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Samstag, 17.09.2016

Diskussion um neues Straßenbahnnetz

2020 soll die Trasse durch den Dresdner Süden fertig sein. Die Busse zum Campus werden dann leerer, die Bahnen voller.

Von Jana Mundus, Julia Vollmer und Annechristin Bonß

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Die neue Straßenbahntrasse soll auch den Gustav-Adolf-Platz in Strehlen queren.
Die neue Straßenbahntrasse soll auch den Gustav-Adolf-Platz in Strehlen queren.

© DVB

  • Die neue Straßenbahntrasse soll auch den Gustav-Adolf-Platz in Strehlen queren.
    Die neue Straßenbahntrasse soll auch den Gustav-Adolf-Platz in Strehlen queren.

Es wird eng in Dresdens Straßenbahnen und Bussen. Mit Blick auf die neuesten Zahlen zur Einwohnerentwicklung rechnen Stadt und Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) im Jahr 2030 mit fast zwölf Millionen Fahrgästen mehr pro Jahr. Schon seit Jahren wird deshalb überlegt, wie die Linienführung durch die Stadt künftig aussehen muss und welche Straßenbahnlinien zusätzlich gebaut werden können, damit auch jeder neue Fahrgast einsteigen kann. Nun stellen Stadtverwaltung und DVB ihre aktuellen Pläne dafür in den Stadtteilen vor. Stadtbahn 2020 heißt das Vorhaben, in dem eine neue Trasse von Löbtau über die Nürnberger Straße, den Zelleschen Weg bis zum Haltepunkt Strehlen entsteht. 2022 könnte der Bau fertig sein. Einzelne Linien fahren dann anders. Doch die Reaktionen darauf fallen nicht nur positiv aus.

Plauen: Anwohner fordern eigene Straßenbahn in Richtung Zentrum

Gegen die neue Straßenbahntrasse von Löbtau nach Strehlen hat im Dresdner Süden niemand etwas. Von der Oskarstraße geht es zur Caspar-David-Friedrich-Straße, über den Zelleschen Weg, die Nürnberger Straße zur Nossener Brücke. Was viele Ortsbeiräte jedoch massiv stört: Die Pläne für eine Straßenbahnlinie von Plauen in Richtung Johannstadt sind erst einmal in weite Ferne gerückt. Die Stadt will zwar weiter Untersuchungen dazu durchführen. Wann und ob die Linie kommt, ist aber unklar. In ihrer Sitzung appellierten die Räte deshalb an die Stadt, die Pläne weiter im Blick zu haben. Für viele Bewohner des Stadtteils sei eine schnelle Verbindung in Richtung Innenstadt wichtig. Doch bisher fehlte dazu die Zusage von Land und Bund, den Bau finanziell zu unterstützen. Knackpunkt bleibt zudem die Chemnitzer Straße. Mit einer Straßenbahn wird es hier später sehr eng.

Cotta: Für Fahrgäste aus dem Westen könnte es eng in den Bahnen werden

Die Linie 7 aus Gorbitz gilt als einer der großen Zubringer für Dresdens Studenten. Viele von ihnen wohnen in dem Viertel. An der Tharandter Straße steigen sie in die Busse der 61 um. Schon lange ist diese Linie ausgelastet, teilweise im Abstand von wenigen Minuten fahren die Fahrzeuge. Mehr geht einfach nicht, haben die Planer der DVB immer wieder betont. Auch aus diesem Grund wird die neue Trasse gebaut. Dann können die Studenten mit der 7 nämlich von Gorbitz bis zum Nürnberger Platz ohne Umsteigen fahren. „Macht das nicht automatisch die Bahnen richtig voll?“, wollten die Ortsbeiräte in Cotta wissen. Die Antwort ist klar: „Ja, dort fahren künftig mehr Menschen mit“, sagt Andreas Hoppe, Verkehrsexperte der DVB. Allerdings können mit den neuen Linien generell 15 Prozent mehr Passagiere mitfahren. Die DVB rechnen mit 4 500 mehr pro Tag. Sollte es trotzdem eng in den Bahnen der 7 werden, könnten auch größere Fahrzeuge eingesetzt oder die Taktzeit verändert werden.

