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Freitag, 15.08.2014

Dresdner Forscher finden Mindestlohn zu hoch

Professoren aus Dresden empfehlen einen vorsichtigen Start mit 4,60 Euro für Ostdeutschland. Das würde nicht viele Berufe treffen.

Von Georg Moeritz

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fünf Monate vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro in Deutschland melden sich erneut Kritiker und fordern Ausnahmen.
fünf Monate vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro in Deutschland melden sich erneut Kritiker und fordern Ausnahmen.

© dpa

Dresden. Fünf Monate vor dem Start des Mindestlohns von 8,50 Euro melden sich erneut Kritiker und fordern Ausnahmen. Der Dresdner Wirtschaftsprofessor Marcel Thum vom Ifo-Institut veröffentlichte gestern mit zwei Kollegen eine Empfehlung von 4,60 Euro Mindestlohn für Ostdeutschland. Damit würden nur fünf Prozent der Arbeitnehmer eine Erhöhung bekommen – das wäre laut Thum „ähnlich vorsichtig“ wie bei der Einführung des Mindestlohns in Großbritannien vor 15 Jahren.

Thum griff Äußerungen von Politikern und Gewerkschaftern an, nach denen der Mindestlohn in anderen Staaten keine Arbeitsplätze gefährdet habe. Solche Vergleiche seien „naiv“, schrieb der Professor. In jedem Land gebe es andere Bedingungen. Großbritannien hat 1999 mit einem Mindestlohn von 3,60 Pfund begonnen und schrittweise auf nun 6,31 Pfund erhöht, umgerechnet 7,91 Euro für Beschäftigte ab 21 Jahren. In Frankreich gelten 9,53 Euro.

In Deutschland ist vorgesehen, nächstes Jahr mit 8,50 Euro Mindestlohn zu beginnen. Nach zwei Jahren wird die Untergrenze neu festgelegt – von sechs Fachleuten, die je zur Hälfte von Gewerkschaften und Arbeitgebern benannt werden sollen. Bis dahin gelten in einigen Branchen Ausnahmen, zum Beispiel acht Euro für Pflegekräfte und 8,20 Euro für Leiharbeiter in Ostdeutschland. Die Verbände der Bäcker und Taxifahrer wollen in den kommenden Wochen über Tarifverträge verhandeln und ebenfalls Übergangslöhne unter 8,50 Euro festlegen. Die Landwirte haben sich mit der Gewerkschaft IG Bau auf 7,20 Euro Mindestlohn für das nächste Jahr geeinigt und bei der Bundesregierung beantragt, auch diese Ausnahme zu akzeptieren.

Nach Thums Berechnung liegt der durchschnittliche Stundenlohn in Ostdeutschland nächstes Jahr bei 14,10 Euro brutto. Jeder zweite Beschäftigte bekommt mehr als 12,40 Euro. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro würde für mehr als 20 Prozent der Ostdeutschen eine Lohnerhöhung bedeuten, im Westen für 12,5 Prozent.

Der Dresdner Ökonom Thum hatte mit seinen Kollegen Andreas Knabe aus Magdeburg und Ronnie Schöb aus Berlin bereits in einem längeren Aufsatz den Mindestlohn als „Experiment“ mit vielen Risiken bezeichnet. Rein rechnerisch seien dadurch in Ostdeutschland bis zu 293.000 Arbeitsplätze gefährdet, davon etwa die Hälfte Minijobs. Dagegen schätzen die gewerkschaftsnahen Forscher der Hans-Böckler-Stiftung, dass der Mindestlohn die Summe aller Löhne in Deutschland um ein Prozent erhöht, sodass der Konsum steigt und mehr Arbeitsplätze schafft.

www.cesifo-group.de/dresdenberichtet

www.der-mindestlohn-kommt.de

Leser-Kommentare

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Insgesamt 51 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Didi

    Wow, 4,60 € pro Stunde, das sind pro Monat 797,33 € Brutto. Wie großzügig diese Forscher doch sind. So, und jetzt schauen wir alle mal, bei welchem Einkommen die Armutsgefährdungsgrenze liegt und meinetwegen auch, wie viel Geld ein Hartz-IV-Bezieher so im Monat bekommt und dann wissen wir alle, dass 4,60 € ein menschenverachtender Vorschlag ist.

  2. LP

    Bei solchen Beiträgen hielte ich die Angabe der Einkommen der Autoren für recht hilfreich, damit sich der Normalbürger ein Bild machen kann, aus welcher Position heraus solche Ergüsse kommen und leider auch noch veröffentlicht werden (ohne entsprechendem Kommentar sachverständiger Normalos!). Zum Mindestlohn nur so viel: Als das Thema hochkam (vor etwa 5 Jahren?), waren auch schon diese 8,50 im Gespräche. Wenn das damals einigermaßen ernst gemeint war (bei Politikern muss man da sehr vorsichtig sein!), müssten nun unter Berücksichtigung der Inflationsrate etwa 9,50 real gefordert werden, oder? Unabhängig davon sollten die Autoren solcher "Empfehlungen" doch mal erklären, welche Rentenleistungen denn dabei rauskommen? Ach ja, die Leute sollen privat "vorsorgen"! Wovon bitte schön? Diese Dummschwätzer gehören an den Pranger! Denke mal, dass da langsam auch die BKin was sagen sollte! OMG, lass Hirn regnen!

  3. Jan

    € 4,60 ??? das sind noch nicht einmal € 800,- brutto im Monat, wer zum Henker soll dafür morgens aufstehen, so lange solche Spinner eine Professur innehaben braucht man sich nicht wundern das die Linken immer stärker werden, kann sich doch mal Gedanken darüber machen wie man davon eine Familie ernähren soll, das ist schon mit den vorgeschlagenen 8,50 nicht einfach, der Mindestlohn muß her da der Ausbeutung leider in diesem Land nicht anders beizukommen ist, der Bäcker und der Friseur im Artikel von gestern haben leider vergessen zu erwähnen was sie mit den Niedriglöhnen für Ihre Angestellten für ein Vermögen für sich selber gescheffelt haben...

  4. Brückenversenker

    Herr Thum ist aufgerufen, die nächsten Beiden Jahre von den genannten 4,60€/Stunde zu leben. Der einfachheit halber sollte er alle diesen betrag übersteigenden Einnahmen an ein gemeinnütziges Projekt seiner Wahl spenden.

  5. Jan

    € 4,60 ??? das sind noch nicht einmal € 800,- brutto im Monat, wer zum Henker soll dafür morgens aufstehen, so lange solche Spinner eine Professur innehaben braucht man sich nicht wundern das die Linken immer stärker werden, kann sich doch mal Gedanken darüber machen wie man davon eine Familie ernähren soll, das ist schon mit den vorgeschlagenen 8,50 nicht einfach, der Mindestlohn muß her da der Ausbeutung leider in diesem Land nicht anders beizukommen ist, der Bäcker und der Friseur im Artikel von gestern haben leider vergessen zu erwähnen was sie mit den Niedriglöhnen für Ihre Angestellten für ein Vermögen für sich selber gescheffelt haben...

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