erweiterte Suche
Montag, 18.01.2010

Dorfhainer Kirche erneut besudelt

Mit einer antisemitischen Parole wurden nun auch Lokalpolitiker angegriffen.

Wenige Wochen nach der Schändung mit Nazi-Symbolen und rechten Sprüchen ist die Dorfhainer Kirche erneut besudelt worden. An der Fassade wurden großformatige Schriftzüge mit volksverhetzendem Inhalt angebracht. Laut Polizei war zu lesen „Juden raus aus dem Gemeinderat“ und „Olaf du bist der Nächste“. Die Tat war am Sonnabendmittag entdeckt worden. Wie Polizeisprecher Lutz Teistler sagte, wurden die Beweise sofort gesichert. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen.

Anfang Dezember 2009 waren an der Kirche Hakenkreuze, SS-Runen und mannshohe Parolen aufgetaucht. Die neuerliche Tat greift nun konkret den Gemeinderat an, und – das liegt zumindest nahe – den Bürgermeister Olaf Schwalbe. Obwohl die Polizei diesen Zusammenhang offiziell nicht herstellen will, schließt sie immerhin daraus, dass es sich um Täter aus dem lokalen Umfeld handeln dürfte.

„Tabubruch ohne Gleichen“

Olaf Schwalbe wollte sich gestern nicht zum Inhalt der Sprüche äußern. Heute sei ein Treffen mit der Polizei anberaumt, davon erwarte er sich Aufklärung über den Stand der Ermittlungen. Nach der ersten Tat habe es schließlich Hinweise aus dem Dorf an die Polizei gegeben. Der Bürgermeister sieht „Vater Staat“ am Zug.

Im Kirchenvorstand wurde die Tat mit Bestürzung aufgenommen. Der Vorsitzende Matthias Bräutigam rechnet erneut mit heftigen Debatten in der Gemeinde. Unsicherheit herrsche vor allem darüber, ob es sich bei den Schmierereien um Großtuerei von Halbstarken handele oder ob tatsächlich rechtes Gedankengut im Ort wachse. „In jedem Fall sind es Tabubrüche ohne Gleichen“, sagt Kirchenvorstand Bräutigam.

Die Polizei versichert, dass man alle Kraft an die Aufklärung der Taten setze. Die neuerliche Schmiererei habe auch neue Spuren geliefert, die nun ausgewertet würden, sagte Sprecher Teistler. (SZ/jös)