Blasewitz: Für die übervollen Busse durch Striesen gibt es keinen Ersatz

Die Buslinie 61 ist nicht nur entlang des TU-Campus übervoll. Dichtes Gedrängel herrscht auch in Striesen – vor allem nach Schulschluss und im Feierabendverkehr, erzählen die Blasewitzer Ortsbeiräte. Lange schon gibt es Pläne, wie diese Linie durch eine Straßenbahnlinie ersetzt werden kann. Die Ortsbeiräte stimmten nun dafür, zu prüfen, unter welchen Aspekten das möglich sei. DVB und Stadtverwaltung sollen untersuchen, wie viele Fahrgäste die Linie 61 zwischen Schillerplatz und dem Haltepunkt Strehlen tatsächlich nutzen, sagt Grünen-Ortsbeirat Florian Frisch. Eine schnelle Lösung für dieses Problem wird es wohl nicht geben. Denn trotz der Überlegungen zur Linie 14 durch Striesen fehlen konkrete Aussagen zur Finanzierung. Erst wenn auch Bahnen vom Wasaplatz über die Zwinglistraße zum Schillerplatz fahren, kann auf die 61 in diesem Abschnitt verzichtet werden.

Altstadt: Über den Endpunkt
der Linie 8 aus Hellerau wird diskutiert

Weil künftig mit den Linien 3, 7 und 9 viel mehr Bahnen zwischen Hauptbahnhof und Nürnberger Platz fahren, wird die Linie 8 nicht mehr benötigt. Die kommt aus Hellerau und fährt bisher in die Südvorstadt. Die neue Endhaltestelle könnte an der Gleisschleife Wallstraße sein. Doch noch scheinen die Planer der DVB nicht zufrieden mit dem Konstrukt zu sein. Sie wollen in den kommenden Jahren auswerten, wie viele Fahrgäste tatsächlich diese Linie nutzen. Beschlossen ist allerdings bereits, dass die Linie 8 nur noch alle 20 Minuten fährt – sobald der Abschnitt der neuen Trasse bis zum Nürnberger Platz fertig ist.

www.szlink.de/stadtbahn2020

Leser-Kommentare

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Insgesamt 33 Kommentare

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  1. Didi

    Wenn der Experte meint, in der Linie 7 wird es in Zukunft noch voller, bin ich echt froh, dass ich seit der Eröffnung des HP Bischofsplatz nicht mehr damit fahren muss.... Die S1 ist zwar auch nicht die leerste S-Bahn-Linie, aber es ist irgendwie viel entspannter, damit zu fahren, als mit der 7.

  2. Martin Schmidt

    Eins steht jetzt schon fest, wenn die Bahn von der Kesselsdorfer nach Strehlen fährt, wird es für alle Autofahrer entlang der Strecke Nossener Brücke, Nürnberger Straße, Zellescher Weg viel schlechter. Dabei ist das die letzte große Straßenverbindung, über die man in Dresden ohne große DVB-Behinderung durchkommt. Und wenn die Fahrgastzahlen steigen, wie wäre es mal mit einer U-Bahn? Die fährt dann völlig konfliktfrei durch die Stadt. Aber dafür sind wohl zu viele Kleingeister bei der DVB. Lieber noch ein paar Busse durch enge Wohngebietsstraßen jagen...

  3. Berg

    Die elektrische O-Bus-Linie wurde kurz nach dem Kriege eingerichtet und ca 30 Jahre betrieben. Dann hätte sie erneuert werden müssen, doch da waren Dieselbusse günstiger. Und so verschwand die elektrische Strecke. Nun soll sie als Straßenbahn wiederbelebt werden. Entlang der TU gehts ja noch, aber durch die Wohngebiete Striesens wird das ein Rückschritt: enge Straßen, scharfe Kurven Haltestelleninseln, Vorfahrt. - Lasst weiter die Busse fahren, rate ich. Aber mich fragt sowieso keiner.

  4. Max

    Auch wenn die bisherigen Kommentatoren anderer Meinung sind: diesem Konzept der Straßenbahn-Erweiterung kann ich nur zustimmen. Elektrische O-Busse wären ein neues aufwändiges System, was man nicht parallel betreiben kann, und Autos sind keine Alternative. Ja, der öffentliche Verkehr geht auf Kosten des Individualverkehrs, aber wenn man eine lebenswerte Stadt will, geht es nicht anders. Jetzt kann man nur die Daumen drücken, dass die DVB von der Stadt und dem Land die notwendigen Finanzmittel bekommen und das Ganze auch schnell umgesetzt werden kann.

  5. Mephistopheles

    ...drum besser wärs, wenn nichts entstünde!

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