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Dienstag, 05.09.2017

Dresdens erster Geisterbus

Zum ersten Mal testen die Dresdner Verkehrsbetriebe einen Bus, der selbst entscheidet, wohin er fährt. Und gegen wen. Es wurde sogar jemand vor den Bus geworfen.

Am Dienstag fuhr zum ersten Mal ein Elektro-Bus ohne Fahrer durch Dresden. Hier steht er an der Haltestelle „Zukunft testen“ auf dem Betriebshof der DVB in Trachenberge.
Am Dienstag fuhr zum ersten Mal ein Elektro-Bus ohne Fahrer durch Dresden. Hier steht er an der Haltestelle „Zukunft testen“ auf dem Betriebshof der DVB in Trachenberge.

© SZ

Kein Fahrer, kein Lenkrad, kein Tank. Ziemlich viel kein für einen Bus. Umso erstaunlicher, dass er trotzdem fährt. Um 11 Uhr startete in Dresden am Dienstagvormittag die erste Tour eines Elektro-Busses, der ohne Fahrer unterwegs ist – eine gemeinsame Aktion der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO). 200 Meter weit führte die Probetour über den Betriebsbahnhof Trachenberge, an einer eigens für die Sonderfahrt bedruckten Haltestelle konnten Passagiere in das Abenteuer einsteigen.

Das ist der führerlose Bus

Aber nicht besonders viele. Und nicht besonders schnell. 15 Menschen passen auf elf Sitz- und vier Stehplätzen in den Kleinbus. 4,75 Meter ist er lang, 2,11 Meter breit. Mit einem Tempo von 25 Kilometern pro Stunde erinnert er nicht nur optisch an ein Insekt. Der Bus mit dem Modellnamen Navya Arma DL4 wurde von dem Technologieunternehmen Trapeze produziert, wird deswegen auch Trapizio genannt. Seinen europäischen Hauptsitz hat das Unternehmen in der Schweiz – aus Schaffhausen brachte Trapeze den Bus nach Dresden.

DVB-Vorstand Andreas Hemmersbacher, der Bautzner Landrat und Zweckverbandsvorsitzende Oberelbe Michael Harig und VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen nahmen das gedrungene Gefährt, das ein bisschen aussieht, als sei es aus dem All gefallen, in Empfang. „Beim Thema Autonomes Fahren arbeiten wir in der Branche eng zusammen und suchen die Kooperation mit Wissenschaft und Forschung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die neue Technologie das heutige ÖPNV-Angebot sinnvoll erweitern kann“, sagte Burkhard Ehlen. Kurz gesagt: Mal sehen, ob das Alien uns geheuer ist.

Trumphiert die Technik?

Es richtete zumindest keinen Schaden an, einige Zuschauer wirkten sogar heiter bis begeistert. So gut der Testlauf funktionierte, allzu bald werden die Dresdner Busfahrer ihre Jobs trotzdem nicht verlieren. Längst vor Europa wird der führerlose Bus sich wohl in Asien durchsetzen. Dort scheint die Begeisterung für die Technologie über ethische und Sicherheitsbedenken zu siegen. Zumal Trapeze versichert: Der Bus reagiert schneller als jeder Mensch. Die Stereokamera an der Fahrzeugfront erkenne Verkehrsschilder, Ampeln und mögliche Hindernisse.

Zwei 360-Grad-Laser und sechs 180-Grad-Laser erfassen Standort und Umgebung. Sie sollen Kollisionen verhindern. Falls sich der Bus unerwarteten Hindernissen oder Fußgängern nähert, stoppt er. Um die neugierigen Zuschauer davon zu überzeugen, flog sogar ein Mensch vor den Bus. Nun gut, ein Maskottchen. Eh schon tot. Aber trotzdem: Trapezio hielt an, das Maskottchen blieb unversehrt. Seinen Fahrtweg bemisst der vierrädrige Spaceshuttle übrigens per GPS. Abweichungen korrigieren ein integrierter Wegstreckenzähler und der Tacho – sagt der Hersteller. Ganz schön viel Technik, aber so sieht die Zukunft wohl aus. Triumphiert die Technik also? Montags behaupten einige Dresdner es nur, Dienstag zeigte Dresden wirklich, wie es geht. Oder gehen könnte. (szo/fak)