Donnerstag, 17.01.2013

Die Welt wartet auf Armstrongs Beichte

Der Ex-Profi fürchtet offenbar noch höhere Schadenersatzforderungen. Wie so oft bot er Geld an.

Von Manuel Schwarz und Andreas Zellmer

Dunkle Wolken ziehen am Radsport-Himmel auf. Armstrongs Dopingbeichte könnte den Weltverband UCI tief in den Skandalstrudel mitreißen.
Dunkle Wolken ziehen am Radsport-Himmel auf. Armstrongs Dopingbeichte könnte den Weltverband UCI tief in den Skandalstrudel mitreißen.

©dpa

Trotz Rücktritt, Sperre, Demontage und offenbar auch seiner ersten Dopingbeichte hat Lance Armstrong den Radsport immer noch im Griff. Mit seiner Aussage könnte der des Dopings überführte Texaner, einst Superheld der Branche und mittlerweile im verzweifelten Kampf um sein ramponiertes Image, das ganze System zum Einsturz bringen. „Die Spitze des Radsports wackelt“, meinte die italienische „Gazzetta dello Sport“ für den Fall, sollte Armstrong dem Weltverband UCI jahrelange Doping-Mitwisserschaft und Vertuschung nachweisen können.

Millionen Fans, Fahrer und Funktionäre weltweit warten gespannt auf die Ausstrahlung von Armstrongs Interview mit US-Talk-Ikone Oprah Winfrey heute und Freitag (Ortszeit). Was der tief gefallene Sportler preisgeben wird, wird immer noch geheim gehalten.

US-Behörden lehnen ab

Gestern wurde bekannt, dass Armstrong versucht haben soll, für ihn weitere gefährliche Entwicklungen abzuwehren – wie so oft mit großzügigen Geld-Angeboten. Er habe den US-Behörden einem Bericht zufolge die Rückzahlung von mehr als fünf Millionen Dollar angeboten, um noch wesentlich größeren Schadensersatzforderungen vorzubeugen. Wie der TV-Sender CBS berichtete, habe er dem Justizministerium auch seine Kooperation als Zeuge angeboten. Allerdings habe das Ministerium laut CBS beide Angebote als „unangemessen“ ausgeschlagen. Auch wenn frühere Weggefährten des Texaners in der Show noch ungeschoren davonkommen – das Insider-Wissen Armstrongs hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche. An Reue in Armstrongs Geständnis glaubt ohnehin niemand. Der aus Cottbus stammende Radprofi Tony Martin erwartet dagegen schwere Verwerfungen für den gesamten Radsport.

Martin erwartet „Urknall“

„Es wird wieder ein Urknall werden“, sagt der Zeitfahr-Weltmeister. „Ich denke, dass der öffentliche Druck so groß geworden ist, dass er das Bedürfnis hat, reinen Tisch zu machen und mit den ganzen Schandtaten ans Licht zu kommen.“

Nach Kritik von Anti-Doping-Behörden steht die UCI mit dem umstrittenen Präsidenten Pat McQuaid und seinem Vorgänger Hein Verbruggen schon jetzt mit dem Rücken zur Wand. Der Niederländer, der Intimus von Armstrong war, dem Weltverband bis 2005 vorstand und immer noch im Hintergrund die Fäden zieht, wähnt sich dagegen unantastbar. „Ich stehe weit über diesem Geschwätz, auch wenn das alles sehr negativ für mich ist“, sagte er in einem im Dezember geführten Interview der Zeitschrift „De Muur“.

„Es gab nie Korruption, Armstrong hat nie jemanden innerhalb der UCI bezahlt. Alle Bücher werden das beweisen“, betonte das Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Dabei hatte Armstrong der UCI vor gut zehn Jahren 125.000 Dollar gespendet. Laut US-Behörde liegt der Verdacht nahe, er habe sich damit für einen vom Verband vertuschten positiven Dopingtest revanchiert. (dpa)

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