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Dienstag, 18.11.2014

Dresden muss immer einen Schritt weiter sein

Ein Arbeitskreis sucht Visionen für die Stadt 2030 und später. Ein Anfang ist gemacht.

Von Bettina Klemm

Das ist sicher: Sandstein und ein barockes Zentrum reichen nicht, damit Dresden im weltweiten Wettbewerb der Städte bestehen kann. Aber was braucht die Stadt? Die Bürger sind jetzt auf der Suche.
Das ist sicher: Sandstein und ein barockes Zentrum reichen nicht, damit Dresden im weltweiten Wettbewerb der Städte bestehen kann. Aber was braucht die Stadt? Die Bürger sind jetzt auf der Suche.

© Wolfgang Wittchen

Dresden ist eine tolle, lebendige und erfolgreiche Stadt. Nur außerhalb wissen das leider viel zu wenige. Vor zwei Jahren kam Jörg Potreck als Hilton-Chef nach Dresden. Er hat zuvor in 13 Städten gearbeitet, darunter in London und Johannesburg. „Doch in Dresden haben alle mit einer unheimlichen Begeisterung von ihrer Stadt gesprochen“, sagte er. Das menschliche Miteinander, die Herzlichkeit sowie die Dynamik in der Stadt und der Umgebung überzeugten ihn.

Aber wie wird Dresden einzigartig in Europa? Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, um auch 2030 und später erfolgreich zu sein? Wie vergänglich einstiger Ruhm ist, zeige die Stadt Detroit. Der ehemalige Motor der Wirtschaft der USA ist heute auf Subventionen angewiesen, weil die Stadt Veränderungen verschlafen hat. „Das darf Dresden nicht passieren“, sagt Potreck. Schnell fand er in Torsten Thieme von Silicon Saxony, Thomas Reppe von der IMA Dresden und Wolfgang Donsbach von der TU Dresden Mitstreiter. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Weichert/Mehner bereitete er fast ein Jahr die gestrige Auftaktveranstaltung „Arbeitskreis Dresdner Dialog – Vision Dresden 2030 & beyond“ vor.

Rund 130 „Botschafter“ folgten seiner Einladung. Die meisten werden sich jetzt in sechs Arbeitsgruppen finden. „Wir leben in einer tollen Stadt, aber Zufriedenheit bedeutet Stillstand“, sagte auch Carsten Dietmann. Der Geschäftsführer des Dresdner Druck- und Verlagshaus forderte, dass die Stadt wie jedes Unternehmen Visionen entwickeln müsse.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) stellte die Ziele für die Entwicklung Dresdens 2025 und eine erste Zwischenbilanz vor. Im Anschluss präsentierte Donsbach den Brooking-Report vor. Die 1916 gegründeten Brookings Institute mit Sitz in Washington verstehen sich als politischer Think Tank, als Denkfabrik. Zu ihren Beratungsschwerpunkten gehört neben Sozialwissenschaften und Wirtschaft auch die Stadtentwicklung. So wurde die Studie initiiert, um US-Städten Anleitungen für ihre Entwicklung in einem zunehmenden globalen Wettbewerb zu geben. Das Expertenteam fand zehn Punkte, die bei allen erfolgreichen Städten mehr oder weniger stark erfüllt werden. Donsbach pickte unter den 42 betrachteten Städten Bilbao und Helsinki als Beispiel heraus. Bilbao gestaltete ein ehemaliges Werftgelände zu einem Wohn- und Dienstleistungsstandort um. Zudem entstand in der spanischen Stadt das Guggenheim-Museum. Helsinki punktete vor allem mit einer engen Verzahnung von Industrie und Wissenschaft sowie einem Hochgeschwindigkeitszug nach St.-Petersburg. Was braucht Dresden? Antwort auf diese Frage soll in sechs Arbeitsgruppen gesucht und bei Folgetreffen Ende Januar, Anfang Februar diskutiert werden.