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Freitag, 19.01.2018

Drogenplantage ausgehoben

In Ludwigsdorf fand die Polizei den größten Oberlausitzer Cannabisanbau seit Jahren. Der „Gärtner“ bleibt vorerst frei.

Von Matthias Klaus

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Seit Mittwoch durchsucht die Polizei ein Grundstück in Ludwigsdorf. Ein 65-Jähriger soll hier einen professionell aufgebauten Drogenanbau eingerichtet haben. Die Durchsuchung dauert in diesen Tagen noch an.
Seit Mittwoch durchsucht die Polizei ein Grundstück in Ludwigsdorf. Ein 65-Jähriger soll hier einen professionell aufgebauten Drogenanbau eingerichtet haben. Die Durchsuchung dauert in diesen Tagen noch an.

© Danilo Dittrich

  • Seit Mittwoch durchsucht die Polizei ein Grundstück in Ludwigsdorf. Ein 65-Jähriger soll hier einen professionell aufgebauten Drogenanbau eingerichtet haben. Die Durchsuchung dauert in diesen Tagen noch an.
    Seit Mittwoch durchsucht die Polizei ein Grundstück in Ludwigsdorf. Ein 65-Jähriger soll hier einen professionell aufgebauten Drogenanbau eingerichtet haben. Die Durchsuchung dauert in diesen Tagen noch an.
  • Cannabis zum Trocknen: Das fanden die Beamten vor Ort.
    Cannabis zum Trocknen: Das fanden die Beamten vor Ort.

Es ist wohl die größte Drogenplantage in der Oberlausitz, die die Polizei in den vergangenen Jahren ausgehoben hat: Bei einer Durchsuchung auf einem ehemaligen Betriebsgelände am Rand von Ludwigsdorf hat die Kriminalpolizei einen offensichtlich professionell betriebenen Cannabisanbau entdeckt.

Erste Durchsuchungen erfolgten am Dienstag. Grundlage war ein Beschluss eines Richters. Dieser war von der Staatsanwaltschaft Görlitz beantragt worden. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand zunächst ein 65-jähriger Mann, heißt es von der Polizei. Er soll demnach in einem der maroden und teils zugemüllten Gebäude leben. „Streifen des Reviers Görlitz spürten im Keller des heruntergekommenen Bürotraktes in mehreren Räumen Drogenanbau und Trocknungsräume sowie etliche Kanister mit Chemikalien und technisches Equipment zum Betrieb der Plantagen auf“, teilt Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, mit.

Das Rauschgiftkommissariat der Polizeidirektion Görlitz übernahm die weiteren Ermittlungen. Es stellte sich heraus, dass in den Kellerräumen etwa 420 Cannabispflanzen wuchsen und in speziellen Trocknungsräumen bereits zur Verarbeitung vorbereitete, geerntete Pflanzenteile lagerten. „Im Kilobereich“, heißt es von der Polizei. Die Beamten stellten die Pflanzen und Betäubungsmittel sicher. Der Marktwert betrage nach ersten Schätzungen mehr als 10 000 Euro. Wie hoch der Anteil des enthaltenen Wirkstoffes ist, ist noch offen. Eine entsprechende labortechnische Analyse der Cannabispflanzen ist gerade in Arbeit.

Die Polizeibeamten sind nun seit Mittwoch auf dem Gelände unterwegs. Der Grund: Das Areal ist sehr weitläufig und stellenweise unwegsam. Der Einsatz werde voraussichtlich die kommenden Tage andauern, so die Polizei. Das Grundstück erstreckt sich über mehrere Hektar. Einige Lagerhallen und Schuppen warten dort noch auf eine genaue Untersuchung. Manche der Gebäude seien bereits stark baufällig, sodass diese nur nach entsprechenden Sicherungen genau in Augenschein genommen werden können.

Der verdächtige 65-Jährige bleibt derweil auf freiem Fuß. Um ihn in Haft zu nehmen, fehle es an einer rechtlichen Grundlage, so die Görlitzer Staatsanwaltschaft. Gegen den Verdächtigen wird nun allerdings wegen des Verdachts des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ermittelt. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Cannabis ist in der Oberlausitz im Kommen. Das stellte die Polizeidirektion bereits 2016 fest. Betroffen ist sowohl der Anbau als auch der Konsum der Hanfpflanzen. Es gebe eine „leicht ansteigende Tendenz“, hieß es damals. Gerade beim Anbau zeigen sich die Hanfgärtner kreativ. 2015 wurden Hanfpflanzen auf der Grünfläche des Kreisverkehres vor dem Görlitzer Filmpalast entdeckt. Insgesamt hundert der jungen Triebe beschlagnahmte die Polizei. Der Anbauer blieb unbekannt. Ein Jahr davor staunten Arbeiter der Straßenmeisterei über elf ungewöhnliche Gewächse auf einem Grünstreifen neben der Autobahn bei Nieder-Seifersdorf. Die unbekannten Züchter hatten die Pflanzen sogar mit Dünger versorgt. Ebenfalls 2014 stellte die Polizei zwei Männer in Görlitz, die Cannabis wohl über längere Zeit in Wohnungen in der Innenstadt zum Eigenkonsum angebaut hatten. Sie legten die Blätter in Rum ein.

Neben Cannabis bleibt Crystal ein Drogenproblem in der Region. Erst im August 2017 wurden vier mutmaßliche Schmuggler in Görlitz festgenommen. Sie sollen etwa 900 Gramm der synthetischen Droge aus Polen mitgebracht haben. Die vier sitzen derzeit noch in Untersuchungshaft. Zollfahndung, Polizei und Staatsanwaltschaft Dresden ermittelten seit vergangenem November gegen eine ganze Bande von Crystal-Schmugglern. Inzwischen wurden zwei Haftbefehle in Dresden gegen einen 31- und einen 37-jährigen Deutschen vollstreckt. Sechs Wohnungen und eine Lagerhalle waren durchsucht, unter anderem ein funktionstüchtiges Labor zur Crystal-Herstellung gefunden worden.