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Freitag, 02.12.2016

Dresden prüft Verbot von Wildtieren im Zirkus

Die rot-rot-grüne Stadtratsmehrheit will bestimmte Arten aus den Manegen verbannen.

Von Sandro Rahrisch

Für ihre Kunststücke mit Wildtieren sind viele Zirkusse berühmt geworden. Doch schon im kommenden Jahr könnten Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner, Nilpferde und Menschenaffen aus den Dresdner Manegen verschwinden.
Für ihre Kunststücke mit Wildtieren sind viele Zirkusse berühmt geworden. Doch schon im kommenden Jahr könnten Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner, Nilpferde und Menschenaffen aus den Dresdner Manegen verschwinden.

© dpa

Dresden. Ein Elefant geht auf die Hinterbeine und setzt sich langsam auf einen Hocker, die Vorderstampfer nach vorn gestreckt, als wäre er ein Mensch. Für ihre Kunststücke mit Wildtieren sind viele Zirkusse berühmt geworden. Doch schon im kommenden Jahr könnten Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner, Nilpferde und Menschenaffen aus den Dresdner Manegen verschwinden. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit berät derzeit über ein Wildtierverbot für Zirkusse, die städtische Flächen mieten wollen.

Es wäre ein Anfang, wenn die Stadt jene sechs Tierarten in Zirkussen verbieten würde, auf die sich der Bundesrat in diesem Jahr festgelegt hat, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins „Anima“, Matthias Bernickel. „Elefanten laufen in freier Wildbahn zwischen acht und 42 Kilometern am Tag, diesem Bewegungsdrang kann kein Zirkus gerecht werden.“ Linken-Stadträtin Manuela Sänger geht noch weiter. Braucht ein Zirkus überhaupt Tiere, fragt sie. Schließlich gebe es Manegen, die ausnahmslos mit Akrobatik, Clowns, Zauberkünstlern auskämen.

Dresden wäre nicht die einzige Stadt, in denen Elefanten und Co. nicht mehr auftreten dürften. Leipzig hat Zirkussen erst im Februar verboten, ihre Zelte auf städtischen Flächen aufzuschlagen, wenn sie auch nur eine der sechs Tierarten mitführen. Insgesamt sind bislang über 60 deutsche Städte diesen Weg gegangen. Eindeutig ist die Rechtslage allerdings nicht. Während das Münchener Verwaltungsgericht ein Verbot für rechtmäßig erklärt hat und dabei das kommunale Selbstbestimmungsrecht stärkte, sind Chemnitzer Richter zu einem anderen Urteil gekommen.

Noch ist nichts beschlossen. Die Dresdner Stadtverwaltung hat sich zuletzt zurückhaltend zu einem generellen Wildtierverbot geäußert. „Wir kontrollieren auch jetzt schon regelmäßig die Unterbringung von Zirkus-Tieren und greifen auch hin und wieder mal ein, wenn es notwendig ist“, sagte Rathaussprecher Kai Schulz.

Dennoch wappnet sich der Direktor des Dresdner Weihnachtscircus‘, Mario Müller-Milano, bereits für ein mögliches Verbot. Auf dem Volksfestgelände feiert er am 14. Dezember mit seiner neuen Show Premiere – inklusive Seelöwen und Tigern. „Wir haben in Deutschland das strengste Tierschutzgesetz und die härtesten Tierhalterrichtlinien, die es gibt“, sagt er. Das finde er auch gut. „Von mir aus sollen die Auflagen ruhig weiter erhöht werden, damit es sich nicht jeder leisten kann, diese Tiere zu halten.“ Ein Komplettverbot bezeichnet er als Schnellschuss. Deshalb habe er bereits Anwälte eingeschaltet. Ein Zirkus ohne Tiere sei kein Zirkus. „Zirkusse sind jahrhundertelang mit Tieren gewachsen.“