erweiterte Suche
Donnerstag, 07.12.2017

Dresdens Pläne gegen dicke Luft

Tempolimits und gesperrte Fahrbahnen sollen die Schadstoffbelastung senken. Kommt jetzt auch ein Fahrverbot?

Von Stephan Schön und Kay Haufe

96

Bild 1 von 3

Knackpunkt im neuen Luftreinhalteplan: Das Blaue Wunder verliert eine Spur.
Knackpunkt im neuen Luftreinhalteplan: Das Blaue Wunder verliert eine Spur.

© SZ/Peter Hilbert

  • Knackpunkt im neuen Luftreinhalteplan: Das Blaue Wunder verliert eine Spur.
    Knackpunkt im neuen Luftreinhalteplan: Das Blaue Wunder verliert eine Spur.
  • Tempolimits sollen auf der Bautzner Straße ...
    Tempolimits sollen auf der Bautzner Straße ...
  • ... und der Autobahn gelten.
    ... und der Autobahn gelten.

An diesem Donnerstag pfeift ein kräftiger Wind durch Dresden, zeigt sich aber durchaus von der guten Seite. Denn er weht viele Schadstoffe aus der Stadt, die sich sonst bei kalten Temperaturen wie eine Dunstglocke über Dresden sammeln.

Um das zu ändern, stellt die Stadt am morgigen Freitag den neuen Luftreinhaltplan vor. In dem der SZ bereits vorliegenden Papier sind zahlreiche Projekte aufgeführt, die die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid in den kommenden Jahren deutlich senken sollen. Damit legt die Stadt nach ihrem letzten Plan von 2011 erstmals eine überarbeitete Variante vor, in der es vor allem um die Begrenzung des Autoverkehrs geht. Denn beide Schadstoffe werden vorwiegend von Autos ausgestoßen.

Vor allem die Messstation an der Bergstraße zeigte in den vergangenen Jahren immer wieder erhöhte Feinstaubbelastungen an. In diesem Jahr wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an 19 Tagen überschritten. 35 sind erlaubt. Auch beim Stickstoffdioxid, dessen Jahresgrenzwert bei 40 Mikrogramm liegt, konnte Dresden in den Vorjahren nicht darunter bleiben. Gravierende Maßnahmen sind nötig, um die Dresdner Luft zu verbessern.

Besonders einschneidend wird die Reduzierung der Fahrspuren auf dem Blauen Wunder in ein bis zwei Jahren sein. Dabei macht sich die Stadt zunutze, dass die Brücke ohnehin in den nächsten Jahren saniert wird und dabei Spuren wegfallen. Ob das der Luft hilft, werde man sehen, sagte Wolfgang Socher vom Umweltamt auf dem Statuskolloquium Luft des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie am Mittwoch. Selbst das Straßen- und Tiefbauamt rechnet dann mit Stau.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Geschwindigkeitsbegrenzungen. So soll auf der Bautzner Straße Tempo 30 gelten, womit die Stadt allein zehn Prozent des Stickoxid-Ausstoßes senken will. Nicht neu, aber ambitioniert ist der Plan, Tempo 100 auf der Autobahn im Stadtgebiet einzuführen. Damit könnte Dresden eine bundesweite Vorreiterrolle einnehmen. Leider ist die Stadt damit vor einigen Jahren beim Land gescheitert.

Um den Verkehr flüssiger zu gestalten und unnötige Abgase zu vermeiden, ist eine grüne Welle an der Kreuzung Könneritz- und Ammonstraße geplant. Zudem soll es ein besseres Verkehrskonzept für den Bereich rund um Schiller- und Körnerplatz geben. Radfahrer sollen dort schneller und sicherer vorankommen, eine Aufweitung der Straßenbahn-Gleisabstände dafür sorgen, dass die neuen Stadtbahnen dort fahren können. Damit erhofft sich die Stadt, rund fünf Prozent der Autofahrer auf den Sattel oder einen Straßenbahn- und Bussitz zu bekommen.

