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Montag, 14.05.2018

Die Schnapsbrenner von Somsdorf

Jörg und Antje Straßberger machen ein Hobby zum Nebenerwerb. Alles begann mit einem Skiurlaub in Österreich.

Von Annett Heyse

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Jörg und Antje Straßberger haben sich im Keller ihres Wohnhauses eine Brennerei eingerichtet. Hier wird vorwiegend die Ernte von der eigenen Streuobstwiese verarbeitet. Vom Ernten bis zum Abfüllen ist alles Handarbeit.
Jörg und Antje Straßberger haben sich im Keller ihres Wohnhauses eine Brennerei eingerichtet. Hier wird vorwiegend die Ernte von der eigenen Streuobstwiese verarbeitet. Vom Ernten bis zum Abfüllen ist alles Handarbeit.

© Karl-Ludwig Oberthür

  • Jörg und Antje Straßberger haben sich im Keller ihres Wohnhauses eine Brennerei eingerichtet. Hier wird vorwiegend die Ernte von der eigenen Streuobstwiese verarbeitet. Vom Ernten bis zum Abfüllen ist alles Handarbeit.
    Jörg und Antje Straßberger haben sich im Keller ihres Wohnhauses eine Brennerei eingerichtet. Hier wird vorwiegend die Ernte von der eigenen Streuobstwiese verarbeitet. Vom Ernten bis zum Abfüllen ist alles Handarbeit.
  • Die Etiketten ließ Jörg Straßberger von einem Grafikbüro entwerfen. Die „Weißeritztaler Feinbrennerei“ will er zu einer Marke für edle Obstbrände ausbauen.
    Die Etiketten ließ Jörg Straßberger von einem Grafikbüro entwerfen. Die „Weißeritztaler Feinbrennerei“ will er zu einer Marke für edle Obstbrände ausbauen.

Freital. Das Edelstahlfass wirkt von außen so reinlich und steril, als müsste es gleich in einen OP-Saal gerollt werden. Der Inhalt aber hat es in sich. „Birne“, sagt Jörg Straßberger nur und nimmt den Deckel ab. Drinnen schwappt eine glasklare Flüssigkeit, deren Geruch nur auf eines schließen lässt: Alkohol in höherer Konzentration. Jörg Straßberger schnuppert. „Genauso muss es riechen. Wunderbar.“

Der Somsdorfer eröffnet am Sonnabend mit seiner Frau Antje seine kleine Schaubrennerei und verkauft die ersten Abfüllungen seiner Obstbrände, Geiste und Liköre. Damit geht für die Straßbergers ein Traum in Erfüllung, der vor Jahren während eines Skiurlaubs in Österreich begann.

Damals quartierte sich die Familie auf einem Bauernhof in einem Örtchen namens Unken ein. Der Hausherr betrieb nebenbei eine kleine Destille und führte den Gästen die Herstellung seines Obstlers vor. Jörg Straßberger war begeistert. „Das ließ mich nicht mehr los.“ Weitere Skiurlaube in Unken folgten, inklusive Mitarbeit beim Brennen. In den Köpfen des Ehepaars entstand zunächst eine fixe Idee und dann ein richtiger Plan. Jörg Straßberger las sich in die Kunst der alkoholischen Gärung ein, besuchte Schaubrennereien, belegte Wochenendkurse und Seminare. Das Beste, sagt er, sei ein Kurs an der Uni Hohenstein gewesen. „Der war Gold wert, da habe ich richtig was gelernt.“

Nun steht im Keller der Straßbergers eine eigene Brennerei, ganz neu gekauft bei der Müller Brennereianlagenbau aus Baden-Württemberg und vom Zoll mit mehr als 90 Plomben gesichert. „Damit auch ja kein Tropfen Alkohol unversteuert bleibt“, kommentiert Jörg Straßberger, der hauptberuflich als Finanzmakler arbeitet.

Über die Investitionen will er lieber nicht sprechen. Allein die Anlage koste einen fünfstelligen Betrag. „Dazu kommen dann noch Ausgaben für Fässer, Pumpen, Filteranlagen, Flaschen.“ Die Etiketten, versehen mit dem Schriftzug „Weißeritztaler Feinbrennerei“ hat er von einem Grafikbüro anfertigen lassen.

Und was kommt in die Flaschen? Die Straßbergers haben in ihrer ersten Saison vor allem Äpfel, Birnen und Quitten verarbeitet und daraus Obstbrände hergestellt. Zudem haben sie sogenannte Geiste aus Himbeeren, Schlehe und Haselnuss sowie Gin produziert, bei denen der Alkohol zugekauft und zugesetzt wird. Und sie haben sich an einem Kräuterlikör versucht. „Der ist gar nicht so schlecht geworden. Das Rezept lassen wir so“, sagt der 50-Jährige. Die Zutaten für die Obstbrände kommen vor allem von einer Streuobstwiese aus Oelsa. Die haben die Straßbergers eigens für ihre Brennerei gepachtet. Dort wachsen 50 Bäume, die im vergangenen Jahr gut drei Tonnen Obst abwarfen. In diesem Jahr will das Ehepaar sechs Tonnen verarbeiten – wenn das Obstjahr gut verläuft.

In einer solch kleinen Heimbrennerei, von denen es in ganz Deutschland gut 20 800 Stück geben soll, ist alles Handarbeit – von der Ernte bis zum Abfüllen. Zunächst muss das Obst ausgelesen, entstielt, eventuell entkernt und gewaschen werden. Antje Straßberger: „Dabei haben uns Familienmitglieder und Freunde geholfen.“ Dann wird es mittels einer Schabmühle zu einem sämigen Brei verarbeitet – die Maische. Mit Hefe versetzt, kommt die Maische in einen Behälter, wo sie sechs bis sieben Wochen lagert. In diesem Zeitraum wandeln die Hefen den Zucker der Früchte in Alkohol um.

Erst anschließend erfolgt der Brennvorgang: Die Maische wird in den Sudkessel gefüllt und auf mehr als 90 Grad erhitzt. Der dabei entstehende Dampf enthält den Alkohol. Um ihn heraus zu kondensieren, wird der Dampf in einen Kühler geleitet. Am Ende rinnen 90 Prozent Alkohol aus dem Hahn. Nun erfolgt der nächste Schritt. Der Alkohol wird verdünnt – zwischen 40 und 42 Prozent – und in Fässer eingelagert. Die Somsdorfer bieten sortenreinen Quittenbrand sowie Obstler aus alten Apfel- und Birnensorten oder deren Mischung.

Nach langer Vorbereitungszeit beginnt nun die Vermarktung. Jeden Sonnabend wollen die Straßbergers jetzt ihre Schaubrennerei von 9 bis 12 Uhr öffnen. Es kann geguckt, gekostet und gekauft werden. Es werden Flaschengrößen von 0,20 und 0,35 Liter zu Preisen bis 17,50 € angeboten. „Es ist unser Ziel, nicht einfach Schnaps, sondern hochwertige regionale Produkte herzustellen. Das ist etwas für Genießer.“, begründet Jörg Straßberger.

Und er hat schon neue Ideen. So will er demnächst einen Korn brennen, entsprechende Holzfässer, die zur Einlagerung notwendig sind, hat er sich bereits bestellt. Zudem liebäugelt Jörg Straßberger damit, mal einen Whisky zu produzieren. Straßberger: „Die Brennerei ist ein weites Feld und wir stehen noch am Anfang.“

Weißeritztaler Feinbrennerei, Rosenstraße 14e, Freital-Somsdorf. Geöffnet jeden Sonnabend von 9 bis 12 Uhr.