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Mittwoch, 15.11.2017

Die Vermessung des Waldes

Für die Bewirtschaftung des Zittauer Stadtwaldes wird ein neuer Plan erstellt. Dafür müssen viele Daten gesammelt werden.

Von Mario Sefrin

Walter Reinhardt von Sachsenforst, Forsteinrichter Jens Poschmann und der Jonsdorfer Revierförster Matthias Forgber (v.li.) zeigen im Wald bei Jonsdorf, was unter anderem für die Forsteinrichtung erfasst wird. Dieser Plan ist dann Grundlage für die Arbeit des Forstbetriebes.
Walter Reinhardt von Sachsenforst, Forsteinrichter Jens Poschmann und der Jonsdorfer Revierförster Matthias Forgber (v. li.) zeigen im Wald bei Jonsdorf, was unter anderem für die Forsteinrichtung erfasst wird. Dieser Plan ist dann Grundlage für die Arbeit des Forstbetriebes.

© Matthias Weber

Zittau. Da hat Jens Poschmann, Forsteinrichter von der Firma Götze aus Nordhausen, aber mal ordentlich Unterstützung bekommen. Fürs Foto des SZ-Fotografen gesellen sich auch Walter Reinhardt vom Staatsbetrieb Sachsenforst und der Jonsdorfer Revierförster Matthias Forgber zu Poschmann in den Wald am Strümpfeweg bei Jonsdorf. Normalerweise steht Jens Poschmann allein zwischen all den Bäumen – und erfasst viele Daten zum Zittauer Stadtwald. Daten, die allesamt in die Forsteinrichtung einfließen, die ab 1. Januar 2018 gelten soll.

Die Forsteinrichtung ist der Zehn-Jahres-Plan für den Forstbetrieb der Stadt Zittau, eine Richtschnur dafür, wie der Wald in den nächsten Jahren bewirtschaftet werden soll. Für den Wald der Stadt Zittau, die mit rund 4300 Hektar drittgrößter kommunaler Waldbesitzer in Sachsen ist, läuft derzeit die dritte Forsteinrichtung seit der Wende. Und 82 Prozent der Arbeiten sind bereits geschafft: „Über 1300 Waldgebiete sind bereits untersucht“, sagt Walter Reinhardt, Referent für Forsteinrichtung beim Staatsbetrieb Sachsenforst und für den Zittauer Stadtwald zuständig. Reinhardt rechnet mit insgesamt rund 1500 Waldgebieten, die im Zittauer Stadtwald für die Forsteinrichtung untersucht werden müssen.

Seit April und bis Ende dieses Jahres sind darum Jens Poschmann und ein Kollege als zuständige Forsteinrichter im Zittauer Gebirge sowie im Königsholz bei Oderwitz, im Wittgendorfer Holz, im Neuschönauer Busch sowie im südlichen Teil des Neißetals unterwegs. Dort erfassen sie die vorkommenden Baumarten, deren Alter, Höhe sowie die Bestandsgrundfläche. „Aus diesen Angaben kann dann der Holzvorrat errechnet werden“, sagt Walter Reinhardt. Die gesammelten Daten werden in ein Computerprogramm eingegeben, wo sie mit einer ganzen Reihe weiterer Informationen zusammentreffen, unter anderm zum Klima, zu Boden und Wasserhaushalt oder zu Naturschutzgebieten zusammenkommen. Daraus entwickeln die Forsteinrichter in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb der Stadt Zittau konkrete Planungen für den Waldbestand. Und auch wenn die Datenerhebung für den gesamten Stadtwald noch nicht abgeschlossen ist, zeichnen sich für die Forstexperten schon jetzt Handlungsschwerpunkte für die kommenden Jahre ab.

So gibt es einen sehr hohen Anteil alter Fichtenbestände zwischen 80 bis 100 Jahren. Diese Bestände nehmen etwa ein Drittel der Gesamtfläche des Stadtwalds ein. „Hier ist eine Verjüngung das Ziel“, sagt Walter Reinhardt. Außerdem soll es in Berglagen künftig Mischbestände aus Buchen, Fichten, Bergahorn und Weißtannen geben. Auch der Waldumbau wird im Zittauer Stadtwald weiterhin eine große Rolle spielen, so Reinhardt. „Ein Teil der Fichtenbestände wächst auf ungeeigneten Standorten und ist dadurch anfällig gegen Sturm“, sagt der Sachsenforst-Referent. Außerdem seien die Fichten an diesen Standorten anfällig gegenüber Borkenkäfern und Stammfäule. Hier sollen künftig unter anderem Eichen Abhilfe bringen. Damit kehrt eine Baumart in den Zittauer Stadtwald zurück, die einst hier herrschte. „der Eichenanteil lag früher im Stadtwald bei über 90 Prozent“, weiß Forstbetriebsleiterin Angela Bültemeier. Erst mit Beginn der Forstnutzung seien im Stadtwald viele Fichten gepflanzt worden.

Auch an die Erholungsfunktion des Stadtwaldes sowie dessen touristische und sportliche Nutzung soll künftig verstärkt gedacht werden, so Reinhardt. Dabei gelte es aber, die Herausforderung der intensiven touristischen Nutzung mit der waldbaulichen Planung in Einklang zu bringen.

Für den Zittauer Forstbetrieb haben die bisherigen Untersuchungen keine Überraschungen erbracht. „Die Ergebnisse stimmen größtenteils mit unserenerkenntnissen überein“, sagt der Jonsdorfer Revierförster Matthias Forgber. Trotzdem muss die Forsteinrichtung nun erst einmal fertiggestellt werden. Ist das geschehen, bekommt die Stadt Zittau diese ausgehändigt und der Stadtrat muss sie beschließen. Danach kann der Forstbetrieb damit arbeiten.