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Mittwoch, 27.01.2016

Dürrhennersdorfer Schulwahl-Streit

Drei Kinder sollen zur Löbauer Oberschule wechseln. Die Eltern wählen Seifhennersdorf – und handeln sich Ärger ein.

Von Patrick Richter

Isa Bießlich, Elsa Witschas, Senta Stolle und Vivien Fuchs (von links) gehen auf die Seifhennersdorfer Oberschule. Ihre Dürrhennersdorfer Mitschüler haben einen etwas weiteren Weg bis zur Schule. Seit einem halben Jahr läuft hier wieder der Schulbetrieb mit einer fünftenKlasse.Foto: Bernd Gaertner
Isa Bießlich, Elsa Witschas, Senta Stolle und Vivien Fuchs (von links) gehen auf die Seifhennersdorfer Oberschule. Ihre Dürrhennersdorfer Mitschüler haben einen etwas weiteren Weg bis zur Schule. Seit einem halben Jahr läuft hier wieder der Schulbetrieb mit einer fünften Klasse. Foto: Bernd Gaertner

Am Wochenende war der Tag der offenen Tür an der Seifhennersdorfer Oberschule. Dort hat sich die Schule möglichen neuen Schülern für das kommende Schuljahr präsentiert. Werbung, die nötig ist, denn auch Kinder, die nicht in der direkten Umgebung wohnen, kommen gern nach Seifhennersdorf. Zu den aktuellen Schülern gehört auch eine Gruppe von drei Schülern aus dem 17 Kilometer entfernten Dürrhennersdorf, die an der Pestalozzi-Oberschule von Neusalza-Spremberg nicht aufgenommen werden konnten. Eine Schulwahl, mit der sie zufrieden sind. Dass diese aber nicht allen gefällt, zeigt ein Fall aus dem Sommer 2015. Denn die Bildungsagentur Bautzen wollte die Schulwahl offenbar noch verhindern.

Es war im vergangenen Sommer, als Herr Ullrich aus Dürrhennersdorf die Absage bekam: Sein Sohn würde nicht auf die Pestalozzi-Oberschule in Neusalza-Spremberg gehen können. Für ihn kam das Ganze überraschend: „Wir hatten nicht damit gerechnet, weil Dürrhennersdorf und Neusalza-Spremberg eine Verwaltungsgemeinschaft bilden“, sagt Ullrich. Dadurch sei er automatisch davon ausgegangen, sein Kind würde hier einen Platz bekommen. Die Oberschule im Nachbarort allerdings kämpft mit Kapazitätsproblemen – auch wegen der Beliebtheit der Einrichtung. Es tut mir sehr Leid für jedes Kind, das wir wegschicken müssen“, sagt Schulleiterin Astrid Seibt, „wir arbeiten an der absoluten Obergrenze.“

Wie Herr Ullrich aus Dürrhennersdorf sagt, haben die Eltern es noch mit einem Einspruch versucht. Dieser sei abgelehnt worden. Ein Bescheid für ein weiteres Verfahren hätte dann allerdings über 80 Euro gekostet. Wegen Aussichtslosigkeit zogen die Dürrhennersdorfer den Widerspruch zurück, um die Gebühr zu vermeiden. Zu einem Elternabend besichtigten sie dann zunächst die Löbauer Oberschule – auf Anraten der Bildungsagentur, wie Ullrich sagt. Willkommen habe er sich dort nicht gefühlt. „Die Lehrer wussten Bescheid, dass wir eigentlich an eine andere Schule wollten“, sagt der Dürrhennersdorfer. Außerdem ist ihm die Schule zu groß, denn sie ist sogar die größte der Region.

Letztendlich wurde er und weitere Eltern aus seinem Ort auf die Seifhennersdorfer Oberschule aufmerksam. Dort läuft seit diesem Schuljahr wieder der normale Schulalltag mit einer fünften Klasse. Zuvor hatte sich die Stadt erfolgreich gegen das vom Kreis und Kultusministerium geforderte Aus der Schule gewehrt.

Dort wurden die Dürrhennersdorfer mit offenen Armen aufgenommen. „Nach den schweren letzten Jahren hat sich die Stadt vorgenommen, keine Schüler wegzuschicken“, wie Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt (parteilos/UBS) sagt. Dass die Schüler auch nach Seifhennersdorf und zurück kommen, darum kümmert sich der Förderverein der Schule. Finanziell springt die Stadt ein. Im Jahr 2000 gab es laut Frau Berndt einen Stadtratsbeschluss, dass die Stadt Schülern aus anderen Orten eine finanzielle Mehrbelastung erstattet. Herr Ullrich und zwei weitere Elternpaare meldeten daraufhin ihre Kinder in Seifhennersdorf an, die Bildungsagentur wurde auch informiert.

Schon am nächsten Werktag klingelten in allen drei Haushalten die Telefone. Am anderen Ende der Leitung: Die Bildungsagentur in Bautzen. „Alle von uns wurden eine halbe Stunde lang bearbeitet, dass wir doch nach Löbau gehen sollen“, berichtet Ullrich. Die Bildungsagentur weist das zurück, aber äußert sich nicht zu Einzelfällen. „Wir beraten Eltern hinsichtlich der Schulwahl. Eine Einflussnahme nehmen wir aber nicht vor“, sagt sie. Das haben die Dürrhennersdorfer Eltern allerdings anders in Erinnerung. Bei den Telefonaten sei die Seifhennersdorfer Schule schlecht geredet worden. Eine andere Alternative als die Löbauer Schule habe ihnen niemand aufgezeigt, berichtet Ullrich.

Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt war dieser Ablauf nicht bekannt. Sie wundert sich allerdings nicht darüber, zu viel ist in den vergangenen Jahren passiert. Im Augenblick befindet sich die Schule dabei, Schüler zu werben, um alle Anforderungen für neue Klassenstufen zu erfüllen. „Es soll jetzt Ruhe einkehren“, wünscht sich die Bürgermeisterin.

Sie sieht die Oberschule für die Zukunft gut aufgestellt. „Im Einzugsgebiet aller fünf Oberschulen in der Umgebung wird es in den kommenden Jahren genügend Schüler geben“, sagt Frau Berndt. Und auch die Dürrhennersdorfer Schüler und ihre Eltern sind zufrieden: „Wir wurden hier herzlich aufgenommen und bringen uns auch bei außerschulischen Aktivitäten ein“, sagt Herr Ullrich. Ein halbes Schuljahr ist nun vergangen und der deutlich weitere Schulweg mache sich für die Dürrhennersdorfer Kinder nicht so stark bemerkbar. Sie werden, wie auch weitere Kinder der Schule, jeden Tag von einem Kleinbus abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Für Familie Ullrich hat sich das bewährt.

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