Mittwoch, 27.02.2013

„Diesmal werden wir die Reise zu Ende bringen“

Ein australischer Millionär will die Titanic nachbauen. Für die Jungfernfahrt gibt es schon Tausende Nachfragen.

Von Chris Melzer

Bild 1 von 8

Kinder und Frauen zuerst: Die zeitgenössische Darstellung zeigt den Untergang des Luxusliners Titanic vor rund hundert Jahren. Foto: dpa
Kinder und Frauen zuerst: Die zeitgenössische Darstellung zeigt den Untergang des Luxusliners Titanic vor rund hundert Jahren. Foto: dpa

  • Kinder und Frauen zuerst: Die zeitgenössische Darstellung zeigt den Untergang des Luxusliners Titanic vor rund hundert Jahren. Foto: dpa
    Kinder und Frauen zuerst: Die zeitgenössische Darstellung zeigt den Untergang des Luxusliners Titanic vor rund hundert Jahren. Foto: dpa
  • Der australische Millionär Clive Palmer will eine exakte Kopie der Titanic bauen lassen – und damit in See stechen.
    Der australische Millionär Clive Palmer will eine exakte Kopie der Titanic bauen lassen – und damit in See stechen.
  • Alles soll genauso sein wie 1912 – nur, dass das Schiff wirklich in New York ankommen soll.
    Alles soll genauso sein wie 1912 – nur, dass das Schiff wirklich in New York ankommen soll.
  • Computergrafiken zeigen, wie das Schiff aussehen soll: Blick in ein Treppenhaus der Titanic II
    Computergrafiken zeigen, wie das Schiff aussehen soll: Blick in ein Treppenhaus der Titanic II
  • Blick in einen Speisesaal.
    Blick in einen Speisesaal.
  • Blick in das türkische Bad.
    Blick in das türkische Bad.
  • Auch der Fitnessraum ist dem Original nachempfunden.
    Auch der Fitnessraum ist dem Original nachempfunden.

Abergläubisch scheint Clive Palmer nicht zu sein. Der australische Millionär will eine exakte Kopie der Titanic bauen lassen – und damit in See stechen. Sogar die Route für die Jungfernfahrt kommt einem bekannt vor: von Southampton nach New York. Alles soll genauso sein wie 1912 – nur, dass das Schiff wirklich ankommt. „Diesmal werden wir die Reise zu Ende bringen“, sagt Palmer.

Dabei ist er nicht einmal der Erste, der auf den Gedanken einer Titanic II kam. Seit Jahrzehnten und erst recht seit dem Kinoknaller 1997 gibt es solche Pläne. Doch es war weniger die Frage, ob man ein Schiff wie damals bauen kann, obwohl sich bei Materialien und im Umweltschutz in der Zwischenzeit ein bisschen was getan hat. Die Hauptfrage war eher: Will man in einem schlechten Omen reisen?

Ja, will man, sagt jedenfalls James McDonald von der eigens gegründeten Blue Star Line. Das Interesse sei enorm, es gebe schon 40.000 Ticketanfragen, beteuerte der Marketingchef. 16 begeisterte Fans hätten sogar schon mehr als eine Million Dollar geboten, nur um auf der Jungfernfahrt dabei sein zu dürfen.

Mit dem Bau des Schiffes werde voraussichtlich noch in diesem Jahr in einer chinesischen Werft begonnen, hieß es gestern auf einer Pressekonferenz in New York. Ungefähr im Herbst 2016 könne das Schiff mit einer Kapazität für rund 2.500 Passagiere in See stechen – so der Plan.

Ohne Frage würden die Reisenden Luxus erleben. Aber auch moderne Technik. Denn so ganz originalgetreu wird die neue, 200 Millionen Dollar teure Titanic nicht werden. Klimaanlagen und Internet wird es ebenso geben wie Stabilisatoren gegen Seekrankheit. Das Schiff wird nicht genietet, sondern geschweißt und unter Deck müssen keine Heizer schuften, der Diesel fließt fast von allein in die modernen Motoren. Und: Es sind auch deutlich mehr Rettungsboote an Bord als damals. „Es wird das sicherste Kreuzfahrtschiff der Welt werden“, versichert Chef-Designer Markku Kanerva. Die Original-Titanic war 1912 bei ihrer Jungfernfahrt von Southhampton nach New York mit einem Eisberg kollidiert und gesunken. Rund 1.500 Menschen kamen dabei ums Leben.

Dennoch setzt Palmer auch auf Tradition. Ein Nachfahre des damaligen Reedereichefs Bruce Ismay ist ebenso im Boot wie die Urenkelin der kämpferischen Überlebenden Molly Brown („the Unsinkable Molly Brown“). Aber: Statt auf der legendären Harland-and-Wolff-Werft in Belfast gebaut zu werden, ist das Schiff „Made in China“.

Palmer ist weit davon entfernt, ein stiller Unternehmer zu sein. Er meldet sich gern zu Wort, ob in der Politik, mit neuen Ideen oder umstrittenen Ansichten („Greenpeace wird von der CIA bezahlt“). Andererseits ist er aber auch ein äußerst großzügiger Spender und schüttet Millionen für seine Mitarbeiter aus, inklusive Dutzender Mercedes-Limousinen zu Weihnachten. Reich, rastlos und laut – ein bisschen ist der 58-Jährige die australische Ausgabe von Donald Trump.

Der Bergbau- und Tourismus-Unternehmer wird immer ein bisschen belächelt. Aber Kenner hüten sich davor, den Australier zu unterschätzen. „Da ist so etwas wie widerwilliger Respekt für ihn“, sagte Professor Jason West der „New York Times“. „Es ist sehr schwer, ihn und sein Imperium richtig einzuschätzen. Aber er hat einen Blick für Profit, kein Zweifel.“

So schätzt sich der Australier wohl auch selbst ein. „In meinem Alter macht man sich nicht mehr so große Gedanken, ob man nun Geld macht oder Geld verliert oder was auch immer“, sagt der 58-Jährige über seine Titanic-Idee . „Aber ich bin mir sehr sicher, dass es eine Goldmine werden wird.“ Im Gegensatz zu einer anderen Idee: Sein Plan, wieder Zeppeline für Reisen zu bauen, scheiterte grandios.

Eine zweite Titanic gab es übrigens schon mal – allerdings nur auf DVD. In der seltsamen Low-Budget-Produktion „Titanic II – Die Rückkehr“ aus dem Jahr 2010 gab es auch einen etwas schrulligen Millionär, der sich den Wunsch von der wiedergeborenen Schiffslegende erfüllte. Die Titanic II rammte aber nicht einfach einen Eisberg, er wurde von einem Tsunami in ihre Bordwand gebohrt. Fast alle an Bord starben – auch der Millionär. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.