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Mittwoch, 11.04.2018

Die Treppe ruft

Am vorletzten Aprilwochenende treten wieder viele Läufer beim Treppenmarathon an. Manche kommen vom anderen Ende der Welt nach Radebeul.

Von Nina Schirmer

Zum 14. Mal organisiert Ulf Kühne gemeinsam mit seinen Helfern den Treppenmarathon. Mittlerweile geht der Radebeuler nicht mehr selbst an den Start. Viel zu tun hat er trotzdem.
Zum 14. Mal organisiert Ulf Kühne gemeinsam mit seinen Helfern den Treppenmarathon. Mittlerweile geht der Radebeuler nicht mehr selbst an den Start. Viel zu tun hat er trotzdem.

© Arvid Müller

Radebeul. Hundertmal die Spitzhaustreppe hoch- und runterzurennen, dabei 8 848 Höhenmeter zu bewältigen – die Höhe des Mount Everests – ist für sich allein schon beeindruckend und verrückt zugleich. Noch extremer wird es, wenn die Läufer vor dem Start schon eine Reise um den halben Globus hinter sich haben. So wie im letzten Jahr der Japaner Hiroshi Ando. Er kam direkt vom Flughafen an die Spitzhaustreppe und absolvierte den Extremlauf, ohne sich den Jetlag anmerken zu lassen.

Auch in diesem Jahr haben sich wieder Starter aus der ganzen Welt angemeldet. Eine Läuferin kommt aus Neuseeland nach Radebeul, um am 21. April beim Treppenmarathon zu starten. Bei den Männern ist ein Starter aus den USA dabei. Andere Teilnehmer kommen aus Dänemark, Schottland, Frankreich und weiteren europäischen Ländern.

Seit Anfang des Jahres ist der inzwischen 14. Treppenmarathon bereits ausgebucht. Die Organisatoren Ulf Kühne und Peter Heilsberg müssen die Startnummern limitieren. Sonst würde es zum Stau auf der Spitzhaustreppe kommen. Weil die Nachfrage so groß war, wurden in diesem Jahr aber noch einmal zehn Starter mehr zugelassen. 95 Einzelläufer, 27 Dreierseilschaften und sechs Touristenstaffeln werden antreten.

Die Alleingänger haben wie immer die härteste Aufgabe vor sich. Mindestens hundert Runden müssen sie laufen und damit 84,4 Kilometer zurücklegen. Manche machen freiwillig noch mehr und rennen insgesamt 24 Stunden lang auf der Treppe. Unter ihnen sind in diesem Jahr 13 Frauen und 82 Männer. Ihr Ziel: den eigenen Körper schinden und an den Rand des Machbaren bringen. Das ist die Herausforderung, die sie antreibt. Ulf Kühne kennt dieses Gefühl. Er organisiert den Treppenmarathon von Anfang an, war früher selbst bei vielen Extremläufen am Start. Der Zugspitz Ultratrail und der Ultra-Trail du Mont-Blanc waren nur zwei Stationen.

Inzwischen ist der Radebeuler etwas ruhiger geworden. Doch auch die Organisation des Treppenmarathons kostet viel Kraft. Am Laufwochenende selbst schläft er so gut wie gar nicht. Auch in der Nacht bleibt er an der Strecke. Unterstützt wird Kühne von einem Helferteam mit rund 50 Leuten. „Das läuft alles sehr gut“, sagt der Radebeuler. Auch die Zusammenarbeit mit Sanitätern und der Stadt.

Neben all dem Sportlichen ist Ulf Kühne noch ein anders Anliegen wichtig. Die Lauforganisatoren setzen sich für ein Bildungsprojekt in Nepal ein. Als Ausrichter des Mount-Everest-Treppenmarathons fühlen sie sich mit dem Volk am Fuße des größten Berges der Welt indirekt verbunden. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern und ist nicht zuletzt seit den schweren Erdbeben 2015 auf Hilfe von außen angewiesen. Der Verein Friends-of-Children-Nepal e.V. verhilft Kindern und ihren Familien aus ländlichen nepalesischen Gebieten zu Bildung. Eine Bildungspatenschaft für ein Kind kostet 20 Euro im Jahr und ermöglicht dem Kind den Schulbesuch. Die Laufveranstalter freuen sich über Spenden an den Verein. Und natürlich auch über viele Zuschauer, die am 21. und 22. April an die Spitzhaustreppe kommen und die Läufer kräftig anfeuern. Der Startschuss fällt am Sonnabend um 16 Uhr.

www.treppenmarathon.de

www.foc-nepal.de