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Dienstag, 10.03.2009

Döbelns letzte Gaslampe leuchtet wieder

Nach der Restaurierung ist das antike Stück gestern bei den Stadtwerken entzündet worden.

Von Jens Hoyer

Für Günther Pirl war gestern ein besonderer Tag. Der Döbelner feierte nicht nur seinen 88. Geburtstag, er durfte vor dem Haupteingang der Stadtwerke auch die letzte und einzige Döbelner Gaslampe wieder entzünden.

Vor etwa 30 Jahren hatte Gasingenieur Pirl die Lampe aus dem Bestand des Gaswerkes gerettet. „Sie sollte verschrottet werden. Damals sind viele schöne Sachen verschrottet worden“, erzählte der ehemalige Gasingenieur. Statt sie im eigenen Garten aufzustellen, schenkte er das historische Stück vor vor zwei Jahren 150-Jahr Feier der Gasversorgung den Stadtwerken.

Mit einem improvisierten Haken zog Günther Pirl, assistiert von Gasmeister Hellfried Hummitzsch, am Ring des Absperrventils. Die Stadtwerke hatten keine Mühen gescheut, um die Lampe bei einer Firma wieder funktionstüchtig machen zu lassen. Die Bauteile seien aller wieder verwendet worden. Das Lampenglas musste wieder beschafft werden, so Hummitzsch.

Die Gaslaterne stammt von der Berliner Firma Ehrich &Graetz. Als sie vor rund 100 Jahren in Döbeln eingeführt wurde, sei sie sehr modern gewesen, sagte Stadtwerkechef Reinhard Zerge. „Döbeln hat gleich nach Köln diesen neuen Laternentyp eingeführt.“ Die Neuerung steckte unter der markanten Haube, die viele Döbelner Straßenleuchten bis heute haben. Das Licht wurde, von einem Porzellanring reflektiert, vor allem nach unten abgestrahlt. Vorher waren die Laternen vier oder sechseckig und hatten bruchempfindliche Scheiben. Die mussten geputzt werden, Glühstrümpfe waren auszutauschen. Und häufig wurden die empfindlichen Graugussleuchten von Autos umgefahren.

Die Gaslichtzeit auf den Döbelner Straßen endete in den 60er jahren. Nach und nach wurden die Wartungsintensiven Leuchten außer Betrieb genommen. Oft verstopften die uralten Gasleitungen, erzählte Pirl. Er war unter anderem für das Döbelner Gaswerk zuständig und damit auch für die Außerbetriebnahme. Mit dem Verlöschen der Retorten endete auch die Ära der Gaslaternen. Eine der letzten brannte im Klostergässchen.

So wie gestern wurden früher alle Gaslaternen angezündet – der Lampenanünder ging von Leuchte zu Leuchte und betätigte das Ventil. Später wurde diese Tätigkeit automatisiert. Mit einer Druckerhöhung in den Gasleitzungen zur Gewünschten zeit erfolgte das Anzünden und abdrehen der Lampen.