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Montag, 11.11.2013

Dresden tafelt königlich im Stadtarchiv

Eine Schau in der Albertstadt entführt an die Tafel des Sächsischen Hofes um 1900.

Von Dominique Bielmeier

Ein über hundert Jahre alter Tokajer würde Josef Matzerath reizen. „Die Flasche ist aus dem Weingarten des Grafen Brühl, der in Sachsen mal Minister war“, erklärt der Professor für Sächsische Landesgeschichte. Erst nach 100 Jahren schmecke der traditionsreiche Weißwein aus Ungarn am besten. Aber leider befindet sich der feine Tropfen hinter Glas.

Die Flasche, über die Matzerath spricht, steht in der Ausstellung „Tafelkultur – Dresden um 1900“, die in der vergangenen Woche im Stadtarchiv eröffnet wurde. Neben ihr findet man in der ehemaligen Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei zahlreiche weitere Exponate, welche die sächsische Esskultur um die Jahrhundertwende veranschaulichen: edles Porzellan aus Meißen, aufwendige Tischdekorationen und Speisekarten, die viel über die exquisiten Essgewohnheiten am Hof verraten. In der Mitte des Raumes steht eine feierlich gedeckte Tafel.

Josef Matzerath ist Kurator der Ausstellung und Mitherausgeber von Büchern über die Hofküche Sachsens. Er kennt die Unterschiede zwischen der Esskultur des neunzehnten Jahrhunderts und der heutigen Zeit. Er erzählt, dass diese gar nicht so groß sind, wie man denken könnte: „Die zentrale Regel, dass man gute Produkte braucht, die frisch sind und solide hergestellt werden, gilt auch heute.“ Mit der Ausstellung will Matzerath an den Höhepunkt der kulinarischen Tradition um das Jahr 1900 erinnern und gleichzeitig erreichen, dass der Freistaat kulinarisch wieder ernst genommen wird. Denn leider gerate zunehmend in Vergessenheit, wie exzellent die sächsische Kochkunst noch heute sei.

In der Ausstellung selbst erfährt der Besucher unter anderem, wie eine klassische Menüfolge nach dem Königlich-Sächsischen Hofküchenmeister Friedrich Tuiskon Baumann auszusehen hatte: Nach einer Suppe folgten zunächst mehrere Vorspeisen. Nach dem Braten wurden Zwischengerichte von Gemüse und süßen Speisen gereicht. Nach einem Gang aus Butter und Käse ging es mit Nachtisch, Früchten und einem Kaffee weiter. Insgesamt 13 Gänge umfasst diese französische Menüfolge. Außerdem legte man großen Wert auf die Gestaltung der Speisekarten, angenehme Tafelmusik und passende Kleidung. Zugleich entstand bereits die Konsumgesellschaft und erste Nahrungsmittel wurden industriell hergestellt.

Rund um die Fachausstellung gibt es ein Begleitprogramm aus Vorträgen und Filmvorführungen. Schulklassen können sich außerdem für ein oder zwei Tage zu Projekten anmelden. Am Projekttag „Was gibt’s zu essen?“ sehen die Jugendlichen den Film „Hunger“ und diskutieren über die Probleme der Globalisierung. Der zweite Tag steht unter dem Motto „Auf den Geschmack gekommen“. Die Schüler können hier auf einem Parcours ihre geschmackliche Wahrnehmung testen und besuchen danach mit Studenten der TU Dresden die Ausstellung. Noch bis zum 7. Februar ist die Tafelkultur-Sammlung geöffnet.

Die Ausstellung im Stadtarchiv (Elisabeth-Boer-Straße 1) ist montags und mittwochs von 9 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung für die Projekttage ist möglich unter  6539 1 09 (Tag 1) und  488 15 15 (Tag 2).