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Freitag, 18.05.2018

Dresdens Oberbürgermeister kommt aufs Land

Was wünscht sich Dresden vom Umland? Was erhoffen sich die Kommunen von der Landeshauptstadt? Ein Gespräch.

Von Birgit Ulbricht

Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden, war noch nie in Wildenhain. Mal sehen, wie es ihm im Großenhainer Land gefällt.
Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden, war noch nie in Wildenhain. Mal sehen, wie es ihm im Großenhainer Land gefällt.

© Robert Michael

Wildenhain. Es ist sein erster Besuch in Großenhain. Nun, das wäre für einen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden noch zu verstehen. Was wirklich erstaunlich ist, Dirk Hilbert spricht bei seinem Besuch auf dem Land darüber, wie sich Stadt und Land ergänzen könnten, wie man voneinander lernen kann und was künftig vielleicht zusammen zu bewältigen ist. Das ist neu. Auch für den Dresdner OB. Denn die Landeshauptstadt, nur eine halbe Autostunde vor Großenhains Fluren, kam manchem doch immer recht autark vor.

Sprich, wenig kooperativ bei Themen wie Schulstandorte erhalten, leerstehende Immobilien geschickt nachnutzen, Wohnraum anbieten oder den Verkehrstakt. Der Landtagsabgeordnete, der den Jahresempfang für die Großenhainer Pflege das zweite Jahr organisiert, sieht gut Chancen, dass man gesprächsweise zu neuen Gedanken für eine Zusammenarbeit zwischen Dresden und dem Umland kommt. Warum nicht Dresdner Kinder in eine Umlandschule schicken, statt eine Neue in Dresden zu bauen? Warum keine Wohnungen und Häuser im Umland anbieten?

Und welche Wünsche hat Dresden an die Umlandgemeinden und Städte? Darüber dürfte sich der Dresdner Oberbürgermeister auch Gedanken gemacht haben, kündigt Landtagsabgeordneter Sebastian Fischer an. Zumindest fand Hilbert das Thema „Stadt-Land-Hand-in-Hand“ recht spannend und mal ein stückweit weg vom sonstigen Tagesgeschäft. Für die Kommunen im Umkreis der Hauptstadt spielen dabei nicht nur schnelle Wege in das Zentrum eine wichtige Rolle – für viele kleinere Städte steht inzwischen auch die Frage: Können wir nicht die ein oder andere Behörde oder Einrichtung aufs Land ziehen? Die jahrelange Zentralisierung hat vor allem in den Mittelzentren leere Gebäude hinterlassen. Großenhain kann ein Lied vom Behördenwegzug singen.

Jüngste Sorgenkinder sind das Vermessungsamt am Remonteplatz, das leergezogen wird, sobald der Behördenneubau des Landkreises in Meißen steht, und das Ausbildungszentrum der Dresdner Handwerkskammer in Großraschütz, das in die Landeshauptstadt umzieht – auch hier in einen Komplettneubau. Ab 1. Juli 2020 geht die Immobilie wieder zurück an den Freistaat Sachsen. Doch was der damit machen will, ist bislang völlig offen.

Auch der Landkreis hat nach letzten Anfragen bislang keine Idee für das aufwendig sanierte Vermessungsamt neben dem Alberttreff. Seitenhiebe, die Stadt möge sich doch bitte mit um einen Nachnutzer kümmern, sind da bestenfalls nur moralische Appelle. Denn ernsthafte Verhandlungen kann natürlich nur der Eigentümer der Immobilie führen. Überlegungen sind freilich von allen gefragt. Zumal es an der Zeit ist, Ämter auch wieder bewusst in die Umland-Städte zurückzuholen, denn nicht jede Behörde muss zwangsläufig in Dresden angesiedelt sein. In etlichen westlichen Bundesländern wird das grade als Strukturmaßnahmen für das Umland praktiziert. Insofern könnte der Austausch durchaus der Auftakt für das ein oder andere praktische Ergebnis sein.

2. Jahresempfang in der Großenhainer Pflege, „Stadt und Land“, Dienstag, 22. Mai, 19 Uhr im Landwirtschaftsbetrieb Heppner in Wildenhain, Bruchgasse 1