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Donnerstag, 04.05.2017

Dresdner Spitzenforschung für London

Auf dem Campus des renommierten King’s College zeigt sich die Dresdner Wissenschaft von ihrer praktischen Seite.

Von Jana Mundus, zzt. London

Wie werden die Handys noch schneller? Der Dresdner Wissenschaftler Frank Fitzek (l.) erklärt es Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Edward Byrne, Rektor des King’s College London, und TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen in der Dresdner Wissenschaftsausstellung. Die soll die Londoner jetzt für Forschung made in Dresden begeistern.
Wie werden die Handys noch schneller? Der Dresdner Wissenschaftler Frank Fitzek (l.) erklärt es Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Edward Byrne, Rektor des King’s College London, und TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen in der Dresdner Wissenschaftsausstellung. Die soll die Londoner jetzt für Forschung made in Dresden begeistern.

© Dominic Turner

Dresden mitten in London. Das geht. In den nächsten vier Wochen können die Londoner ganz praktisch erfahren, was in Dresdner Forschungslaboren alles passiert. Am Mittwoch wurde eine Dresdner Wissenschaftsausstellung im Herzen der Hauptstadt Großbritanniens eröffnet. Unter freiem Himmel, mitten auf dem Campus des renommierten King‘s College. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit beider Städte soll in Zukunft noch intensiver werden. Das soll auch Wissenschaftler nach Dresden locken.

Das passte. Es war alles very british zur Eröffnung der Ausstellung. Selbst das Londoner Wetter: leichter Nieselregel, grauer Himmel. Als Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden, zur Begrüßung der Gäste ans Mikrofon trat, lichtete sich der wolkenverhangene Himmel, und ein paar zögerliche Sonnenstrahlen blitzten hervor. „Ein gutes Omen für unsere weitere gemeinsame Arbeit“, sagte Müller-Steinhagen zuversichtlich.

Die Dresdner haben die Ausstellung bereits gesehen. Drei Monate lang standen die großen Aufsteller im vergangenen Sommer auf dem Neumarkt. Präsentiert wurden dort mit vielen Fotos und kleinen Experimenten zum Ausprobieren einige wichtige Meilensteine der Dresdner Forschung. Der Carbonbeton etwa, der um vieles leichter als herkömmlicher Beton ist, dabei aber genauso standfest. Ein nur 700 Gramm leichter Hocker, der allerdings 200 Kilogramm tragen kann. Oder wie der Einsatz von Stammzellen im Auge ein Erblinden des Menschen verhindern kann. Ziel der Schau schon damals: Alles so erklären, dass auch Nicht-Wissenschaftler es verstehen. Die Labortür sinnbildlich also für alle öffnen.

Dieses Konzept soll nun auch die Londoner begeistern. Initiator des Ganzen ist der Verbund Dresden-Concept. Ihm gehören neben der TU Dresden oder der HTW viele Dresdner Partner aus Wissenschaft und Kultur an. So unter anderem die Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, die Universitätsbibliothek Slub oder auch die Staatlichen Kunstsammlungen. Über die gute Werbung für seine Stadt freute sich gestern auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der bei der Eröffnung dabei war. Er betont immer wieder gern: „Dresden ist Deutschlands Stadt mit der größten Forschungsdichte.“

In Zukunft noch mehr Wissenschaftler aus Großbritannien anzulocken, dagegen hätten Dresdner Laborchefs sicherlich nichts einzuwenden. „Wenn die Ausstellung dazu führt, dass Leute gern bei uns studieren oder arbeiten würden, wäre das natürlich toll“, formulierte Hans Müller-Steinhagen. Die TU Dresden und das King‘s College gehen seit zwei Jahren einen Weg, von dem beide Städte profitieren. Transcampus heißt der europaweit erste gemeinsame Campus der beiden Universitäten.

Zusammen bewerben sie sich um Fördergelder für Forschungsprojekte. Dozenten unterrichten in Dresden und London. Studenten pendeln zwischen den zwei Einrichtungen. Erste Erfolge gibt es auf dem Gebiet der Medizin. So wurde zum Beispiel eine neue Therapiemöglichkeit für Diabetes-Patienten gefunden. Aber auch zur Frage, wie das Internet in Zukunft arbeitet und der Mensch sich in der digitalen Welt bewegen wird, interessiert die Forscher beim Transcampus.

Vom Brexit, dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU, lassen sich die Wissenschaftler dabei nicht die Stimmung vermiesen. „Natürlich sind die Entwicklungen ein absoluter Rückschritt“, sagt Stefan R. Bornstein, Professor an der Medizinischen Fakultät Dresden und Transcampus-Dekan. „Unsere Kooperation könnte aber beispielhaft für andere sein, wie die Zusammenarbeit mit Großbritannien auch in Zukunft funktionieren kann.“

Ständiger Austausch, so betonte auch Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) bei der Ausstellungseröffnung, wären nun einmal wichtig für die Wissenschaft. Nur dadurch könnten Dinge dazugelernt werden, entstünden neue Ansätze und Ideen. Den Brexit sieht sie mit Sorge. „Aber je enger die Verflechtungen sind, desto schwerer wird es, sie zu kappen.“ Dresden und London forschen also weiter zusammen.

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