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Freitag, 25.09.2015

Draußen vor der Tür

Zwei-Klassengesellschaft im Hof der Altmarktgalerie in Dresden: Wer für sein neues iPhone eine Reservierung mitbringt, erhält den Vortritt. Alle anderen Kunden bleiben hinter Gittern bis zur regulären Ladenöffnung.

David und Jurek aus dem rund 450 Kilometer entfernten Siemianowice in Polen hatten reserviert und bekamen ihre iPhones in chicen Plastebeuteln.
David und Jurek aus dem rund 450 Kilometer entfernten Siemianowice in Polen hatten reserviert und bekamen ihre iPhones in chicen Plastebeuteln.

© Stefan Becker

Apple setzt schon wieder Akzente und macht die Altmarktgalerie dicht. Normalerweise öffnen die Türen der Mall um 8 Uhr und Passanten wählen die Wandelgänge gerne als Abkürzung. Diesen Freitag aber hat der Applestore das Sagen und die Pforten bleiben für den Publikumsverkehr verschlossen. Einzig iPhone-Kunden mit einer Reservierung erhalten Zutritt ins Haus und dürfen drinnen ihre Freude mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter teilen. Alle anderen dürfen draußen vor der Tür warten.

Warten fürs iPhone

Um Tumulte vor den Türen zu vermeiden und das Telefon-Camping einzudämmen, habe der Konzern diesmal die Option der Reservierung gewählt, sagt ein Mitarbeiter des Hauses. Vorzugsweise Kunden aus Polen und Tschechien haben von dem Angebot Gebrauch gemacht und schlendern entspannt über den Hof zu den Damen und Herren für die Registrierung. Nebenan im Camp-iPhone dagegen werden die letzten Kekse und Sandwiches verteilt und der Müll in große rote Tüten gestopft. Ein paar müde Kandidaten räkeln sich noch in ihren Schlafsäcken, andere sitzen in Klappstühlen und widmen sich wärmenden Gedanken - schließlich scheint der neue Glücksbringer zum Greifen nah.

Im Camp dominiert eine palästinensische Großfamilie aus Berlin das Geschehen. Die Reisegruppe machte sich auf zum Dresdenbesuch, weil sie in der Hauptstadt keine Chance hätten, eines der Statussymbole zu ergattern: Da würden schon seit sechs Tagen 600 Leute den Applestore belagern, sagt ein junger Mann und ein Begleiter ergänzt: „Ohne neues iPhone bist du nicht cool“. Neben der Fraktion aus Berlin hausieren noch ein paar Gäste aus Tschechien und Russland.

Doch auch ein paar Dresdner sind unter den Kunden, wie Jessica Jehnert. Sie steht mit einem Freund in der lockeren Deluxe-Schlange und wartet etwas aufgeregt auf den Einlass: Die Reservierung läuft auf Punkt 8 Uhr. Seit 2010 mache sie den Spuk mit, sagt Jehnert und weiß noch genau den Tag der Reservierung: es sei der 12. September gewesen, um halb zehn. Über die moderate Nachfrage zeigt sie sich allerdings überrascht. Gab es zur Einführung des 6er-Modells noch reges Gedränge, so hält sich der Run auf die gehübschte S-Klasse doch in Grenzen. Dafür darf jeder Kunde dann auch zwei Geräte kaufen. (szo)