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Donnerstag, 30.04.2009

Die Welt der Industriespionage

Clive Owen und Julia Roberts als Agenten in „Duplicity - Gemeinsame Geheimsache“

Von Christina Wittich

Kaum etwas wirkt erbärmlicher, als zwei älteren, untrainierten Herren in edlen Anzügen beim Prügeln zuzusehen. In „Duplicity“ kostet Tony Gilroy diesen Moment aus. Mit jeweils einer Handvoll Anwälte treffen sich auf einem Hangar die Industriellen Howard Tully (Tom Wilkinson) und Richard Garsick (Paul Giamatti), um dann nicht miteinander zu reden, sondern auf dem regennassen Beton aufeinander loszustürzen und sich an die teuren Kragen zu gehen. Gilroy zeigt diesen Kampf der Hygienemittelhersteller in Zeitlupe: jeden Stolperer, jeden verfehlten Schlag, jedes Rutschen, die verzerrten Gesichter und die rasende Wut.

Die Gründe für diesen Hass heißen Ray Coval und Claire Stenwick, sehen verdammt gut aus, halten sich für äußerst smart und werden gespielt von Clive Owen und Julia Roberts. Ein Agenten-Dream-Team, das gern in Luxus alt werden würde, aber nicht erst nach der Rente. Zeitnah lässt sich dieses Ziel als Angestellter in Staatsdiensten nicht erreichen. Darum kündigen Claire und Ray ihre Jobs beim CIA und dem britischen MI6, und versuchen ihr Glück in der lukrativen Welt der Industriespionage. Beide arbeiten für Garsick. Claire als Maulwurf in Tullys Abwehr, Ray als Aushilfsbond in Garsicks Spionageabteilung. Als Tully behauptet, ein Mittel gegen Haarausfall gefunden zu haben, wollen die Agenten gemeinsam alle anderen übers Ohr hauen und trauen dabei nicht einmal dem eigenen Partner.

Regisseur und Autor Gilroy bleibt nach seinem Oscar-nominierten „Michael Clayton“ und der Arbeit als Autor der „Bourne“-Reihe dem Suspense treu. Seine zweite Regiearbeit aber hat weniger von einen Thriller, dafür mehr von einer amerikanischen Screwball-Komödie der 1940er-Jahre: schneller Wortwitz und eine temporeiche, hakenschlagende Handlung. Die Geschichte um Claire und Ray und ihren unschlagbaren Plan blättert der Regisseur in farbenfrohen Postkartenansichten als Rückblenden vor dem Zuschauer auf. Man begegnet einander in Dubai, trifft sich wieder in Rom, hat Heimlichkeiten in London und Miami, will weg aus Cleveland, arbeitet in New York und endet in Zürich.

„Duplicity“ wäre gern so cool wie „Ocean’s Eleven“. Dafür fehlen ihm aber noch ein paar gute Freunde und eine wirklich lückenlose Handlung. Hingerissen von seinen beiden Hauptdarstellern und den vielen Zeitsprüngen verliert Tony Gilroy gern mal die Logik aus dem Blickfeld und lässt unnötigerweise ein paar Fragen offen. Warum, zum Beispiel, müssen in Zeiten mobiler Kommunikation ausgerechnet Kopierer angezapft und dann umständlich gesucht werden? Wirklich Sinn macht das nicht. Soll wohl die Spannung steigern. Wenigstens entschädigt die nicht übermäßig überraschende, aber konsequente Auflösung der Geschichte. Denn am Ende sitzt ein desillusioniertes Agentenpaar im Luxushotel und bedauert sich selbst. „Wir haben ja noch uns“, sagt Ray. „So schlimm ist es?“, fragt Claire. Es könnte wirklich schlimmer sein.

Duplicity - Gemeinsame Geheimsache - Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg