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Freitag, 06.10.2017

Die Suche nach dem guten Geschmack

Heike und Matthias Quendt wollen von Freital aus die Lebensmittelindustrie revolutionieren – und haben erste Erfolge.

Von Tobias Winzer

Matthias Quendt (l.) und seine Frau Heike haben ihr Unternehmen Quendt Innovation Ende 2015 in Freital gegründet. Neben Bäcker Sebastian Pietsch haben sie noch zwei weitere Mitarbeiter.
Matthias Quendt (l.) und seine Frau Heike haben ihr Unternehmen Quendt Innovation Ende 2015 in Freital gegründet. Neben Bäcker Sebastian Pietsch haben sie noch zwei weitere Mitarbeiter.

© Andreas Weihs

Freital. Die Zukunft beginnt manchmal in der Rührschüssel. Da sind sich Heike und Matthias Quendt sicher. „Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich gerade grundlegend“, sagt Heike Quendt und spricht von einem Trend hin zur mobilen Ernährung. Das fängt bei den Zutaten an und hört bei der Verpackung der Nahrung auf. Zusammen mit ihrem Mann hat Heike Quendt Ende 2015 im Freitaler Technologiezentrum das Unternehmen Quendt Innovation gegründet. Nun, fast zwei Jahre später, zeigen sich erste Erfolge. „Dass es Bedarf für unsere Angebote gibt, war ja zunächst eine Vermutung“, sagt Matthias Quendt. „Jetzt wissen wir: Der Bedarf ist da.“

Ihre Unternehmensidee ist simpel. Weil sich die Essgewohnheiten ändern, müsse sich auch die Lebensmittelindustrie umstellen. Es geht zum Beispiel um vegane Produkte oder um Produkte, die angesichts des jüngsten Eier-Skandals kein tierisches Eiweiß beinhalten.

Zugleich können sich viele mittelständischen Unternehmen keine eigenen Entwicklungsabteilungen leisten. Sie hecheln sozusagen dem Markt hinterher. Heike und Matthias Quendt wollen das ändern. Ihr Geld verdienen sie, indem sie solche Unternehmen beraten und auch selbst neue Produkte entwickeln.

Das Ehepaar kann dabei auf jahrelange Erfahrung setzen. Heike Quendt, die studierte Ernährungswissenschaftlerin ist, hat bis 2013 die Entwicklungsabteilung bei Dr. Quendt in Dresden geführt. Matthias Quendt, ausgebildeter Maschinenbauingenieur, leitete bis 2014 das von seinem Vater gegründete Unternehmen als Geschäftsführer. Als Dr. Quendt in finanzielle Schieflage geriet und der Süßwarenhersteller Lambertz einstieg, musste Matthias Quendt gehen. Er ist aber weiterhin Gesellschafter des Unternehmens.

Das alles spielt für die Quendts kaum noch eine Rolle. Sie haben sich bewusst für den Neuanfang im Freitaler Technologiezentrum entschieden – und sich dort zwischenzeitlich deutlich vergrößert. Zu Ostern ist Quendt Innovation von einem kleinen Büro im Erdgeschoss in doppelt so große Räume im ersten Stock gezogen. Hier gibt es auf rund 300 Quadratmetern Platz für zwei Büros und ein großes Backlabor. Die Mitarbeiterzahl ist von eins auf drei gestiegen.

„Der Umzug war uns wichtig, weil wir ungestört mit unseren Kunden sprechen müssen“, sagt Heike Quendt. Die Räume im Erdgeschoss lagen direkt an einer großen Fensterfront zur Straße hin. Basis des Geschäftsmodells ist aber absolute Verschwiegenheit und Diskretion.

Deswegen ist es auch kein Zufall, dass die Räume von Quendt Innovation ungewöhnlich gut aufgeräumt aussehen. Wenn Heike und Matthias Quendt Vertreter aus der Lebensmittelbranche zu Gast haben, dann soll nichts an künftige Produkte der Konkurrenz, mit denen Quendt Innovation parallel zusammenarbeitet, erinnern.

Insgesamt haben die beiden Geschäftsführer derzeit rund 25 Unternehmen als Kunden, die meisten aus Sachsen. Einer von ihnen stellt zum Beispiel ein eher traditionelles Snack-Produkt her und hat sich nun eine neue Produktionsanlage gekauft. Die Quendts beraten ihn dabei, welche Produkte er mit der neuen Anlage herstellen sollte. Ein anderer Kunde erntet Früchte, hat aber keine Maschinen für die Verarbeitung. Die Quendts wollen dieses Unternehmen deswegen mit einem Kunden zusammenbringen, bei dem es genau umgekehrt ist. Bei einem weiteren Kunden hat der Sohn das Geschäft gerade vom Vater übernommen. Die Quendts helfen dabei, das Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Daneben arbeiten die Quendts auch selbst an Innovationen. Im Backlabor, in dem ein Bäcker und ein Lebensmitteltechniker arbeiten, wird mit Erbsen- und Linsenmehl experimentiert. Heike Quendt will sich demnächst auch mit der Frage beschäftigen, ob Insekten als Nahrungsmittel taugen. In der Schweiz gibt es sie seit diesem Jahr in Supermärkten zu kaufen. Auch in Deutschland könnte es bald so weit sein. „Wenn so ein Trend kommt, müssen wir bereit sein“, sagt Heike Quendt. Ihr Traumziel, wie sie es nennt, ist, dass Quendt Innovation irgendwann einmal verschiedene Forschungsabteilungen hat. Eine für Gebäck, eine für Wurst, eine für Getränke und so weiter.

In den nächsten Monaten wollen die beiden Unternehmer aber zunächst ein Labor für Lebensmitteltests einrichten. Dort können neue Produkte für bestimmte Zielgruppen entwickelt, aber auch Mitarbeiter von Lebensmittelunternehmen geschult werden.

Geht der Plan der Quendts auf, soll aus ihrer Idee ein florierendes Unternehmen werden. Deswegen haben sich die Unternehmer bereits für ein Grundstück auf der Erweiterungsfläche des Technologieparks beworben. Dort könnten sie irgendwann neu bauen. „Wir sehen unsere Zukunft in Freital“, sagt Matthias Quendt. „Das ist ein toller Ort, um sich zu entwickeln.“