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Dienstag, 17.08.2010

Drei Rechtsradikale in Döbeln vor Gericht

Mitgliedern der verbotenen Kameradschaft „Sturm 34“ wird der Prozess gemacht.Der Hauptzeuge – ein Aussteiger – fehlt aber.

Von Peggy Zill

Großes Polizeiaufgebot vor dem Döbelner Amtsgericht: Angeklagt sind drei Männer, die an dem Überfall auf das Café Courage in Döbeln im Februar 2007 beteiligt gewesen sein sollen. Damals stürmten mehrere Vermummte die Einrichtung nach einer Kabarett-Veranstaltung, zerschlugen das Mobiliar und verletzten dabei drei Gäste. Das Überfallkommando, Mitglieder der verbotenen Mittweidaer Kameradschaft „Sturm 34“, bestand laut Anklage aus mindestens zehn Personen. Drei der mutmaßlichen Täter mussten sich gestern wegen gefährlicher gemeinschaftlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht verantworten.

Zu Aussagen waren Carsten J., Pierre N. und Rainer S. aus der Nähe von Rochlitz gestern jedoch nicht bereit. In der Anklageschrift wird ihnen vorgeworfen, am 10. Februar 2007 mit mehreren Fahrzeugen von Mittweida nach Döbeln gefahren zu sein und sich an dem Überfall beteiligt zu haben. In einem Fahrzeug habe auch Tom W. gesessen. Der mutmaßliche Rädelsführer der Kameradschaft wurde im August 2008 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Acht Zentimeter Platzwunde

Die fünf geladenen Zeugen sollten Richterin Weik die Geschehnisse des Abends noch einmal schildern. Darunter waren auch zwei der Verletzten. Der 28-jährige Mirko P.* erzählte, wie drei Vermummte den Raum betraten. Einen Moment später habe er ein Tischbein ins Gesicht bekommen. „Von da an habe ich nicht mehr viel mitbekommen.“ Sein Glück sei gewesen, dass er keine Brille trug. Das Auge war aber so sehr geschwollen, dass er es nicht mehr öffnen konnte.

Karin M.*, die auch als Nebenklägerin auftrat, hatte noch versucht sich in Sicherheit zu bringen. „Dann habe ich nur noch einen Schlag gespürt“, so die 41-Jährige. Mit einer acht Zentimeter großen Platzwunde und einer Schädelprellung musste sie behandelt werden. Seitdem plagen sie psychische Probleme. „Bei Großveranstaltungen bekomme ich Panik.“ Bei einer Verhandlung vor dem Chemnitzer Amtsgericht 2008 hatte sie Tom W. als einen der Täter erkannt.

Auch Elke C. gab bei der gestrigen Verhandlung an, einen der Angeklagten identifizieren zu können. Sie glaube, den unterdessen 26-jährigen Carsten J. am besagten Abend gegenüber gestanden zu haben. An ihrer Aussage gab es allerdings Zweifel, weil sie den 1,86 Meter großen J. kurz nach dem Überfall als maximal 1,70 Meter groß beschrieb.

Zeuge wird erneut geladen

Dabei galt es genau diese Fragen zu klären: Waren die drei Männer mit in Döbeln und wenn ja, haben sie ebenfalls mit Tischbeinen und Flaschen um sich geworfen? Der einzige Zeuge, der diese zentrale Frage hätte klären können, ist jedoch nicht zur Verhandlung erschienen. Dabei handelt es sich um den Aussteiger Paul B.* Er war wohl selbst am Überfall auf das Café Courage beteiligt und hat beim Prozess gegen Tom W. ausgesagt. Wegen seiner Aussage ist es auch zur Anklage der drei Männer vor dem Döbelner Amtsgericht gekommen.

„Ohne ihn geht es nicht“, begründete Richterin Weik die Verschiebung der weiteren Verhandlung. Man wolle erneut versuchen, Paul B. vorzuladen. Als nächster Termin ist der kommende Dienstag angesetzt. Sollte B. nicht erscheinen, kann die richterliche Vernehmung von B. verlesen werden. „So ein Protokoll ist ein Beweismittel, auch wenn der Zeuge nicht da ist“, erklärt Dominik Schulz, Direktor des Amtsgerichts. Auch die Staatsanwältin, die bei der Vernehmung dabei war und Tom W. sollen zum nächsten Verhandlungstermin geladen werden. (*Namen geändert)