Firma aufzubauen. Der Beginn der Casonex GmbH, die Anfang 2015 gegründet wurde.

Programmiert hatten Müller und Grimmer bis dato schon eine ganze Menge. Unter anderem eine Dating-App fürs Handy, eine neue Firmensoftware für einen Pumpenhersteller oder auch eine offizielle App für den Semperopernball.

Schon Ende 2013 kam die VCDB Verkehrsconsult Dresden-Berlin GmbH auf die beiden zu. Das Unternehmen ist unter anderem Experte für das Prüfen von Schienenfahrzeugen. Auch die Bahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe nimmt sie in Augenschein. „Die Prüfdaten wurden damals noch per Hand aufgeschrieben und danach in den Computer eingegeben“, erzählt Grimmer. Das sollte effektiver werden. Mit einer Software für Tablet-Computer vereinfachten die Casonex-Gründer die Abläufe. Doch das reichte ihnen noch nicht. Seit anderthalb Jahren feilen sie am Einsatz der AR-Brille, die noch mehr Freiheiten bei der Arbeit erlaubt. Knapp 3 000 Arbeitsstunden sind schon in die Entwicklung geflossen. Die Technik ist heute bei der VCDB im Einsatz. „Klar gab es da anfangs Skepsis unter den Mitarbeitern“, sagt Müller. Doch auch Kritiker konnten überzeugt werden. Mit einer kleinen tragbaren Tastatur können die Fahrzeugtechniker heute direkt alles in ein Programm eintragen und sehen das Geschriebene sofort in ihrem Sichtfeld.

Bisher ist Casonex alleiniger Anbieter solch eines Systems. In den nächsten Monaten wollen sie auch andere Kunden für den Einsatz der Brillen begeistern. „Für Gutachter oder bei der Bauüberwachung wäre es zum Beispiel sinnvoll“, erklärt Grimmer. Das Casonex-Team, zu dem heute auch zwei Festangestellte gehören, hat schon neue Ideen. In Zukunft wollen sie auch mit Brillen für die virtuelle Realität arbeiten. Die komplette Straßenbahn könnte dann als 3-D-Modell mit der Brille angeschaut werden. Eventuelle Mängel an der Technik könnten dort direkt markiert werden. „Das würde dann auch vom Schreibtisch aus funktionieren“, so Müller.