Dienstag, 29.03.2005
Die Wiedergeburt einer Hasse-Oper als Soap
DRESDEN - Es gab was zu feiern am Ostersonnabend in der Semperoper, und das Publikum feierte gern mit: 274 Jahre nach der Uraufführung stand erstmals wieder „Cleofide“ im Rampenlicht.
Cleofide (Maria Bayo, r.) hat vor allem gegen ihren eifersüchtigen Geliebten Poro (l.) zu kämpfen. Foto: Matthias Rietschel
Die wieder entdeckte Oper des früheren Dresdner Hofkapellmeisters Johann Adolf Hasse (1699-1783) hatte einst den Ruf Dresdens als Opernmetropole begründet. Klar, dass sich die Staatskapelle besonders ins Zeug legte, um dem barocken Kleinod wieder Leben einzuhauchen.
Leichtigkeit und Schwung schienen sich direkt vom Dirigenten Alessandro De Marchi auf das Orchester zu übertragen. Der Maestro hüpfte im Graben auf und nieder, und ebenso dynamisch klang’s über die Rampe.
Für den durchschnittlichen Opernbesucher dürfte das Werk dennoch nicht ganz einfach zu konsumieren sein. Das beginnt mit der Rollen-Besetzung. Seinerzeit war die Musiktheaterbühne selbstverständlich Frauen und Kastraten zugedacht. Heute mutet es dagegen seltsam an, wenn Alexander der Große mit der Attitüde des Welteroberers auftritt und dabei seine Stimme in höchste Countertenor-Höhen erhebt. Doch darauf stellt sich der Musikfreund noch recht schnell ein.
Komplizierter wird es, der Handlung dieser Oper etwas abzugewinnen. Die Heldin Cleofide ist ein Musterexemplar einer von Liebe, Treue und Patriotismus beseelten Frau. Als indische Königin setzt sie alle Weiberlist ein, dem griechischen Eroberer Alessandro das Interesse an ihrem Land auszutreiben. Als liebende Frau lässt sie nichts unversucht, ihren vor Eifersucht tobenden König Poro von ihrer Treue zu überzeugen. Am Ende siegt der Edelmut auf ganzer Linie.
Das kann man nur als Seifenoper verpackt vermitteln, wird sich Regisseurin Karoline Gruber gedacht haben. Im entsprechend billig-verkitschten Ambiente mit der obligatorischen Sesselgruppe und mit Pos-tern beklebten Wänden (Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann, Kostüme: Henrike Bromber) treffen die Figuren aufeinander. Entsprechend gezielt belanglos ist ihr Agieren, was das Spiel für den Zuschauer vielleicht etwas erträglicher, aber nicht überzeugender macht.Unbenommen davon bleibt das musikalische Erlebnis, an dem die Spanierin Maria Bayo in der Titelpartie und der britische Countertenor David Cordier als Alessandro herausragenden Anteil hatten. Viele Bravos.
Empfehlung - Die Wiedergeburt einer Hasse-Oper als Soap
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