erweiterte Suche
Montag, 02.10.2017

Die Uhr steht auf fünf vor Zwölf

Der Dobraer Unternehmer Wolfgang Hausdorf hat einen wichtigen Turm des Neuen Lagers gerettet – und eine neue Bestimmung für ihn gefunden.

Von Nicole Preuß

Bild 1 von 2

Wolfgang Hausdorf eröffnete schon vor einigen Tagen den neuen Pavillon am ehemaligen Zugang zum Neuen Lager. Das Türmchen, das wieder verwendet wurde, schmückte einst das Wachgebäude. Der Postkartenauszug zeigt das inzwischen abgerissene Gebäude um 1915.
Wolfgang Hausdorf eröffnete schon vor einigen Tagen den neuen Pavillon am ehemaligen Zugang zum Neuen Lager. Das Türmchen, das wieder verwendet wurde, schmückte einst das Wachgebäude. Der Postkartenauszug zeigt das inzwischen abgerissene Gebäude um 1915.

© Matthias Schumann

  • Wolfgang Hausdorf eröffnete schon vor einigen Tagen den neuen Pavillon am ehemaligen Zugang zum Neuen Lager. Das Türmchen, das wieder verwendet wurde, schmückte einst das Wachgebäude. Der Postkartenauszug zeigt das inzwischen abgerissene Gebäude um 1915.
    Wolfgang Hausdorf eröffnete schon vor einigen Tagen den neuen Pavillon am ehemaligen Zugang zum Neuen Lager. Das Türmchen, das wieder verwendet wurde, schmückte einst das Wachgebäude. Der Postkartenauszug zeigt das inzwischen abgerissene Gebäude um 1915.

Großenhain. Das Türmchen kommt vielen bekannt vor. Der Aufsatz aus grauem Blech mit der gefällig geformten Haube scheint nur neuer zu sein. Man hat ihn dunkler in Erinnerung. Das Türmchen auf dem Wach- und Postgebäude am Eingang an der Hoyerswerdaer Straße war einst so etwas wie das Aushängeschild des Truppenübungsplatzes. Schon zu Kaiserszeiten wurde das Motiv hundertfach als Postkarte verschickt. Doch mit dem Abriss der Wachgebäude-Reste vor zwei Jahren verschwand auch das Türmchen. Jetzt ist es wieder zu sehen.

Der Unternehmer Wolfgang Hausdorf, der einen Teil des Geländes des ehemaligen Neuen Lagers für seinen Betrieb nutzt und sich mit seinen Helfern um die Sanierung des alten Offizierskasinos kümmert, hat dieses Türmchen gerettet und einen Pavillon an der Stelle bauen lassen, an der früher, die alten Eingangsgebäude standen.

Der Pavillon soll an die frühere Nutzung des Areals erinnern und eine Rastmöglichkeit für müde Spaziergänger sein. „Er könnte ein Eingangstor zum Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide werden“, sagt Wolfgang Hausdorf. Der Unternehmer könne sich vorstellen, einen alten Lageplan des Neuen Lagers und Bilder der abgerissenen Gebäude in diesem Unterstand zu zeigen. Dazu sei er schon im Gespräch mit der Stadt. „Wir könnten alles mit Fotos dokumentieren.“

Der Unterstand an sich ist aber auch schon selbst eine Art Dokumentation. Viele Materialien wurden schon einmal verwendet. „Wir haben nur den Turm neu verblecht“, sagt Wolfgang Hausdorf. Die Dachziegel blieben übrig, als er und seine Helfer das Dach des Offizierskasinos teilweise neu deckten. Das Ziegelpflaster stammt auch aus abgerissenen Gebäuden des ehemaligen Neuen Lagers. Und der Eingang zum Pavillon liegt fast genau an der Stelle, an der früher die Soldaten ins Wach- und Postgebäude gingen. „Der Zugang stimmt zu 80 Prozent überein“, sagt Wolfgang Hausdorf.

Die Uhr zeigte natürlich einmal die Zeit an, jetzt ist sie scheinbar auf fünf Minuten vor zwölf Uhr stehengeblieben. Das hat durchaus symbolische Bedeutung. „Für das Kasino war es fünf vor zwölf“, sagt Wolfgang Hausdorf. „Vielleicht auch schon fünf nach zwölf, es war auf alle Fälle höchste Zeit.“ Das Uhrenwerk selbst konnte von der privaten Initiative nicht mehr in Gang gebracht werden, also einigte man sich auf diese Uhrzeit. Ein weiteres Türmchen hat Wolfgang Hausdorf ebenfalls noch retten können. Das soll auch einen neuen Platz bekommen, auf einem neuen Pavillon neben dem alten Offizierskasino.