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Mittwoch, 20.02.2013

Dortmund-Boss schlägt Alarm: „Da kollabiert das System“

Werksklubs drängen in die Fußball-Bundesliga. Aber sie bringen nicht genug Fans mit.

Von Jens Mende

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Zerknirscht wegen der Werksklubs in der Bundesliga: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Foto: dpa/Kevin Kurek
Zerknirscht wegen der Werksklubs in der Bundesliga: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Foto: dpa/Kevin Kurek

© dpa

Die Traditionsclubs sind besorgt. Weitere Firmen-Millionen wie in Wolfsburg oder Leverkusen könnten zu einer Gefahr für die gesamte Fußball-Bundesliga werden, glaubt zumindest Dortmunds Vereinschef Hans-Joachim Watzke. Deshalb warnte er vor noch mehr Werksklubs in der obersten deutschen Spielklasse.

„Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25.000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland“, erklärte der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung in einer Podiumsdiskussion auf einem Kongress von Marketing-, Medien- und Sportexperten sowie Sponsoren in Düsseldorf.

Unter dem Motto „Clash der Kulturen: Was Werksklubs und Traditionsvereine eint und was sie auseinander bringt“ diskutierten Vertreter von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg teilweise heftig und konträr. Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder der 1. FC Köln, die immer ausverkaufte Stadien haben, würden „durch die Werksklubs um drei Plätze zurückgeschoben – bis in die zweite Liga“, beklagte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Auch 1899 Hoffenheim mit Mäzen Dietmar Hopp nehme eine Sonderrolle ein. Wenn jetzt etwa noch Audi sein Engagement in Ingolstadt intensivieren würde und die Anstrengungen von Red Bull in Leipzig für einen Erstligaklub in den nächsten Jahren von Erfolg gekrönt wären, könnten noch andere Vereine herausgedrängt werden, fürchtet Bruchhagen, und er fragt rhetorisch: „Wollen wir das?“ Watzke ergänzte mit Hinweis auf den besonderen Status, den schon jetzt Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg durch die Zuschüsse ihrer Mütter-Unternehmen genießen: „Ich warne davor, die Reihe noch auszuweiten.“

Einem gewissen Geldbetrag würde eine gewisse Leistung gegenüberstehen, bemerkte Thomas Röttgermann, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg: „Der Deal mit dem VfL ist für VW ein genialer Deal.“ Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung von Bayer 04, verwies auf erbrachte Leistungen: Die 25,2 Millionen Euro pro Jahr wären weniger, als andere Klubs von ihren Hauptsponsoren kassieren würden. Der Leverkusener Etat sei in der Liga auf Platz fünf oder sechs angesiedelt, „wir machen mit den 25,2 Millionen einen guten Job“, meinte Holzhäuser und fügte hinzu: „Ich bezweifle gar nicht, dass es Neider gibt.“ Aber Eintracht Frankfurt würde seit Jahren Sponsorengelder vom Flughafenbetreiber Fraport kassieren, an dem die Stadt Frankfurt und das Land Hessen Anteile besitzen. „Das ist auch eine Art Finanzdoping durch die öffentliche Hand“, meinte Holzhäuser.

BVB-Chef Watzke regte erneut eine andere Verteilung der TV-Gelder an, also der Haupteinnahmequelle der Profivereine. Mindestens die Hälfte müsse weiter über sportlichen Erfolg vergeben werden. Doch auch andere Parameter wie Zuschauerzahl, TV-Quoten und landesweite Popularität sollten über die Höhe für den einzelnen Verein mitentscheiden. In Holland etwa werden diese Punkte mit berücksichtigt. Röttgermann hielt dagegen, es sei „immer eine Gefahr, festzulegen“, ob ein Klub gut oder schlecht sei. Es sei „völlig unmöglich“, daraus ein Regelwerk abzuleiten. (dpa)

Leser-Kommentare

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  1. Harald Rieger

    Jetzt wissen wir, warum aus dem Osten kein Verein dauerhaft in der 1.Bundesliga spielen wird und selbst in der 2.Liga die meisten Ostvereine große Schwierigkeiten haben sich dauerhaft zu etablieren. Endlich hat mal einer der Bosse im Westen die Katze aus dem Sack gelassen und jeder kann sich seinen Teil denken, bei strittigen Schiedsrichterentscheidungen, Abstiegen und vereitelten Aufstiegen, sowie Zwangszurücksetzungen bis in die Regionalliga. Der Satz: " Wollen wir das? " sagt eigentlich alles. Natürlich will man die armen Ostklubs nicht. Daher wäre das britische Modell für den Osten mit eigenen Verband und einer eigenständigen starken 1.Liga und der Möglichkeit den Meister europäisch spielen zu lassen eine ernste Überlegung wert, auch um die ständig unterschwellig gefühlte Benachteiligung selbst nach über 20 Jahren endlich zu beenden. Wenn man unsere Klubs nicht will, sollte man sich kümmern und nicht in Selbstmitleid verfallen.

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