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Samstag, 05.11.2016

Die SZ mit dem Wörterbuch lesen?

Sie schreiben in Ihrer Kolumne vergangene Woche von „Sachsen-Bashing“. Warum? Müssen wir alles von den Altbundesländern übernehmen? Ich musste mir das Wort erst übersetzen lassen. Brauche ich nun für die SZ ein Wörterbuch? Warum schreiben Sie nicht „Sachsenkritik“? Das würde jeder verstehen. MfG, Marika Neugebauer

Sehr geehrte Frau Neugebauer,

Asche auf mein Haupt: „Sachsen-Bashing“ hätte ich mir sparen und über die „Kritik an den Sachsen“ schreiben können. Warum ich es dennoch tat? Weil der Begriff „Bashing“ mehr bedeutet als nur Kritik: Da setzt es unentwegt Hiebe – und so ganz genau wird nicht mehr hingeschaut, ob die noch berechtigt sind. Eine deutsche Entsprechung für diesen Inhalt ist mir auf Anhieb nicht eingefallen. Ich nehme mal an, dass treue Leser in den nächsten Tage einige ernsthafte Vorschläge unterbreiten werden ...

Prinzipiell, liebe Frau Neugebauer, haben Sie recht: Unsere Leser sollen die Sächsische Zeitung ohne Wörterbuch lesen können. Eine verständliche Sprache ist für jede Zeitung wichtig. Dazu gehört, mit Fremdwörtern sparsam umzugehen. Eine Zeitung hat aber auch zu berücksichtigen, dass neben ihren Lesern, die nie Englisch gelernt haben, jüngere nachgewachsen sind, für die Begriffe wie „Bashing“ längst zur Umgangssprache gehören. Sie würden es ganz eigenartig finden, wenn ihre Zeitung sie umständlich übersetzen würde.

Ganz auf Fremdwörter zu verzichten ist sowieso unmöglich. Sprache ist lebendig, sie verändert sich. Dazu gehört, dass immer wieder neue Begriffe in den Duden aufgenommen werden. Oft sind es Begriffe aus der digitalen Welt, die E-Mail zum Beispiel. Klar könnten wir auch „elektronische Post“ schreiben. Aber ist das sinnvoll, wenn „E-Mail“ kürzer ist, der Begriff weltweit genutzt wird und ihn jeder kennt? Natürlich nicht. Deshalb ist jeder, der für die SZ schreibt, aufgefordert, für jüngere wie für ältere Leser verständlich zu sein. Das ist gar nicht einfach – funktioniert aber so gut, dass unsere Leser meistens ohne Wörterbücher und diverse Lexika klarkommen.

Und wenn doch mal ausnahmsweise ein Begriff auftaucht, den Sie, liebe Frau Neugebauer, nicht kennen, dann ist es nicht so verkehrt, mal nachzuschlagen. Wir lernen alle nicht aus. Und Ihre Enkel werden beim nächsten Besuch staunen, was Sie so draufhaben.

Ihr Olaf Kittel

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