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Samstag, 21.10.2017

Dresden wappnet sich für den Blackout

Was tun, wenn tagelang der Strom ausfällt? Die Stadt und kommunale Firmen haben dafür jetzt neue Katastrophenpläne.

Von Peter Hilbert und Christoph Springer

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Maschinistin Sindy Eberlein bei Kontrollen an einem Blockheizkraftwerk im Klärwerk Kaditz. Beim Blackout kann hier weiter Strom erzeugt werden.
Maschinistin Sindy Eberlein bei Kontrollen an einem Blockheizkraftwerk im Klärwerk Kaditz. Beim Blackout kann hier weiter Strom erzeugt werden.

© Peter Hilbert

  • Maschinistin Sindy Eberlein bei Kontrollen an einem Blockheizkraftwerk im Klärwerk Kaditz. Beim Blackout kann hier weiter Strom erzeugt werden.
    Maschinistin Sindy Eberlein bei Kontrollen an einem Blockheizkraftwerk im Klärwerk Kaditz. Beim Blackout kann hier weiter Strom erzeugt werden.
  • Dieses Bild bot sich im November 2005 im Münsterland. 50 Hochspannungsmasten waren unter der Schneelast umgeknickt. 250000 Menschen blieben bis zu drei Tage ohne Strom. Auf so einen Fall bereitet sich Dresden vor.
    Dieses Bild bot sich im November 2005 im Münsterland. 50 Hochspannungsmasten waren unter der Schneelast umgeknickt. 250 000 Menschen blieben bis zu drei Tage ohne Strom. Auf so einen Fall bereitet sich Dresden vor.

Stromausfall, stundenlang, vielleicht sogar tagelang, nichts geht mehr in Dresden. Den Blackout könnten Terroristen mit einem Anschlag auslösen, aber auch ein technisches Problem ist als Ursache denkbar. Zudem werden in Deutschland Atom- sowie andere Kraftwerke abgeschaltet und auf Wind- und Sonnenergie gesetzt. Was zu Stromschwankungen führt. Diese und weitere Ursachen könnten zum Ausfall der Stromversorgung in Städten, ganzen Bundesländern oder Teilen Europas führen.

Szenarien wie dieses sind Thema im Brand- und Katastrophenschutzamt der Stadt. „Das ist mein Hauptthema“, stellte Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) unlängst auf der Feuerwehrmesse Florian fest. Während dann zwar Einsatzleitstellen und wichtige Institutionen noch funktionieren, weil sofort Notstromaggregate anspringen, kommen die Einwohner in solchen Fällen schnell in existenzielle Schwierigkeiten. Nichts geht ohne Strom, kein Handy, kein Radio, kein Fernseher, kein Kühlschrank, keine Waschmaschine, auch keine Tanksäule. Also wird auch der Kraftstoff knapp.

Stadt richtet Notzentralen ein

Dresden bereitet sich auf diesen Katastrophenfall vor, dessen Wahrscheinlichkeit immer größer wird. Schon vor zweieinhalb Jahren hatte das Brand- und Katastrophenschutzamt Verantwortliche von Unternehmen, Ämtern und Institutionen zusammengetrommelt, um eine Blackout-Strategie vorzubereiten. Jetzt gibt es einen Alarm- und Einsatzplan Stromausfall, so Rathaussprecher Kai Schulz. Dieser Plan wird ständig weiterbearbeitet. Die Stadtverwaltung geht dabei davon aus, dass der Stromausfall mehrere Tage dauert und das gesamte Stadtgebiet betrifft. Damit wäre dann ein Katastrophenfall gegeben.

Bürgermeister Sittel weist darauf hin, dass dann die Dresdner auf den üblichen Wegen nicht mehr erreichbar sind. Deshalb sollen in einem solchen Fall „dezentrale Kommunikationsorte“ eingerichtet werden. Das können Ortsämter, Verwaltungsstellen und Stadtteilfeuerwehren sein, die Infos weitergeben können. Die Stadt rechnet damit, dass bei einem mehrtägigen Stromausfall auch die Mobilität der Dresdner „drastisch eingeschränkt“ sein wird. Die meisten Einwohner werden nur noch zu Fuß Wege zurücklegen können.

Dafür gibt es viele Beispiele. Bei starken Schneefällen waren im November 2005 Hochspannungsmasten im Münsterland umgeknickt. Eine Viertelmillion Menschen hatten bis zu drei Tage keinen Strom. Ein Jahr später blieben bei einem Ausfall Teile Deutschlands und weiterer europäischer Länder zwei Stunden ohne Strom. 76 Millionen Betroffene gab es bei einem weiteren Blackout im März 2015 in der Türkei.

Die hiesigen Stromversorger Drewag und Enso haben für diesen Fall ein Konzept entworfen. „Dieses wurde schon mehrfach an einem Trainingssimulator getestet und erprobt“, sagt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann. Eine Lösung ist im Kraftwerk Nossener Brücke möglich. Wenn Gas anliegt, könne die Drewag zumindest teilweise einen technischen Blackout ausgleichen. Drei Gasturbinen sind mit Generatoren verbunden. „Das Kraftwerk könnte so verstärkt zur Stromerzeugung genutzt und das Netz sukzessive aufgebaut werden“, nennt die Sprecherin ein Beispiel.

Ein derartiger Stromausfall hatte für die Dresdner Stadtentwässerung schon einmal eine verheerende Konsequenz. Am 2. Januar 1987 gab es bei Hochwasser und starkem Regen einen langen Stromausfall im Klärwerk Kaditz. Die Elektromotoren im Hauptpumpwerk standen unter Wasser. Fast fünf Jahre lang ging im Klärwerk nichts mehr, floss das gesamte Abwasser direkt in die Elbe.

Heute ist die Stadtentwässerung besser vorbereitet, versichert Technik-Geschäftsführer Ralf Strothteicher. Für das Krisenmanagement wurde ein Blackout-Handbuch erarbeitet. Festgelegt ist, was bei diesem Notfall geschieht, um Anlagen im Kanalnetz weiterbetreiben zu können. Sonst würde schnell ein Abwasserchaos drohen. So haben Fachleute berechnet, nach welcher Zeit es zu solchen Staus in den Kanälen kommt, dass Abwasser überläuft und Straßen sowie Plätze überflutet. Danach sind Einsatzpläne erarbeitet worden, bis wann Notstromaggregate in Pumpwerken und Saugfahrzeuge an speziellen Brennpunkten eingesetzt werden müssen.

Auf der Kläranlage Kaditz sei es besonders wichtig, dass die Anlagen am Zulauf weiter in Betrieb bleiben. Dazu zählen der Grob- und der Feinrechen. „Sonst würde es zum Kollaps kommen“, sagt Strothteicher. „Wir haben Notstromaggregate für die Anlagen und die Rechner, die alles steuern.“ Mit den drei Blockheizkraftwerken an den Faultürmen, die eine Leistung von drei Megawatt haben, sei bei Stromausfall ein Inselbetrieb des Klärwerks möglich. „Das haben wir am 8. April dieses Jahres getestet“, so der Geschäftsführer.

Da wurde die zentrale Stromzufuhr abgeschaltet. Dieser Härtetest habe gut funktioniert. Geplant sind weitere Übungen. Allerdings kommen Stromausfälle unangekündigt, vielleicht Sonntagnacht. Deshalb will die Stadtentwässerung ihre Experten mit Funkgeräten, sogenannten Pagern, ausstatten, damit sie im Ernstfall schnell alarmiert werden.