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Dienstag, 10.04.2018

Diebe stehen auf Audi, BMW und VW

In der Liste der Oberlausitzer Tatorte rangiert Zittau auf Platz zwei. Jeden sechsten Klau konnte die Polizei aufklären.

Von Tilo Berger

Dieses Foto ist natürlich gestellt, welcher Langfinger lässt sich schon in Aktion fotografieren. 531 Fahrzeuge wurden 2017 in der Oberlausitz gestohlen, davon allein 71 in Zittau. Beim Kampf gegen den Autoklau ist die Polizei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.
Dieses Foto ist natürlich gestellt, welcher Langfinger lässt sich schon in Aktion fotografieren. 531 Fahrzeuge wurden 2017 in der Oberlausitz gestohlen, davon allein 71 in Zittau. Beim Kampf gegen den Autoklau ist die Polizei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.

© dpa

In der Oberlausitz wurden 2017 wieder mehr Fahrzeuge gestohlen als in den Jahren zuvor. Laut einer Statistik der Polizeidirektion Görlitz schlugen Diebe im vergangenen Jahr insgesamt 531-mal zu. Dazu kamen 275 Fälle, bei denen ein Diebstahl im Stadium des Versuches scheiterte. 2016 hatte die Polizei 409 Fahrzeugdiebstähle und 189 Versuche gemeldet. 2015 hatten Langfinger 509 Mal Erfolg, 271 Mal scheiterten sie.

In der Liste der 2017er Tatorte rangiert Zittau mit 109 Fällen, davon 45 Versuchen, auf Platz zwei nach der Kreisstadt Görlitz mit 124 Diebstählen und 53 Versuchen. Nach Zittau folgen Hoyerswerda, Weißwasser, Bautzen und Bad Muskau.

Damit liegt die Oberlausitz nicht im Sachsen-Trend. Im ganzen Freistaat wurden 2017 weniger Fahrzeug gestohlen als in den Vorjahren.

Die Langfinger hatten es 2017 besonders auf Pkws der Marken Volkswagen, Audi, Skoda, BMW und Mazda abgesehen. „Hierbei nutzen die Diebe auch immer häufiger Sicherheitslücken, die schlüssellos betriebene Fahrzeuge mit sich bringen“, heißt es in der Bilanz der Polizei. „Hier ist jeder Autobesitzer aufgefordert, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen zu treffen, um sein Hab und Gut zu schützen.“

Bei der Suche nach den Tätern stößt die Polizei immer wieder auf das gleiche Problem: Die Diebe kommen meist nachts, ihr Werk wird aber in der Regel erst morgens bemerkt. Doch da sind die gestohlenen Fahrzeuge meist längst schon irgendwo im Ausland – was aufgrund der Grenznähe in den Orten zwischen Zittau und Bad Muskau noch schneller geht als beispielsweise bei in Bautzen oder Hoyerswerda geklauten Autos.

Etwa jeden sechsten Fahrzeugklau – genau 16,5 Prozent – konnte die Polizei 2017 aufklären. Die Direktion in Görlitz führt das zum einen auf die eigenen Ermittlungen zurück, zum anderen aber auch auf die enger gewordene Zusammenarbeit mit der polnischen und tschechischen Polizei.

Außerdem konnte die gemeinsame Fahndungsgruppe Bautzen der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz und Bundespolizeiinspektion Ebersbach im vergangenen Jahr 50 als gestohlen gemeldete Kraftwagen sicherstellen. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um Pkws oder Kleintransporter, die in anderen Regionen Sachsens, anderen Bundesländern oder dem europäischen Ausland entwendet wurden.

Mehr Einbrüche in Garagen

Auch in Zukunft setzt die Polizeidirektion Görlitz auf die gemeinsamen Fahndungsgruppen Bautzen und Neiße, die sie seit Jahren mit der Bundespolizeidirektion Pirna sowie mit der Wojewodschaftskommandantur der polnischen Polizei in Wroclaw (Breslau) betreibt. Die Fahndungsgruppe Bautzen überwacht dabei vor allem die überregionalen Verkehrswege, also die Autobahn und Bundesstraßen. Die Fahndungsgruppe Neiße wiederum ermittelt beiderseits des Grenzflusses zu Täterstrukturen sowie Verstecken und Absatzmärkten gestohlener Güter. Dabei zahlt sich der intensive Austausch mit den polnischen Ermittlern aus. Als „Schlüssel für erfolgreiche polizeiliche Arbeit“ bezeichnet die Görlitzer Direktion auch die Sprachkompetenz der Beamten: Sie könnten sich sowohl in deutscher als auch in polnischer oder tschechischer Sprache verständigen.

Neben mehr Fahrzeugdiebstählen registrierte die Polizei 2017 auch mehr Einbrüche in Garagen im Oberland. Die Ermittlungsgruppe „Garage“ fand heraus, dass die Täter oftmals aus dem Drogenmilieu kommen. Sie leben auf tschechischer Seite in der Region Varnsdorf, Jirikov, Sluknov und Ceska Lipa. Für ihre Beutezüge nutzen sie oft Fahrzeuge, die ihnen von Dritten zur Verfügung gestellt werden. Und sie nutzen meist die Abgelegenheit und nächtliche Ruhe der Tatorte sowie insbesondere die bauliche Substanz von Garagen aus DDR-Zeiten. Bei der Aufklärung dieser Taten ist die Polizei ganz besonders auf Hinweise aus der Bevölkerung zu verdächtigen Fahrzeugen und Personen angewiesen. Polizeipräsident Torsten Schultze bezeichnet die Bekämpfung von Einbrüchen und Diebstählen als „strategischen Schwerpunkt“ seiner Direktion. „Die Situation entlang der Neiße, aber auch im Oberland beobachten wir nicht nur genau – wir sind auch jeden Tag und jede Nacht dort im Einsatz. Unsere uniformierten und die auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennenden zivilen Streifen kontrollieren etliche Personen sowie Fahrzeuge.“