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Donnerstag, 04.02.2016

Die Sachsen halten ihre Euros gut fest

Dresdens Volksbank-Chef Thomas Müller sammelt immer mehr Geld auf Girokonten ein. Dabei bietet er keine Zinsen.

Von Georg Moeritz

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Thomas Müllers Dresdner Volksbank verliert Kunden, aber kein Geld.
Thomas Müllers Dresdner Volksbank verliert Kunden, aber kein Geld.

© André Wirsig

Dresden. Wenn ein Bankdirektor mit schwäbischem Akzent den Sachsen einen vorsichtigen Umgang mit Geld bescheinigt, dann muss das wohl ein Kompliment sein. Thomas Müller, Chef der Dresdner Volksbank Raiffeisenbank mit 184 Mitarbeitern, stellt jedenfalls bei seinen Kunden keine Spur von Leichtsinn fest. Trotz Nullzinsen haben sie voriges Jahr ihr Geld auf sicheren Giro- und Tagesgeldkonten geparkt, den Bestand sogar noch um neun Prozent erhöht. Auch mittelständische Unternehmer in Sachsen „horten“ laut Müller Geld teils auf Girokonten und investieren keinesfalls auf Vorrat in neue Hallen.

Für den Volksbank-Chef war das bisher kein Problem. Zwar verwaltet er 844 Millionen Euro von Kunden, während nur 326 Millionen Euro als Kredite ausgeliehen sind. Müller legt das hereinströmende Geld also zum Teil in Wertpapieren an. Voriges Jahr hat seine Volksbank insgesamt rund sieben Millionen Euro Gewinn im normalen Geschäft gemacht, und für dieses Jahr erwartet Müller dieselbe Größenordnung. Die Bank-Eigentümer, eine wachsende Zahl von 16 328 Genossen, werden daher wieder eine Dividende von vier Prozent auf ihre Genossenschaftsanteile erhalten.

Die Gewinne waren in den vergangenen Jahren allerdings höher. Müller spricht davon, die Zukunft werde schwieriger, die „Durststrecke“ mit Niedrigzinsen dauere noch mindestens bis 2018. Falls dann die Zentralbank vorsichtig die Leitzinsen erhöhe, werde es wohl ein bis zwei Jahre dauern, bis wieder Zinsen von vielleicht einem Prozent auf Tagesgeldkonten ankämen.

Einstweilen ist Müller aber „sehr zufrieden“ mit dem Geschäft. Der Ertrag und die Kundeneinlagen haben seine Erwartungen übertroffen. Die Bilanz der Dresdner Volksbank ist um fünf Prozent auf 924 Millionen Euro Gesamtwert gewachsen. Die neun Filialen in Dresden und sieben im Umland von Radeburg bis Altenberg sollen „aus heutiger Sicht“ erhalten bleiben. Allerdings werde die Digitalisierung das Bankgeschäft zunehmend ändern. Müllers neuer Vorstandskollege Mark Binczick aus dem Rheinland soll sich darum kümmern; er warb am Mittwoch beim Pressegespräch schon einmal für den neuen Online-Bezahldienst Paydirekt der deutschen Banken. Er rechnet damit, dass sich immer mehr Internet-Händler anschließen, sodass diese Abbuchung vom Girokonto üblich wird.

Unter den 18 Volksbanken in Sachsen liegt die Dresdner laut Müller „im oberen Drittel“. Eine Fusion schließt er nicht aus: Man habe alle Nachbarn im Auge, Verschmelzungen unter Genossenschaftsbanken habe es immer gegeben.

Die Dresdner Volksbank hat voriges Jahr einige Gebühren erhöht, zum Beispiel von 4,50 auf 7,90 Euro im Monat für das Service-Konto. Teilhaber der Bank zahlen weniger, ihre Zahl ist um 1,7 Prozent gestiegen, die Zahl der Kunden insgesamt aber um 3,1 Prozent auf 60 000 geschrumpft. Dass die Bank für Kontoüberziehung bis zu 16 Prozent Zinsen verlangt, macht laut Müller nicht viel aus: Weniger als ein Prozent der Kredite entfalle darauf, „der Sachse geht nicht freiwillig ins Dispo“.

Kredite für Immobilien sind laut Müller weiterhin beliebt, dort sieht er keinen Abbruch der Nachfrage. Handwerkern und verarbeitendem Gewerbe geht es nach seinem Eindruck gut, doch Unsicherheit über die Zukunft lasse sie vorsichtig sein.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Demokrat

    Na selbstverständlich ist der liebe Herr Müller zufrieden wenn die Kunden immer mehr Geld auf dem Girokonto ect haben. Die Bank arbeitet mit dem Geld der die es auf dem Konto haben beteiligen aber den Kunden nicht etwa an Zinserträgen nein sie erhöhen noch die Gebühren. Der Herr Müller wird wohl dann wie weitere Vorstände mit gutem Gehalt u. Bonus belohnt. Aus meiner Sicht ist das ganze Bankensystem nicht mehr der modernen Zeit entsprechend u. zutiefst undemokratisch. Der einzelne Kunde als juristische Person oder auch die Firma die ihr Geld bei der Bank verwalten lässt erarbeitet es u.leiht es ja der Bank denn die hat das Recht damit zu arbeiten nichts dagegen wenn der Geldgeber daran auch verdienen würde.Heute ist es fast besser Erspartes in einem sicheren Safe aufzubewahren als es der Bank zu geben.

  2. Nachdenken

    Hallo Demokrat, erst nachdenken und danach schreiben. Es ist eben nicht so, dass Banken unbedingt sehr großes Interesse haben, zusätzliche Gelder zu bekommen, denn diese müssen teilweise bei der EZB mit Strafzins (derzeit 0,3 %) angelegt werden. Und für die Kredite können die Banken derzeit auch kaum höhere Zinsen verlangen, da das Umfeld mit der Niedrigzinspolitik der EZB nur für den Kunden interessant ist und nicht für die Bank. Eine Hausfinanzierung bekommen Sie heute bereits mit Zinsen deutlich unter 2 Prozent, wo soll da die Bank noch etwas verdienen?

  3. Horstl

    Dafür wirft der Freistaat das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster.Für kostenlose Taxifahrten,horrende Mieten /Unterbringungen oder Personal und Materialkosten dabei fehlt es an allen Ecken im Land.s.Frau Kurth oder Polizei und Ärzte. Der Wahnsinn geht weiter.

  4. Bernd

    Also wenn ich das richtig gelesen haben denn legen eben doch mehr Kunden Geld an ( Zuwachs 5%) und dabei ist der Herr Müller sehr zufrieden. Irgendwie kommt mir das bei den Bedenken von @ 2 ( Strafzinsen) komisch vor! Aber ist ja egal. Jede Bank arbeitet damit das sie Geld einwirbt und anderen es zu höherem Zinssatz verleit. Normales Bankgeschäft eben, nur bei manchen nennt man es "Schneeballsystem" und zwar dann, wenn diese dem eigenen system zu nahe kommen. Das wusste schon Brecht: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Die Gründung einer Bank ist das größere Verbrechen! Selbst Gott hatte mit den Geldverleihern so seine Probleme!

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