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Freitag, 10.06.2016

Dresdner Forscher finden Schlüssel zur Partnerwahl

Eine große Paarstudie zeigt erstmals, welchen Einfluss der unbewusste Geruchssinn auf die Beziehung hat.

Von Stephan Schön

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© dpa

Dresden. Erstmals haben Dresdner Wissenschaftler nachgewiesen, wie sich das eigene Immunsystem auf die Partnerwahl auswirkt. Über einen nicht wahrnehmbaren Bestandteil des Körpergeruchs erkennt der Geruchssinn den am besten zum eigenen Körper passenden Partner, berichtet TU-Professor Thomas Hummel, einer der führenden Riechforscher Deutschlands.

Ein wichtiger Teil des Immunsystems, HLA-System genannt, fügt dem Körpergeruch eigene molekulare Bausteine hinzu. Diese Biomoleküle sind selbst bei noch so intensivem und bewusstem Riechen nicht erkennbar. „Sie wirken unabhängig vom Bewusstsein. Aber sie wirken“, sagt Hummel. „Wir werden von Düften beeinflusst.“ Je unterschiedlicher die HLA von Mann und Frau sind, umso stabiler sind die Abwehrkräfte des späteren Kindes. Bekannt war bereits, dass unterschiedliche Immunsysteme ganz unterschiedliche Körpergerüche erzeugen.

Völlig im Unterbewusstsein bereitet damit der Geruchssinn die optimale Partnerwahl vor. Er entscheidet freilich nicht allein, aber in einem beachtlichen Maße, wie die TU-Forscher nachweisen konnten. 250 Paare wurden an der Uni-Medizin der TU Dresden genetisch analysiert, ihre Unterschiede im Immunsystem erfasst. Gleichzeitig untersuchten Riechforscher und Psychotherapeuten, wie gut die Paare zusammenpassen.

Mit erstaunlichem Ergebnis, wie die Wissenschaftlerin Jana Kromer in ihrer Doktorarbeit schreibt. Paare, deren Immunsystem sich sehr unterscheidet, fanden den Körpergeruch des Partners deutlich angenehmer. Sie sind zufriedener mit ihrer Sexualität und auch der Partnerschaft. Und sie wollen mit diesem Partner häufiger Kinder haben. „Ich bin davon ausgegangen, dass Liebe ganz einfach nach einem Zufallsprinzip funktioniert. Es passt eben, oder auch nicht“, sagt Jana Kromer. Doch in der Natur passiert selten alles nach Zufall, wie diese Studie einmal mehr zeigt. Derzeit läuft am Dresdner Universitätsklinikum eine weitere Partnerschaftsstudie mit Riechtests. Die Forscher stellten dabei bereits fest, dass in den Testreihen Männer aus einer Vielzahl an Duftproben den Geruch ihrer Partnerin oft am besten finden. Frauen indes wählen pragmatischer, unabhängig vom Partner öfter das zu ihnen genetisch passende Immunsystem.

Und noch etwas erforschen die Dresdner Mediziner: Wie wirkt sich die Pille auf all dies aus? Erste Indizien zeigen, sie verändert offenbar die Geruchswahrnehmung der bevorzugten Düfte.

„Wir verständigen uns über Körpergerüche auf eine unterschwellige Art“, sagt Riechexperte Thomas Hummel. „Und wir bekommen mehr und mehr Erkenntnisse darüber, wie das funktioniert.“ Aber, schränkt Hummel sogleich ein: „Das Riechsystem entscheidet zwar mit, aber eben nur zu einem Teil.“

Die Riechforschung (18 bis 1 Uhr, Uniklinik, Fiedlerstraße 42) ist eines von Hunderten Projekten auf der heutigen „Langen Nacht der Wissenschaften“ in ganz Dresden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Baur

    Diese Studie ist nicht neu, anscheinend ist in Dresden die Mauer immer noch nicht gefallen.

  2. Volker W.

    Na so was! Endlich findet man heraus, was schon seit Jahrzehnten gepredigt wird. Der Spruch "Ich kann dich riechen" kommt nicht von ungefähr. Ich kenne noch Aussagen, dass die Ausschüttung von Pheromonen in der Achsel dafür Verantwortliche ist. Nicht umsonst hat der der Kabarettist Eckhard von Hirschhausen einmal, so ungefähr, gesagt: " Moschus ist das Analsekret des Moschusochsen. Der Mensch ekelt sich davor unter seiner Achsel zu riechen wie ein Mensch. Stinken wie ein Ochse aus dem Ar... will er aber". Genauso mit dem Geruchsstoff Amber. Er kommt vor in dem Erbrochenen von Walfischen. Aber die künstlichen sind doch "viiiel" besser, als der Mensch je riechen kann. Würde nicht das Parfüm erfunden, um den durch wenig Waschung beanspruchten Körper trotzdem eine gewisse Note zu geben?

  3. Klugscheiser

    Baur; Herr Lehrer ich weiß was !

  4. Franz K.

    Die alles entscheidende Frage: Wie wird man Riechexperte?

  5. Aufmerksamer Leser

    Volker W. hat natürlich Recht u. man muß die Frage stellen warum Dresdner Forscher Dinge erforschen die seit Jahren bekannt sind u.dies dann als gefundener Schlüssel dargestellt wird. Das ist Verschwendung von Steuergeldern. 2006 zb wurde ein Buch von Ella Kensington verlegt Thema Glückstraining über 1Mio mal im deutschsprachigem Raum verkauft .Da wird auf das HLA System eingegangen. Unter Ella Kensington schrieb als Pseudonym der Buchautor Bodo Delez ,der auch Vorträge über dieses Phänomen hielt - erforscht wurde es aner schon weit früher .Also SZ Vorsicht mit reiserischen Überschriften

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