Es ist zu hoffen, dass der Plan aufgeht. Denn Dresden droht weiterhin eine Klage wegen schlechter Luftqualität und ein sich möglicherweise daraus ergebendes Fahrverbot für Dieselautos. Dies hatte die Deutsche Umwelthilfe angekündigt, die den neuen Luftreinhalteplan abwarten will. Sein Vorgänger aus dem Jahr 2011 hat erste Erfolge gebracht, aber zu wenig, um alle Anforderungen zu erfüllen. So dürfen seit sechs Jahren keine großen Lkw mehr durch die Innenstadt fahren, wenn sie dort nichts anliefern. Auf der Königsbrücker Straße gilt Tempo 30. Die Busflotte der Dresdner Verkehrsbetriebe ist mit neuen, schadstoffärmeren Modellen sowie Hybridbussen ausgestattet worden. Auch die Zahl der Jobtickets ist gestiegen, mit denen Beschäftigte dank Arbeitgeberzuschuss günstiger zur Arbeit fahren können. Im Zentrum ist mit dem neuen Parkplatz unter der Marienbrücke die letzte kostenlos nutzbare Fläche weggefallen, damit Autofahrer animiert werden, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Besonders die Anwohner von stark mit Luftschadstoffen belasteten Bereichen wie am Nürnberger Ei und Wasaplatz, der Bautzner und Königsbrücker Straße sowie Teilen der Weißeritz-, Könneritz- und Ammonstraße werden froh sein, dass sich etwas tut. Damit nicht nur der Wind dafür sorgt, dass es keine dicke Luft mehr gibt.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 20

Insgesamt 96 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. sletrabf

    Alles schön und gut, doch für mich fehlen Maßnahmen, die dem ÖPNV direkt zugute kommen. Erst wenn die Orte an der Peripherie gut angebunden sind und das auch zu nachtschlafenden Zeiten (Anruflinientaxi?), wird sich die Nutzung erhöhen und nicht allein durch den Wegfall von Spuren oder Parkplätzen -- wobei das wiederum notwendig ist, wenn Alternativen bestehen. Dass etwas getan werden muss, ist angesichts des Klimas und der Luftqualität geboten. Ich bin vor allem gespannt, ob sich heute eine sachliche Diskussion entwickeln wird.

  2. O.W.

    Die genannten Maßnahmen sind nur Aktionismus, der nichts bringen wird. Hier ist ein radikales Umdenken gefragt, Radverkehr und ÖPNV müssen endlich absoluten Vorrang in der Innenstadt bekommen. Auch eine City-Maut muss diskutiert werden. Ansonsten kommt das Diesel-Fahrverbot so sicher wie das Amen in der Kirche.

  3. Klemens Schneider

    Endlich! Hoffentlich werden die genannten Maßnahmen auch zeitnah umgesetzt. Bei den aktuellen Temperaturen fährt man mit dem Rad ständig durch stechend (chlorähnlich) riechende Stickoxidwolken aus Dieselautos ohne funktionierende Abgasreinigung. Blaues Wunder und Bautzner Str. sind für den Radverkehr bisher eine Katastrophe. Auch auf der Könneritzstr. ist die Radverkehrsführung eher schlecht. Da man hier die Straßenbahnhaltestellen aufwändig umbauen müsste (so wie auf der Leipziger Str.) wird das aber wohl etwas länger dauern.

  4. DDler

    @sletrabf: da schließe ich mich an. Es ist auch eine Frage des Fahrpreises, so manchen neuen Nutzer überzeugen zu können. Und das Jobticket muß allen Firmen zugänglich gemacht werden.

  5. Steffen Fuchs

    Blauäugige Herangehensweise: Die meisten heutigen Autos können bei 50 km/h im 5. oder sogar 6. Gang bewegt werden, bei 30 km/h aber nur im 3. oder allerhöchstens 4. Gang, so dass der Verbrauch und die Emissionen bei 30 km/h sogar höher ist. Und selbst wenn 10% der Leute umsteigen sollten, nützt das gar nichts, wenn die restlichen 90% auf der gleichen Strecke besonders im Stadtgebiet ständig im Stau stehen. Bei stehenden Autos geht Verbrauch und Emissionen je Strecke gegen unendlich, und Stop-and-Go ist nicht viel besser. Die heutigen EU-Regeln zur Luftqualität sind sowieso lächerlich, was schlechte Luft war konnte man vor 30 Jahren beobachten. Warum müssen wir immer auf äußerst hohem Niveau jammern?

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 20

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein